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Nordirland: Die Sache mit der Erinnerungskultur und den britischen Würstchen

3. Februar 2021 By Manfred Messmer

Politik hat wenig mit Vernunft zu tun. Ginge es vernünftig zu und her, dann gäbe es keine Konflikte mehr.

Doch daran hat niemand ein Interesse, nicht mal die neutrale Schweiz. Wem wollte sie in einer von Vernunft getriebenen Welt noch ihre Guten Dienste anbieten?

Selbstverständlich gelingt es hin und wieder einen Konflikt mit Verträgen und Absicherungen einzudämmen. Wenn es die Umstände ermöglichen, gar pausieren zu lassen, sodass viele annehmen, er hätte sich erledigt.

Doch ein Konflikt ist erst dann für immer erledigt, wenn sich die UrururhochX-Enkel nicht mehr daran erinnern, was es mit dem Konflikt von damals auf sich hatte.

Damit es auf keinen Fall so weit kommt, pflegen Gesellschaften die Erinnerungskultur.

Und reden so der nächsten und nächsten und nächsten und auch noch der danach folgenden Generation ein, die Erinnerung an diesen Konflikt sei die Grundlage für das Selbstverständnis „unserer Nation“ (oder Religion oder Ethnie oder und so weiter.)

Deshalb ist leicht zu verstehen, dass wer sich in einen Konflikt einmischt, selbst wenn dieser schon stark abgekühlt ist, wie der in Nordirland, sich leicht Verbrennungen holen kann.

Denn zum Wesen eines Konflikts gehört es, dass er schwelt.

Der nordirische Konflikt scheint gerade eben wieder aufzuflammen.

Wegen Corona und dem Artikel 16 des Nordirland-Protokolls.

Was als Anlass gar nicht so wichtig ist, weil selbst Blumenerde oder britische Würstchen genügend Zunder für ein neues Feuer liefern.

Auf den Punkt gebracht: In Nordirland trifft Vertragstheorie auf Alltagswirklichkeit – sprich auf Interessenvertreter-innen, die auf jegliche Vernunft pfeifen müssen, wollen sie nicht ihre Machtposition aufs Spiel setzen.

Wie die EU aus dem Nordirland-Schlamassel wieder rauskommt – in den nächsten Tagen werden wir mehr erfahren.

Oder vielleicht erst in einer Generation.

Kategorie: Politik Stichworte: #Brexit, EU

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Marcus Denoth meint

    4. Februar 2021 um 12:32

    Zum Thema Erinnerungskultur empfehle ich ihnen folgendes Werk:

    https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/sebastian-de-pretto/im-kampf-um-geschichten/id/9783847111085

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