
Aktuell wird viel über die Gründe spekuliert, weshalb Trump im Umgang mit Putin auffallend zurückhaltend agiert.
Einige Beobachter vertreten die These, Trump und die Europäer verfolgten eine Good Cop / Bad Cop-Strategie – mit Trump in der Rolle des „Guten“.
Ernsthaft?
In einer ZDF-Dokumentation (Putins Helfer) wird sogar die These aufgeworfen, Trump, Musk und Thiel seien bereits vor Jahren vom KGB rekrutiert worden. Eine stark spekulative Theorie, die vor allem durch den Reiz des Möglichen wirkt.
Doch wäre an ihr etwas dran, wüssten es auch die Regierungen in Paris, Berlin und anderswo – und hätten längst entsprechende Konsequenzen gezogen.
Am plausibelsten erscheint derzeit vielen jene Deutung, die sich nahtlos an Trumps charakterliche Defizite anschliesst: Der aussenpolitisch überforderte Trump wird vom abgebrühten Putin immer wieder ausmanövriert – und merkt es nicht einmal.
Aber da ohnehin jeder seine eigene Theorie pflegt, hier eine weitere zur Auswahl: Trump ist kein KGB-Agent, wird von Putin nicht manipuliert – und ist erst recht nicht der Good Cop.
Kurz: Trump steht nicht unter Putins Einfluss. Er steht auf seiner Seite.
Zwar wird er derzeit noch durch die innenpolitische Gemengelage in den USA gebremst – wenn auch nur begrenzt. Doch früher oder später – etwa nach den nächsten Midterms – dürfte die Republikanische Partei seiner strategischen Linie folgen: dem Aufbau einer „multipolaren Allianz“ – eines losen Bündnisses autoritärer Akteure, das die Nachkriegsordnung zerlegen und eine Rückkehr zur Machtpolitik des 19. Jahrhunderts einleiten soll.
Folgerichtig hat Trump 2.0 seine Administration mit Personen besetzt, die ihm nicht nur zuarbeiten, sondern seine Ideologie intellektuell untermauern und aktiv mittragen.
Einer von ihnen ist Russell Vought, seit Februar erneut „Direktor des Office of Management and Budget“ – und Chefarchitekt von „Project 2025„.
Im Zentrum steht eine ideologische Neuausrichtung der US-Administration. „Project 2025“ und Voughts Strategie zielen darauf, die präsidentielle Vorherrschaft gegenüber anderen Institutionen – wie sie etwa während des Zweiten Weltkriegs bestand – wiederherzustellen: nicht über den formellen Notstand, sondern durch die systematische Aushöhlung der Gewaltenteilung.
Die logische Konsequenz: Die Ukraine stört zwar, aber Europa ist das Haupthindernis auf dem Weg zur globalen Neuordnung durch die USA, Russland, China et al.
Weshalb die Europäer endlich aufhören sollten, in passiver Fassungslosigkeit zu verharren – und stattdessen Grossmachtpolitik trainieren.
Und die Schweiz – sie wird sich entscheiden müssen.
PS: So gesehen ist auch Putin längst über den Punkt hinaus, an dem Frieden noch ein Ziel wäre.
Daniel Flury meint
Was heisst schon «er steht auf seiner Seite»?
Er wäre gerne Putin. Wie dieser ohne diesen neumodischen Schnickschnack wie «Demokratie», «Justiz», «Zivilgesellschaft» und «Medien».
Sein Problem: Er hat keine Kampfsporterfahrung, nie Judo gemacht und nie Eishockey gespielt. Lediglich vom Papa geerbt und Kritiker gefeuert.
Das lacht sich der Russe scheckig.