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Schluss mit den Illusionen

28. Dezember 2023 By Manfred Messmer

Tauben

Auch hier wird diskutiert, dass die Kosten fürs Nichtstun erheblich höher sind, als wenn wir jetzt in Massnahmen investieren, um den Temperaturanstieg auf 1.5 bis 2 Grad zu drosseln.

Es sind drei Fehlannahmen in diesem Satz: a) wird angenommen, als ob wir – also irgendjemand – wüssten, was uns der Netto-null-Umbau der Gesellschaft kosten wird; b) wird gesagt, die Kosten fürs Nichtstun wären immens höher und schliesslich c) der Temperaturanstieg sei mit menschlichen Massnahmen zu stoppen, weil er schliesslich auch auf den Menschen zurückzuführen sei.

Man sollte drei Dinge eingestehen: 1. Nichtstun steht nirgendwo zur Diskussion, ergo stehen auch dessen Kosten nicht zur Debatte. 2. Niemand kennt die tatsächlichen Kosten des ökologischen Umbaus. Zwar kann man die Kosten für Gebäudedämmungen, den Heizkesselersatz, den Anschluss für Fernwärme, den Ausbau der Solar- und Windenergie, den kompletten Ersatz der Verbrenner-Autos durch EV usw. berechnen.

Was jedoch die sozialen Verwerfungen anbelangt, die der ökologische Umbau der Gesellschaft bedeutet – man schaue auf Frankreich und Deutschland wenn es um ein paar CO2-Abgabecent geht -; man rechne die gesellschaftlichen Kosten für den destabilisierenden Aufstieg der Rechtspopulisten in der Niederlande, Deutschland, Frankreich und anderen Ländern hinzu und erweitere diese Liste mit eigenen Ideen, dann ist klar, dass die Kosten für das Netto-null-Ziel, wie beispielsweise in Basel fürs Jahr 2037 per Volksabstimmung festgelegt, schlicht nicht zu stemmen sind.

Zumal man in Basel-Stadt sich einredet, damit das (fiktive) 1.5 Grad-Ziel einhalten zu können.

Was konkret bedeutet, dass wir nicht nur den Trend der letzten drei Jahrzehnte umkehren müssen, sondern auch die Netto-Emissionen in den nächsten dreizehn Jahren auf null herunterzuschrauben.

Das Netto-null-Ziel für Basel-Stadt ist, mit Verlaub, schlicht absurd.

Und wird deshalb, je näher wir dem Datum kommen, jede Menge Frust auslösen.

Wenn ich also die Netto-null-Kosten nicht berechnen kann, weil zuviele Unbekannte dies verunmöglichen, kann ich auch nicht sagen, dass Nichtstun – was übrigens gar nicht zur Diskussion steht – immens mehr kosten wird.

Nebenbei – wer hatte vor ein paar Wochen im Zusammenhang mit der CO2-Problematik diese Huthi auf dem Radar? Die Folgen deren Drohnenkriegs im Roten Meer, so sagen Experten, sei bereits messbar: „Es wird zusätzlichen CO2-Ausstoss von bis zu 35 Prozent geben“, weil die Handelsschifffahrt den weiteren Weg ums Kap nehmen muss.

Soll man also nichts tun?

Oh doch. Doch statt grosse Ziele fürs Jahr 2037 oder 2050 zu verkünden, die eh nicht erreicht werden können, sollten wir uns auf die vielen kleinen Schritte konzentrieren, die machbar sind und deshalb ein gutes Gefühl erzeugen.

In Beantwortung der Frage, was für uns als Gesellschaft in einer sich rasant verändernden Welt tatsächlich wichtig ist. Und uns auf die Verteidigung dieses gesellschaftlichen Konsenses vorbereiten.

Mit beträchtlichen Mitteln.

Kategorie: Klimawandel, Politik Stichworte: Klimawandel

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Rampass meint

    31. Dezember 2023 um 10:00

    Auf dem Bölchen steht eine Tafel: „Freie Sicht aufs Mittelmeer“. Das war vor 215 Millionen Jahren noch möglich, da das Mittelmeer mangels Alpen direkt am Jura endete.
    Nun wollen ein paar Oberschlaue innerhalb von ein paar Jahren die sogenannte Klimaerwärmung mittels Ausstieg aus fossilen Energieträgern und etwas Gebäudedämmung stoppen und so die Gletscher wieder zum Wachsen bringen?
    Give me a break!
    Wie man die letzten 50 Jahre mitgekriegt hat, bringen die kleinen Schritte Erfolg. Dazu braucht’s keine hysterischen Klimakleber und deren Supporter.

  2. Patrick meint

    28. Dezember 2023 um 13:48

    Die sozialen Verwerfungen werden so oder so kommen, egal ob wegen dem (rechten) Populismus der vorgaukelt dass die Klimakrise nicht relevant ist oder wegen der schwindenden Lebensgrundlagen und der zunehmenden Migration wenn er dann auch in unseren Breitengraden verstärkt spürbar wird (und nein, es geht dann nicht mehr um die Skiorte auf 2000m denen der Schnee fehlt).

    Aus gutem Grund bezeichnen Linke und Grüne daher die Klimafrage auch soziale Frage. Dumm halt, dass die Politik (nicht nur in CH) wenig Interesse daran zeigt, diese soziale Frage anzugehen.

    • M.M. meint

      28. Dezember 2023 um 15:34

      Das ist es, was ich meine: „Die sozialen Verwerfungen werden so oder so kommen“; ab „egal ob...“ darf dann jeder einsetzen, was er will.

      Im Übrigen ist nicht alles sozial, wo „sozial“ draufgeklebt wird, auch wenn Linke und Grüne solches behaupten.

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