
Nein, damit will ich mich gar nicht erst beschäftigen: mit dieser politischen Kakophonie auf allen Kanälen über den Aufstieg der Rechten im Osten der Republik und neuerdings auch in westdeutschen Bundesländern.
Ich habe keine Erklärung, die über die Summe all der Erklärungen hinausgeht.
Ausser einer Frage, die mich gelegentlich beschäftigt: Könnte die Dauerberieselung mit der historischen Aufarbeitung des Dritten Reiches – in allen denkbaren Nuancen und Kriegsszenarien – etwas damit zu tun haben?
Bedient das Gezeigte womöglich jene 60er-Jahre-Nostalgie, die meine Grossmutter in den Satz fasste: «Es war nicht alles schlecht unter Hitler»?
Da herrschte Ordnung. Da wurde Kameradschaft gepflegt. Da war der Mann noch ein Mann. Und wer nicht in die Gemeinschaft passte, wurde eben aussortiert.
Auch deshalb frage ich mich, weshalb das deutsche Fernsehen 81 Jahre nach dem Zusammenbruch Woche für Woche alte Aufklärungskonserven wiederholt und neue produziert, ohne deren heutige Wirkung zu hinterfragen.
Was verstehen Menschen, die keine persönliche oder familiäre Erinnerung mehr mit dieser Epoche verbindet, wenn sie diese Bilder sehen? Erkennen sie darin tatsächlich die beabsichtigte Warnung – oder sehen sie Stärke, Ordnung, Zugehörigkeit und nationale Grösse?
Kommunikation hat eine unangenehme Eigenschaft: Nicht die Absicht des Absenders entscheidet darüber, wie eine Botschaft verstanden wird. Entscheidend ist, wie der Empfänger sie interpretiert.
Die Schwäche dieser Argumentation: Wer schaut heute denn noch lineares Fernsehen? Den ganzen Drittes-Reich-Müll gibt es längst auf YouTube, TikTok, WhatsApp und allen möglichen Plattformen – kürzer, zugespitzter und ohne einordnenden Historiker.
Fest steht zumindest: Gegen Hitlers mediale Unsterblichkeit kommt keiner mehr an.
Daniel Flury meint
1968 (mitten im kalten Krieg) sang die Sängerin Alexandra das Sehnsuchtslied «Moskau … » und kam damit in die Hitparade.
Die Deutschen sind ein seltsames Volk.
Franz meint
81 Jahre vorbei und man traut dem eigenen Volk immer noch nicht.
Es ist erbärmlich.
Baresi meint
Was meinen Sie mit Ihrer Aussage?