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Basel ist auch nur Venedig

27. Juni 2025 By Manfred Messmer

Angelehnt an den hoffnungsvollen Ruf von 1948 hallt 2025 nur noch ein zynisches Echo: „Ihr Völker Europas, schaut auf diese Stadt!“ — und begreift, was von einstigem Stolz geblieben ist.

Denn gemeint ist nicht Berlin, sondern Venedig — wo ein amerikanischer Milliardär gerade Hochzeit feiert.

Die Lagunenstadt, einst weltumspannende Handelsmacht, heute Bühnenbild für Partylaunen reicher Amerikaner, steht sinnbildlich für den Zustand Europas: eine schöne Kulisse für die, die wirklich zählen — geopolitisch bedeutungslos, museal, vermietet an den Rest der Welt.

Angesichts der Geschichte Venedigs — vom Aufstieg zur Seemacht bis zum Niedergang zur touristischen Staffage für Milliardäre mit Privatjets — müsste uns diese Hochzeit als weit grössere Demütigung erscheinen als jener Auftritt Trumps auf dem NATO-Gipfel in Den Haag.

******

Wenn man den Zustand Europas betrachtet, gibt es neben Venedig noch eine weitere Stadt, die exemplarisch für den Abstieg steht: Basel – wirtschaftlich wohlhabend, weil sie sich am Tropf des amerikanischen Gesundheitssystems nährt und ausländische Spitzenkräfte die Pharmaindustrie am Laufen halte, deshalb reich wie kaum eine andere Stadt — und doch unfähig, in ihre Zukunft zu investieren.

Weil hohe Steuereinnahmen allzu gern mit wirtschaftlicher Dynamik verwechselt werden, steht Basel sinnbildlich für die Stagnation Europas: Es wird noch Wissen produziert — aber keine Horizonte mehr verschoben.

Wer keine Ziele mehr hat, verschleudert den Überschuss in Bequemlichkeit. Das Volk, ruhiggestellt für den Machterhalt der grün-linken Elite, wähnt sich  gut regiert.

Kategorie: Einsichten Stichworte: basel, Einsichten

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Daniel Flury meint

    28. Juni 2025 um 3:10

    Als Louis Armstrong im November 1955 ein Konzert im Festsaal der Messe Basel gab, da kostete der Eintritt rund 50 Franken.

    Keine grosse Summe für heute, aber damals fuhren die Arbeiter für 400 Franken Lohn im Monat mit dem Velo zur Arbeit. Und mussten eine Familie ernähren.

    Wenn heute das Ziel ist, die wollenen, gestrickten Unterhosen der Ältesten (ökologisch korrekt) an die Jüngeren weiterzugeben, dann bitteschön.

    Nur, es kann schnell gehen und das Velo wird aus der Not zum Fortbewegungsmittel.

    Detroit lässt grüssen (und Hochmut kommt vor dem Fall).

  2. Franz meint

    27. Juni 2025 um 13:00

    Ja.
    Das einzige was Basel mit seinem Pharma Cash Flow zustande bringt ist eine ständig wachsende Zahl an Gratisbürgern die nur noch konsumieren aber nicht mehr leisten können.
    Basler taugen zu nichts mehr – Leistungsträger müssen importiert werden.
    Verkauft wird es uns als das soziale, liberale und weltoffene Basel.
    In der Realität halt eine geschlossene, wohlstandsverwahrloste kleine Bubble über die die ganze Schweiz nur noch lacht.

    • unterbaselbieter meint

      27. Juni 2025 um 17:36

      meine Worte – Eins zu Eins…
      Ich wüsste tausende von Fällen, aber ihr Kommentar trifft den Nagel punktgenau auf den Kopf.

    • P. Keller meint

      28. Juni 2025 um 10:13

      Dem Gesagten ist noch die Frage hinzuzufügen, ob die Verwaltungsratsbubble der beiden Milchkühe tatsächlich Spitzenkräfte (nach Basel) zu holen vermag oder am Ende doch auch nur Blender?

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Kommentare

  • Daniel Flury zu Ich kapiers nicht
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