Interessanter Schlagabtausch in der BaZ zur verfahrenen Spitalsituation in den beiden Basel. Während Oliver Sterchi feststellt: «Seien wir ehrlich: Basel-Stadt und Baselland werden sich nie einigen», antwortet heute FDP-Gesundheitspolitiker Sven Inäbnit: «Flinte ins Korn werfen? Sicher nicht!»
Was beide Positionen vereinigt: Es handelt sich um Spekulationen über Befindlichkeiten. Während Sterchi die Lösung im Beton sieht, plädiert Inäbnit für eine stärkere Zusammenarbeit.
Beides sind Luftschlösser, weil beide die institutionelle Frage umgehen: In einem Staatsvertrag von 2018 verständigten sich die beiden Basel auf einen gemeinsamen Gesundheitsraum, doch gleichzeitig forcieren die Kantone als Eigentümer mit Investitionen den Wettbewerb ihrer verselbständigten öffentlichen Spitäler.
Dass die Konstruktion nicht funktioniert, haben inzwischen sogar die Gesundheitskommissionen beider Parlamente festgestellt: 2024 rügten sie, der Staatsvertrag werde in zentralen Punkten nicht erfüllt.
Was fehlt, ist ein Ausweg.
Den gab es mal, und er war erstaunlich, ja, man könnte sagen: geradezu revolutionär.
Ende der 80er Jahre gelang es dem damaligen LDP-Präsidenten und Nationalrat Martin H. Burckhardt, Architekt und Unternehmer, ein paar engagierte Medizinprofessoren für ein gemeinsames Projekt zu begeistern.
Sämtliche Chefärzte und Leitende Ärzte der kantonalen Spitäler sollten gemeinsam eine Analyse über ihre jeweilige Disziplin liefern, Vorschläge für eine vertiefte Zusammenarbeit vorlegen, Doppelspurigkeiten nennen und auch das: vorschlagen, wo in Zukunft was angeboten werden soll.
Man muss sich das mal vorstellen: Die Chefs konkurrierender Spitäler setzen sich zusammen, um einer schon damals völlig verfahrenen Gesundheitspolitik einen Impuls zu geben, der nicht politisch, sondern rein fachlich begründet wurde. Alle waren einverstanden, weiter zusammenzuarbeiten.
Es wurde ein 370-seitiges Buch.
Ich hatte von Martin Burckhardt den Auftrag erhalten, die Arbeiten der Chefärzte und Professoren zu koordinieren, die Texte redaktionell zu begleiten und die Produktion zu überwachen.
Das Ergebnis war «Medizin 2000». Herausgeber waren die Professoren Erwin Morscher, Alfred Pletscher und Paul Walter. SRF beschreibt es als das, was es war: eine «Auslegeordnung des Gesundheitswesens in der Region Basel». [Originalbeitrag zum Nachhören.]
Das Echo war enorm.
Und die zuständigen Regierungsräte beleidigt. Man hatte sie erst kurz vor der Medienkonferenz über das Vorhaben und die Ergebnisse informiert.
Kurz nach der Medienkonferenz hatte ich ein letztes Treffen mit Erwin Morscher in dessen Büro, als Remo Gysin, damals Vorsteher des Sanitätsdepartements, wie es damals hiess, anrief.
Ich wollte den Raum verlassen, doch Morscher forderte mich auf zu bleiben und stellte das Telefon auf Lautsprecher.
Ich traute meinen Ohren nicht: Dieser Regierungsrat stauchte den international renommierten Uni-Professor wie einen Erstklässler zusammen. Ich war baff. Wie konnte ein Mann in diesem Amt derart die Contenance verlieren?
Nach dem Telefonat, das gegen eine halbe Stunde dauerte, fragte ich Erwin Morscher: Warum lässt du dir das von diesem Rüppel gefallen? Er zuckte mit den Schultern, lächelte und sagte: «Was soll’s.»
Politisch weiterverfolgt wurde der Bericht nie.
Wenn die beiden Basel konsequent in «Gesundheitsraum» denken würden, könnten sie die Idee von «Medizin 2000» wieder aufnehmen.
Der Ansatz ist noch immer aktuell: Was medizinisch zusammengehört, soll zusammenarbeiten; die Grundversorgung wird mit Ambulatorien in der Fläche gesichert, universitäre Schwerpunkte werden in Basel konzentriert.
Die Gelassenheit eines Erwin Morscher gilt noch immer: Ob die Politik handelt oder nicht – die normative Kraft des Faktischen wird es richten.