• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Hans Rudolf Gysin – auf zum letzten Gefecht

12. April 2011 By Manfred Messmer

Am Sonntag konnte man in der „Sonntag“ Erstaunliches lesen: FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin soll mit einer der FDP-Nationalräte sein, die schon seit Langem an vorderster Front für eine Offenlegung von Parteispenden kämpft. Die anderen beiden sind Herr Steinegger und Frau Ergeszegi.

Mein nicht vorhandenes Pferd wieherte derart laut, dass ich die Zeitung weglegen musste.

Ausgerechnet Herr Gysin, der grosse Vorsitzende seines eigenen Systems sorgt sich um Transparenz in der Politik.

Seine Lage ist ziemlich verzweifelt. Sie ist so verzweifelt, dass er sich neben dem Amt als Vorkämpfer für Transparenz auch als Ständeratskandidat in die Bresche schlagen würde. Hauptsache, er kommt wieder auf die Nationalratsliste – und wird nochmals gewählt.

Für den 71Jährigen geht es um Sein oder Nichtsein.

Und zwar nicht in erster Linie als Politiker, sondern als oberster Lenker der Wirtschaftskammer. Denn wird H. R. Gysin im Oktober nicht noch einmal Nationalrat, dann sind nicht nur seine Tage als Wirtschaftskammerdirektor gezählt, dann kann er sich seinen Wunsch, ins Präsidium zu wechseln, nicht mehr erfüllen.

Dann wird’s hart für ihn.

Denn sein Nachfolger, kommt er nicht aus dem eigenen Stall oder ist nicht dank eines Deals an den Direktionsposten gelangt, wird als Erstes das Unterste nach oben kehren müssen.

Aus Selbstschutz und auch um zu beweisen, dass jetzt eine neue Ära beginnt. Was da alles zum Vorschein käme, wäre möglicherweise alles andere als lustig für Herrn Gysin.

Der Mann hat tiefe, sehr tiefe Spuren hinterlassen. Bei Freund und Feind.

Gysin braucht unbedingt einen Nachfolger, der bereit ist, die nächsten drei, vier Jahre im Vorzimmer des Präsidenten die Stellung zu halten. Und zu schweigen. (Bild Wikipedia)

Es kann auch eine Direktorin sein.

Hans Rudolf Gysin läuft die Zeit davon. Denn die Landratswahlen haben ihm einen dicken Strich durch seine Nachfolgeplanung gemacht. Obwohl es wohl eine der teuersten individuellen Wahlkampagnen gewesen ist, sein Favorit für die Nachfolge, Markus Meyer, ist nicht in den Landrat gewählt worden.

Man muss sich das mal vorstellen: Der stellvertretende Direktor der Wirtschaftskammer und SVP-Kandidat wird nicht in den Landrat gewählt!

Da muss schon sehr viel schief gelaufen sein.

Weil die Lage also ziemlich verzweifelt ist, kann man davon ausgehen, dass, sollte es sich abzeichnen, seine Partei keine Lex Gysin (Applaus statt geheimer Wahl) für die Nominationswahlen vom 10. Mai duldet, er seine ihm verbliebene Heimwehr sofort in Bewegung setzen wird.

Der waidwund gehetzte grosse Vorsitzende bläst zum letzten Gefecht.

Es gibt kaum jemanden in diesem Kanton in Amt und Würden, der nicht irgendwann auf seinem Weg zum Posten nicht dem Direktor der Wirtschaftskammer begegnet ist. Was heisst begegnet: Im Landkanton galt bis März 2011 das geflügelte Wort, wer von Herrn Gysin unterstützt wird, ist so gut wie gewählt.

Denkbar ist also einiges.

Beispielsweise ein Antrag auf Statutenänderung, moralische Appelle von Leuten, denen Gysin zu Amt und Würden verholfen hat, eine Wahlempfehlung alter Weggefährten.

Doch ein Machtmensch wie Gysin, der mit dem Rücken zur Wand steht, wird auch nicht davor zurückschrecken, sich  von seiner Partei abzusetzen und mit einer eigenen Wirtschaftsliste anzutreten.

Schliesslich wäre so ein Bruch nur ein Krach mehr in der FDP.

Es dürfte ihm nicht schwer fallen, sechs weitere prominente Mitstreiter zu finden, die mit dem Wirtschaftskammerdirektor in dessen letztes Gefecht zögen.

Verlierer wären am Ende beide – Hans Rudolf Gysin, der nicht gewählt wird und die FDP, die ohne Gysin möglicherweise den einen Sitz verlustig ginge.

Wir sind Zeugen des Untergangs eines Systems, das in den letzten dreissig Jahren die Politik des Landkantons nicht nur geprägt sondern schlicht und ergreifend bestimmt hat – das System Gysin.

Kategorie: Politik Stichworte: Wahlen '11

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Markus Heiniger meint

    13. April 2011 um 21:35

    „Jede kunnt und jede goot
    nüt hebt ewig, wo entstoot
    uf em Wasser herrscht Verkehr
    und dr Fluss, dä fliesst ins Meer…“

    Marks Heiniger, frei nach Tinu Heiniger

  2. manuel meint

    12. April 2011 um 19:18

    Wie zu lesen ist, entscheiden die Delegierten der FDP (aus dem Bauch?) wer kandidiert.

    Daher: Nicht nur auf der Wirtschaftskammer-Liste, auch auf der FDP Nationalratsliste müssen nicht unbedingt Frauen stehen. Oder Kandidaten aus verschiedenen Regionen. 7 Nobodies (das sehen die Michael-Herrmanns dieser Welt natürlich anders) gehen auch gut auf die Liste.

    Wahlerfolg? Dazu wäre schon eine Strategie der Parteileitung nicht zu verachten. Da hat der Gysin schon Recht.

  3. de gustibus non est disputandum meint

    12. April 2011 um 17:08

    Erinnern wir uns noch schwach an das Verhalten der FDP bei der Bekanntgabe des (strukturellen) Baselbieter Defizits? Nach nebulöser Einflussnahme durch HRG verschwanden plötzlich alle Vorstösse kritischer FDP-LandrätInnen.

    Gleiche Vorgehensweise nun im Zusammenhang mit der Nationalratsnomination: Wenn keine Lex Gysin akzeptiert wird, dann scheint eine Wirtschafts-(kammer-)Liste nicht unwahrscheinlich.

    Die Kandidaten dafür kann man ohne weiteres aus den überparteilichen Komitees der letzten Abstimmungen zusammen stellen. Kandidatinnen wird es darauf keine geben, HRG setzt einzig auf Männer, die ihm einen Gefallen schulden. Deswegen ist auch die Wahrscheinlichkeit einer Frau als Wirtschaftskammer-Direktorin sehr klein.

  4. Michael Przewrocki meint

    12. April 2011 um 12:35

    Gysin ist genauso ein Wendehals wie Blocher. Die Quittung wird für beide kommen, so oder so. Auch für mich als Fotograf. Die Wahrheit wird nicht goutiert. Schon gar nicht von des Freundesfreunden.

  5. gotte meint

    12. April 2011 um 7:45

    gysin wird m.e. auch als nummer 1 der fdp liste nicht mehr gewählt. trotz des enormen wahlkampfs wurde er vor 4 jahren mit einem eher schlechten ergebnis auf dem 6. platz vor der cpv gewählt. in den letzten vier jahren hat er v.a. schlagzeilen als grosser abwesender in bern und streithahn mit malama hinterlassen. dieses jahr wird es wohl gar nicht mehr reichen, wenn man den allgemeinen fdp-abwind noch dazu kalkuliert.

Seitenspalte

Kommentare

  • Daniel Flury zu Die KI widerspricht der Rektorin
  • unterbaselbieter zu Die KI widerspricht der Rektorin
  • Christoph Gass zu Die KI widerspricht der Rektorin
  • Daniel Flury zu Serienuniversum
  • Baresi zu Serienuniversum
  • Franz zu Serienuniversum

Letzte Beiträge

  • IMGDie KI widerspricht der Rektorin
    16. September 2026
    Schon wieder die BaZ und erneut ein Interview. Dieses Mal mit der Rektorin der Universität Basel. […]
  • Bildschirmfoto 2026 09 15 um 09.51.24Die Hypothek Lauber
    15. September 2026
    Der frühere Bankratspräsident der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Thomas Schneider, hat der […]
  • ScreenshotSerienuniversum
    14. September 2026
    Nein, damit will ich mich gar nicht erst beschäftigen: mit dieser politischen Kakophonie auf allen […]
  • Riebli peterDie Beute
    11. September 2026
    Bei den nationalen Wahlen 2027 zeichnet sich im Baselbiet eine neue Normalität ab: Wer für den […]
  • SnapseedEin Hoch aufs Staatsversagen II
    10. September 2026
    Wenn wir gestern ein Hoch aufs Staatsversagen gesungen haben, kommen wir nicht umhin, die Leute zu […]
  • Kantonsspital Baselland Standort BruderholzEin Hoch aufs Staatsversagen
    9. September 2026
    In Liestal schaut jede Kommission durch ihre eigene Brille auf dasselbe Spital. Die […]
  • IMGDer Plan eines Plans
    8. September 2026
    Isaac Reber tritt ausgerechnet in jenem Moment ab, in dem sein grösstes Vermächtnisprojekt zur […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework