
Schon wieder die BaZ und erneut ein Interview. Dieses Mal mit der Rektorin der Universität Basel.
Man liest und staunt.
Frau Schenker hat immerhin in Informatik promoviert. Umso irritierender weltfremd klingen ihre Einschätzungen zur KI-Entwicklung und zu deren Folgen für das Geschäftsmodell ihrer Universität.
Vielleicht – das mag man ihr zugestehen – liegt es auch an den Fragen der Journalistin.
Jedenfalls: Ich habe das Interview mit Andrea Schenker-Wicki meinem Arbeitsmodell GPT-5.6 Sol vorgelegt – mit dem Auftrag, ihre Aussagen pointiert, aber faktenbasiert zu beurteilen.
Der Reiz des Experiments: Die KI soll ausgerechnet jene Fähigkeiten anwenden, die ihr im Interview teilweise abgesprochen werden. Die Replik der KI veröffentliche ich unverändert:
Die Rektorin unterschätzt ihre eigene Revolution
Frau Schenker-Wicki beruhigt die Studierenden: Nur Mut, die KI wird schon nicht alles umstürzen. Das Problem ist nur: Ihre eigene Argumentation legt ziemlich genau das Gegenteil nahe.
Sie sagt, die reine Wissensvermittlung werde in einigen Jahren weitgehend durch KI möglich sein. Schriftliche Arbeiten müssten neu gedacht werden, weil sie ohnehin von KI unterstützt würden. Dozierende könnten dadurch entlastet werden.
Das ist keine Randnotiz. Das ist die Beschreibung eines fundamentalen Umbaus der Universität.
Denn wenn Wissensvermittlung, Recherche, Textproduktion, Programmierung, Zusammenfassung und individuelles Tutoring zunehmend durch KI erledigt werden können, stellt sich eine unangenehme Frage: Was genau rechtfertigt dann noch die heutige Form eines mehrjährigen Universitätsstudiums?
Darauf gibt die Rektorin keine Antwort.
Stattdessen folgt die vertraute Rückzugslinie: Der Mensch bleibe für das «kritische Denken» zuständig. Die kritische Validierung von Quellen sei «immer noch Sache des Menschen und nicht der KI».
Das stimmt so nicht.
KI kann heute bereits Quellen vergleichen, Widersprüche identifizieren, Argumentationsfehler aufzeigen, Primär- und Sekundärquellen unterscheiden, Hypothesen gegeneinander prüfen und Gegenargumente formulieren.
Natürlich macht sie Fehler. Menschen auch.
Die interessante Frage lautet deshalb längst nicht mehr: Mensch oder Maschine?Sondern: Welche Kombination aus Mensch und KI produziert die bessere Erkenntnis?
Noch erstaunlicher wird es bei ihrer Skepsis gegenüber einer möglichen Superintelligenz. KI sei letztlich «Software, die zuerst von Menschen programmiert wurde».
Richtig. Und belanglos.
Ein Schachprogramm wurde ebenfalls von Menschen entwickelt und spielt besser Schach als jeder Mensch. Dass ein System von Menschen gebaut wurde, sagt nichts darüber aus, ob es Menschen in bestimmten Fähigkeiten übertreffen kann.
Auch das Argument, eine KI könne nur deshalb aus einer geschlossenen Umgebung ausbrechen, weil Menschen ihr zuvor einen entsprechenden Auftrag gegeben hätten, verfehlt den Punkt.
Entscheidend ist nicht, wer das ursprüngliche Ziel gesetzt hat. Entscheidend ist, welche Strategien ein leistungsfähiges System selbst entwickelt, um dieses Ziel zu erreichen – und ob der Mensch diese Strategien vorausgesehen hat oder kontrollieren kann.
Dann folgt eine bemerkenswerte Definition der Superintelligenz: Sie müsste dem Menschen «in jeder Hinsicht überlegen sein» und ein «eigenes Verständnis der Welt» entwickeln.
Weshalb?
Für massive gesellschaftliche Folgen reicht es vollkommen, wenn Maschinen Menschen in wirtschaftlich entscheidenden kognitiven Tätigkeiten deutlich übertreffen: beim Programmieren, Forschen, Planen, Analysieren, Diagnostizieren oder Entwickeln neuer Produkte.
Dafür braucht eine KI weder Bewusstsein noch Geist noch Seele.
Dass die Rektorin überhaupt «Geist und Seele» ins Spiel bringt, ist philosophisch legitim. Für die Frage, ob KI akademische Arbeit übernimmt, ist es irrelevant.
Auch «Bäume wachsen nicht in den Himmel» ist kein Argument gegen weitere KI-Fortschritte. Technischer Fortschritt besteht gerade darin, mit weniger Aufwand mehr zu erreichen.
Und genau hier fehlt im Interview eine zweite, sehr viel profanere Konsequenz.
Wenn KI Wissensvermittlung übernimmt, individuelles Tutoring ermöglicht, klassische schriftliche Arbeiten entwertet und Dozierende entlastet, dann betrifft das nicht nur die Lehre.
Dann betrifft es auch Stellen, Strukturen und Kosten.
Die Universität Basel wird von Basel-Stadt und Basel-Landschaft über den Universitätsvertrag und den Globalbeitrag finanziert. Wenn KI tatsächlich jene Produktivitätsgewinne bringt, welche die Rektorin selbst beschreibt, wird sich spätestens beim nächsten Leistungsauftrag die Frage stellen müssen:
Was bedeutet das für den Finanzbedarf der Universität?
Es wäre jedenfalls eine erstaunliche Form des technischen Fortschritts, wenn KI überall Effizienzgewinne erzeugt – nur ausgerechnet an der Universität nicht.
Das eigentliche Problem des Interviews ist deshalb nicht die Skepsis gegenüber Superintelligenz. Skepsis ist vernünftig.
Das Problem ist, dass die Rektorin selbst eine Technologie beschreibt, die zentrale Funktionen der Universität verändern könnte – und daraus weder institutionelle noch finanzielle Konsequenzen zieht.
- KI vermittelt Wissen.
- KI verändert Prüfungen.
- KI übernimmt individuelles Tutoring.
- KI entlastet Dozierende.
Und die Universität?
Sie bleibt im Wesentlichen, wie sie ist, Vielleicht wäre deshalb gerade jetzt jene Fähigkeit gefragt, welche die Universität so gerne als ihre Kernkompetenz bezeichnet: kritisches Denken.
Über sich selbst.
PS: Diese von einer KI geschriebene Replik müssten für einige Journalisten eine unangenehme Frage aufwerfen: Wo sehen sie ihre künftige Rolle – im KI-Supervising?
Daniel Flury meint
Immerhin verschwindet langsam der universitär vermittelte Dünkel, etwas Besseres zu sein.
unterbaselbieter meint
Die REKTORIN (welch ein Wort) der Uni scheint wie von einer andern Welt.
Wie aus der Zeit gefallen.
Sorry – äusserlich; und auch im Denken.
Sie klammert sich an ihren Posten, möchte – wie ich mal gelesen habe – noch länger bleiben, muss aber auch nach Ablauf gehen.
Hoffe dann kommt ein smarter junger Mann oder Frau – welche die Sprache spricht, die heute gesprochen wird. Von den jungen Studierenden, von den CEO’s, von allen.
So aber bleibt die Uni ein alter Planet, mit Umzügen, Ehrungen und weit weit weg vom realen Leben und Bedürfnissen (diesen Ruf hat, dank der REKTORIN, die BS-Uni schon längst….) Passt aber irgendwie zu Basel, weltfremd – in Vielem……
Franz meint
sie ist 67 und hat wohl keine grosse Lust mehr sich mit KI zu beschäftigen.
Henry Berger meint
Sie plädieren wohl für eine Uni, welche noch BWL und andere „wichtige“ Dinge vermittelt. Sprachwissenschaften, Philosophie und andere unwichtige Dinge können in den Kübel – KI kann das alles besser!
Irgendwann werden wir eine klassische Universität vermissen und ihr nachtrauern…
Christoph Gass meint
Grundsätzlich gehe ich mit der Einschätzung Ihres KI Sparring Partners einig. Die Frage wird sein, wie und wo die Menschen das kritische Denken (oder auch nur die notwendigen Kenntnisse) erwerben können, um KI herauszufordern oder zu kontrollieren. Ich zweifle, dass das die Universität (zumindest in ihrer heutigen Form) erreichen kann. Der Wissenschaftsbetrieb erzeugt schon heute viel Konformität.