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Das Ende der Pax Americana – die Zukunft liegt in Europa

2. April 2025 By Manfred Messmer

Ich gehöre zur Generation der Babybommer, die ein unfassbar privilegiertes Leben führen durfte – wir konnten unser Leben unter der Pax Americana so frei und selbstbestimmt gestalten wie wohl keine Generation vor uns in den letzten 2000 Jahren. Dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit.

Ich hätte nie gedacht, den Zerfall dieser Friedensordnung noch selbst mitzuerleben. Ich war überzeugt, dass wir – gebildet, vernetzt und historisch gewarnt – die 200 Jahre der Pax Romana übertreffen könnten.

Und ausgerechnet einer aus unserer eigenen Generation – dieser Babyboomer im Weissen Haus – droht nun, den Traum von einer besseren Welt nach gerade einmal 80 Jahren zu zerstören.

Heute will er die Mutter aller Handelsbomben zünden – und nimmt dabei billigend in Kauf, das Fundament der westlichen Weltordnung zu sprengen.

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In jungen Jahren war ich ein überzeugter Amerika-Romantiker.

Die USA – das Land der Lässigen, der Befreier Europas vom Nationalsozialismus – waren für mich das grosse Vorbild; anders als viele meiner Kohorte schaute ich nicht nach Osten, nicht zum Sozialismus – mein Blick ging Richtung Westen.

Es war die Idee des American Way of Life, die meinen Lebensentwurf entscheidend geprägt haben.

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Mein Einstieg in die englische Sprache begann im Kino. Damals liefen alle amerikanischen Filme im Original mit Untertiteln – ich las, hörte und lernte.

The longest Day, The Big Red One, Ben Hur, Bonnie and Clyde, Bullit, The big Escape, In the Heat of the Night, The Graduate, Easy Rider, Guess Who’s Coming to Dinner, Taxi Driver, China Town, One Flew Over the Cuckoo’s Nest, Apocalypse Now, The Deer Hunter – und so weiter und so fort.

Damals verbrachte man Wochenende im Kino.

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Und dann waren da noch all diese grossartigen amerikanischen Schriftsteller, die mit scheinbar mühelos hingeworfenen Sätzen völlig neue Wirklichkeiten erschlossen: Hemingway, Steinbeck, Twain, Melville, Norman Mailer,  Bukowski, Kerouac, Roth, Truman Capote  – nicht zu vergessen John Dos Passos mit seiner amerikanischen Trilogie.

Als ich die Romane von Miller las, wollte ich auch Schriftsteller werden. In deinen Zwanzigern stand dir damals die Welt uneingeschränkt offen.

Mit 25 wurde ich Journalist.

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In den 60ern war mein Lieblingsladen der Salathé am Spalenberg – dort gab’s nebst anderem US-Kram Original Levi’s und ausgemusterte US-Army-Jacken. Meine erste habe ich blöderweise verschenkt.

Jahre später liess ich mir eine neue aus den USA kommen – immer noch offiziell von der US-Army autorisiert, aber Made in China.

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In den 70ern haben  wir die USA zweimal von West nach Ost durchquert.

Das erste Mal zwei Monate mit dem Auto; den Chevy Nova hatten wir bei einem Gebrauchtwagenhändler in San Francisco gekauft. Und das zweite Mal mit dem Zug, mit Amtrak. Endstation war New York, von wo aus ich für Schweizer Tageszeitungen schrieb.

Später dann nochmals eine Autoreise. Mit den Kindern. Einen Monat lang. Die Ostküste rauf bis nach Quebec. Zuletzt nochmals New York.

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Meine Liebe zu Amerika ist erloschen. Ich möchte dort nicht mehr hin.

Unsere Zukunft liegt in Europa, im Kontinent der Vielfalt.

 

Kategorie: Einsichten Stichworte: Europa, USA

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Fuertesirius meint

    2. April 2025 um 18:54

    Den Chevy Nova hatte ich auch. Aber mit 4 Türen und in Blau. Für 1000 Chf gekauft. In der Camarque auf unmöglichen Strassen zerkrazt und hier in der Schweiz wieder für 1000.– verkauft. Wir waren vor allem in Utah, Nevada. Oregon, Washington State, Californien und Arizona bei unseren Reisen in der USA unterwegs. Für uns ist auch fertig mit der USA. Nur noch weiterhin Canada mit Nova Scotia und New Foundland.

  2. Daniel Flury meint

    2. April 2025 um 12:58

    Mein Amerika war immer das der Woody Guthries und der Upton Sinclairs, das der McCarthys und der Nixons.

    Ich war noch niemals in New York.

    • M.M. meint

      2. April 2025 um 13:03

      Bernstein, Gershwin, Steppenwolf, Dylan, Baez…

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