
Markus Eigenmann, seit Januar zuständig für die Bildung im Landkanton, will für die Vertragsperiode ab 2030 neue Bedingungen bei der Finanzierung der Universität Basel — sollte er denn 2027 wiedergewählt werden und die Bildungsdirektion noch politisch lenken wollen.
Eigenmann präsentierte nach hundert Tagen seine Agenda: Er will einen günstigeren Finanzierungsschlüssel. Er argumentiert nüchtern, diplomatisch, zahlengestützt. Kein Baselbieter Ressentiment, keine Kündigungsdrohung.
Er rechnet immerhin nach.
Der Baselbieter Anteil blieb von 2015 (161,6 Millionen) bis 2025 (166,3 Millionen) praktisch konstant. Mit der neuen Vertragsperiode kommt der Sprung: 733 Millionen für vier Jahre. Am stärksten wächst die Sparte Immobilien — plus 13,3 Prozent, deutlich mehr als Lehre und Forschung. Und wegen bereits bewilligter Bauprojekte steigen die Immobilienkosten ab 2030 nochmals.
Man baut. Für wen, fragt niemand.
Denn die heutige Massenuniversität hat ein Problem: die Künstliche Intelligenz. KI entwertet genau jene Tätigkeiten, für die sie ausbildet: Wissensverarbeitung mittlerer Komplexität.
Der Junganwalt, der Verträge prüft. Der Junior-Consultant, der Folien baut. Der Betriebswirtschafter, der Analysen erstellt. Der Informatiker, der Standardcode schreibt.
Das sind die klassischen Einstiegspositionen der akademischen Mittelschicht. Und genau dort schlägt die KI bereits durch – es sind exakt jene Tätigkeiten, für die die grossen Fakultäten seit Jahrzehnten ausbilden.
In den MINT-Fächern hingegen ist KI Werkzeug. Forschung ohne sie ist dort gar nicht mehr denkbar. Überall sonst ist sie Substitut. Der Quantenphysiker wird produktiver. Der Durchschnittsjurist überflüssig.
Dass also Massenuniversitäten schrumpfen könnten, weil ihr Produkt den Markt verliert, hat derzeit kaum jemand auf dem Radarschirm. Die Zahlen bestätigen das. Kalkulationsgrundlage auch des nächsten Vertrags: Wachstum.
Genau das ist das Problem. Wer sich an Beton und Zahlen hält, hat die Prämisse bereits geschluckt: dass die Universität von 2035 dieselbe sein wird wie die von 2025.
Nur teurer.
Eigenmann führt eine Verteilungsdebatte, wo eine Strukturdebatte fällig wäre. Er stellt die falsche Frage. Grundsätzlich.
Dabei müsste er es besser wissen als jeder andere in der Regierung. Eigenmann war Gemeindepräsident von Arlesheim. Dort, auf dem Schorenareal, hat die Familie Staehelin mit privatem Kapital hingestellt, was die Hochschulinfrastruktur der Zukunft ist: uptownBasel, QuantumBasel, der erste kommerzielle Quantencomputer-Hub der Schweiz.
IBM ist Partner, IonQ betreibt auf dem Areal seinen ersten europäischen Quantenrechner. Rechner statt Hörsäle. Exzellenz statt Fläche.
Und die Universität Basel?
Die hat das mögliche Nachfolgemodell der Massenuniversität längst im Haus. Das Basel Quantum Center bündelt über 200 Forschende aus 17 Professuren. Das Center for Quantum Computing and Quantum Coherence besteht seit 2005. Aufgebaut wurde es von Daniel Loss, dessen Spin-Qubit-Konzept seit den Neunzigerjahren zur Grundlagenliteratur der Quanteninformatik gehört.
Weltweit.
Seit Oktober 2024 ist die Partnerschaft mit QuantumBasel vertraglich besiegelt: Spitzenforschung am Petersplatz, Maschinen in Arlesheim.
Klein, teuer pro Kopf, privat kofinanziert, global vernetzt. So sieht die Universität nach der KI-Revolution aus. Niemand muss sie erfinden. Sie steht da, in den beiden Basel.
Die Universität Basel besitzt beides: die älteste Hochschule der Schweiz und eines ihrer jüngsten Zukunftsmodelle. Die Politik scheint sich entschieden zu haben, die erste zu verwalten.
Wohl aus gutem Grund: Die Vergangenheit ist billiger als die Zukunft.
PS: Es wäre an der Zeit, dass die Parteien KI-Arbeitsgruppen einrichten. Am besten aufgestellt ist die Baselbieter FDP. Sie hat seit kurzem ein neues Mitglied, das in Sachen KI zur Spitze gehört, nicht nur in der Schweiz.