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Das Herzstück resetten

31. Oktober 2018 By Manfred Messmer

Markus Vogt hat vor ein paar Wochen in seiner Kolumne «Warten auf das Herzstück» Wikipedia zitieren müssen, um etwas Substanzielles zum aktuellen Stand der Arbeiten schreiben zu können.

Obwohl die Regierungen der beiden Basel gerade eben einen neuen «Standbericht für den Ausbau des Bahnknotens Basel» veröffentlicht hatten.

Was mich nicht verwundert hat. Denn das Herzstück ist seit Jahren vor allem ein Treten an Ort.

Was heisst, es werden ganz ernsthaft Zahlen und Konzepte hin und her geschoben, ohne dass sich auch nach achtzehn Jahren abzeichnet, ob und wann überhaupt die unterirdische S-Bahn quer unter der Stadt verwirklicht wird.

Die Planer haben als neues Ziel das Jahr 2040 genannt. Also gefühlt am Sankt-Nimmerleins-Tag.

Das politische Spiel in der Schweiz geht so, dass es nur für diejenigen Geld aus dem Berner Jackpot gibt, welche die anderen glauben machen können, ihre Region stehe kurz vor dem Zusammenbruch.

Das ist den Baslern bisher nicht gelungen.

Das Herzstück ist «nice to have», aber keine Frage von Sein oder Nichtsein.

Dass Basel rumgeschubst wird, liegt auch daran, dass die Federführung in den falschen Händen liegt.

Ingenieure und Buchhalter sind gut in ihrem Fach, aber es gehört nicht zu ihrer Kernkompetenz, Visionen zu verkaufen.

Der von den beiden Kantonen angeheuerte Projektleiter ist ein durch und durch vertrauenswürdiger, kompetenter Mann. Doch er hat das Charisma eines auf Normen fixierten Bundesbeamten, der er bis zu seiner Pensionierung auch tatsächlich war.

Wir müssen den Grundlagenirrtum des Projekts überwinden, die Welt sei in zwanzig Jahren noch immer so, wie sie sich uns heute darstellt.

Woraus folgt: All die sauber gezeichneten Pläne, die seriös formulierten Konzepte und die im Anhang fehlerfreien Additionen zeigen nichts anderes als des Kaisers neue Kleider.

Hören wir auf, uns zu belügen: Wenn das Herzstück lediglich ein Verkehrsstrang ist, um in zwanzig Jahren die Zersiedelten aus dem Umland direkt ins Zentrum zu bringen, dann ist das rausgeschmissenes Geld.

Es ist Zeit, das Spiel zu ändern: Man fährt die Planungsarbeiten runter und drückt den Reset-Knopf, indem das Herzstück vom Baudepartement zur Stadtentwicklung verschoben wird, dort wo es in dieser Phase hingehört.

Es wird kein Geld mehr in Ingenieurbüros gesteckt, sondern für die nächsten fünf Jahre in Kreativität und Szenarien investiert zur Frage, wie wir denn unsere Zukunft gestalten wollen.

Um nicht von ihr überrumpelt zu werden.

Dazu müssen wir den Fächer öffnen und das Herzstück thematisch breiter aufstellen.

Zu den Überlegungen über die (mobile) Zukunft gehört die Gewissheit, dass schon vor 2040 intelligente Netzwerke autonome Fahrzeuge steuern werden. Künstliche Intelligenz wird bis dahin unser Gesundheitswesen umkrempeln und die Pharmaindustrie erst recht. Die Messe braucht keine Ausstellungshallen mehr, für Hightech-Start-ups werden grossartige Räume frei. Die Grenze zwischen Online-Shopping und Offline-Einkauf werden verwischen.

Und: Wir müssen uns auf eine neue soziale Schicht vorbereiten, die der Nutzlosen. (Die Botschaft von Novartis an die 2000 Entlassenen war deutlich.) Big-Data-Algorithmen und weniger die Politik entscheiden, was dem Einzelnen zugestanden wird.

Das alles hängt mit dem Herzstück zusammen, weshalb es Dreh- und Angelpunkt für die grosse Zukunftsdiskussion werden muss.

Auf gehts!

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung vom 31. Oktober 2018.

Kategorie: BaZ-Kolumne, Politik Stichworte: BaZ-Kolumne, Einsichten

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Arlesheimreloadedfan meint

    31. Oktober 2018 um 12:12

    Die Basler versenken 120 Millionen in Planung!
    2019 baut die SBB von der Ticino- bis zur Verzascabruecke eine neue Doppelspur mit neuem Bahnhof für weniger als 100 Millionen ? ? ?

  2. igitt meint

    31. Oktober 2018 um 10:52

    „Die Nutzlosen“ – diesen Jargon hatten wir schon mal („nutzlose Esser“). Richtig übel, Ihr Wortschatz, Herr Messmer (Falls „habe ich ja nicht so gemeint“: doch!)

    • M.M. meint

      31. Oktober 2018 um 17:18

      Harari lesen oder das hier: AI will create ‚useless class‘ of human, predicts bestselling historian

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