
Mediale Aufregung übers Wochenende: Eine gewisse Frau Richner soll neue TV-Chefin von SRF werden. Sie soll nicht links sein, sondern bürgerlich.
Aufschrei.
Doch der grösste Schocker ist offensichtlich ihr Mann. Der ist Markus Somm. Mit dem sie fünf Kinder hat, was man auch nicht wissen muss.
Nun, was sich da anbahnt, wäre in der Schweiz tatsächlich ein Novum – nicht formal, aber machtsoziologisch: Ein einflussreiches Ehepaar ohne gemeinsame Karriere, aber mit überlappenden Wirkungsräumen.
Wollte man, könnte man darin Brisanz verorten.
Doch wir haben es nicht mit einem möglichen Compliance-Problem zu tun. Weder rechtlich noch journalistisch. Ihr Ehemann Markus Somm ist zwar publizistisch via Nebelspalter und SonntagsZeitung und mit seinen öffentlichen Auftritten publizistisch sichtbar, aber im Mediensystem strukturell marginal.
Der eigentliche Test ist ein anderer: Hält die urbane Schweiz es aus, dass Macht nicht mehr entlang alter Lagergrenzen sortiert ist?
Zumal das mit der linkslastigen SRF eh eine völlige Fehldeutung ist. SRF leidet nicht an Linksdrall, sondern an sozialer Homogenität. Dort hat sich ein urbanes, akademisch geprägtes Milieu mit ähnlichen biografischen Codes eingerichtet.
SRF hat ein Bubble-Problem, kein ideologisches.
Eine bürgerlich gelesene Direktorin ändert daran wenig. Ausser sie greift redaktionell tiefer ein – was auf echten Widerstand stossen würde.
Wenn nun das urbane Milieu ob der Möglichkeit in Schnappatmung verfällt, dann passt das zu einem im Kern konservativ-kleinbürgerlichen Habitus: In modernen Eliten sind Paarungen längst funktional entkoppelt.
Wer das ignoriert, zeigt weniger Sorge um die Unabhängigkeit des Senders als die Bestätigung genau dieses kleinbürgerlichen Habitus.
Wenn Anita Richner wegen Markus Somm verhindert würde, wäre das kein Sieg der journalistischen Unabhängigkeit, sondern deren Fehlinterpretation.
Wenn sie trotz Markus Somm gewählt wird, bestätigt das: Die Schweiz lebt in einer anderen Realität, als viele Redaktionen wahrnehmen wollen.
Oder noch mehr auf den Punkt gebracht: Das eigentliche Problem ist nicht ein bürgerlicher Ehepartner an der Spitze von SRF – sondern ein Mediensystem, das private Differenzierung mit politischer Gefahr verwechselt.
Seis drum.
Wer auch immer die Personalie an die Medien durchgestochen hat, hat zumindest eines erreicht: Ein Zurück ist kaum mehr möglich, ohne Schaden anzurichten.
Wir gratulieren Frau Richner zur Wahl auf den Chefposten.
Arlesheimreloadedfan meint
Glück gehabt.
So findet sich eine Mehrheit für “ 200 Franken sind genug.
Daniel Flury meint
Unser Medien-Napoleon hat fünf Kinder?
Unvorstellbar.
P. Keller meint
Was zudem klar für die Robustheit dieser (möglichen) Kandidatin spricht: wer mit einem Herrn Somm eine Ehe inkl. fünf Kids schafft&durchzieht, ist erfolgreich krisenerprobt.