
Markus Somm hat ein Problem, wie er in der SonntagsZeitung bekannt gibt: Er steht plötzlich ohne Trump da — seiner stärksten Waffe gegen alles, was links liegt.
Die politische Linke hasst ihn schon lange, die Rechte hat eben begonnen, ihn zu verachten. Ich gehöre dazu.
Ein starker Satz in der Tat. Denn „verachten“ ist mehr als „hassen“. Hass bindet. Verachtung ist das finale Abwenden.
Doch was Somm als Läuterung verkauft, ist in Wahrheit ein Verlust: Er kann Trump nicht mehr bewirtschaften wie zuvor. Wir erleben in Echtzeit, wie eine starke Säule seines Weltbildes wegbricht.
Somm ist ein zweifach enttäuschter Liebhaber.
Runde eins: Nach dem Sturm auf das Kapitol 2021 distanzierte er sich. Wikipedia hält es trocken fest. Das hinderte ihn nicht, Trumps Wiederwahl 2024 als „erwünschte Zeitenwende“ zu feiern — und ihn wahlweise „Donald den Grossen“ zu nennen oder das Werkzeug des Weltgeistes, gelegentlich sogar mit Hegel garniert.
Somm macht’s nicht darunter.
Jetzt, nach dem Iran-Deal, dasselbe Muster. Der Bruch wird laut verkündet, die Sprache ins Dramatische gesteigert. Die implizite Botschaft: Seht, wie unabhängig ich urteile.
Trump hat für Somm nie als Politiker getaugt, dem man vertraute. Er war Stilmittel — Werkzeug gegen die linksliberale Deutungshoheit, eine Provokation ohne Aufwand. Jetzt wechselt er mal kurz die Seite, um Trump so lange negativ zu bewirtschaften, bis sich der nächste Schwenker anbietet.
Doch die tiefer liegende Wahrheit ist banal: Trump hat ihn vor Schawinski blamiert — jenem Roger, den Somm in ihrer wöchentlichen Radiosendung seit Trumps Wiederwahl mit seiner 82-Prozent-Zustimmung nervt.
Schawinski hat gewonnen, ohne ein Wort zu sagen.
Und was sagt der neuerliche Schwenker über die rechte Intelligenzija rund um Somm? Sie mochte den Störenfried, solange er störte. Jetzt, wo er kapituliert — vor dem Iran, vor den Märkten, vor seiner eigenen Inkohärenz — verliert er seinen Reiz.
Trump langweilt.
Das ist das Schlimmste, was man über einen Provokateur sagen kann.