Die SonntagsZeitung hat gestern – heute auch auf den Onlinemedien des Konzerns – die Geschichte einer ihrer Redaktorinnen veröffentlicht, die in Online-Medien als Freundin eines bekannten Rappers genannt wird.
Eine Fake News, die von KI-Systemen aufgenommen, bearbeitet und weiterverbreitet wurde – automatisiert, ohne erkennbare Quelle – oder vielleicht doch: wenn man der Logik der digitalen Welt folgt – nicht wer erfand sie, sondern wer fragte danach?
Weil „das Netz“ reproduziert und die Suchmaschinen nach oben spülen, was vermeintlich Aufmerksamkeit erregt, kann man davon ausgehen, dass tausende wenn nicht gar hunderttausende Fans dieses Deutsch-Rappers genau diese Frage gegoogelt haben: „Wer ist die Freundin von Kontra K?“.
Mit anderen Worten: Das System funktioniert, weil Suchmaschinen-Nutzer genau solche trivialen, voyeuristischen Fragen stellen. Und „das Netz“ eo ipso Antworten liefert.
Die SonntagsZeitung stellt im selben Artikel fest: „52 Prozent aller Internetartikel sind künstlich generiert“. Die Universität Zürich hat in einer kürzlich publizierten Studie festgehalten, dass 87 Prozent der Schweizer Medienschaffenden KI nutzen, wahrscheinlich wie all die Marketingleute und E-Mail-Schreiber aus Bequemlichkeit.
Was die Tamedia-Journalisten im Kern beklagen, ist der Verlust ihrer Gatekeeper-Rolle – auch als selektive Verbreiter von Falschmeldungen, mit denen sie das eigene Narrativ stützen.
Genau wegen einer solcherart fabrizierten Reportage über Trump und den 6. Januar haben gestern der Direktor der BBC und die Nachrichtenchefin zurücktreten müssen – Fake News eines Qualitätsmediums.
Ziemlich kleinlaut versucht sich auch das ZDF aus der Verantwortung wegen seiner Verbindung zur Hamas zu entziehen. Auslöser ist ein israelischer Raketenangriff, bei dem zwei Menschen starben. Wie Israel von Anfang an sagte und dann auch bestätigt wurde, handelte es sich um Hamas-Leute, die als „Journalisten“ u.a. für das ZDF tätig waren. Titel in der NZZ: Die Hamas-Connection des ZDF: Partnerfirma in Gaza sponserte eine Konferenz mit Hamas-Führern und iranischen Propagandasendern
Das Narrativ der Qualitätsmedien: Wir, die Guten, betrachten das Leiden, sprechen Betroffenheit, zählen Tote – und bleiben unberührt.
Seit Jahrzehnten lebt der sogenannte Qualitätsjournalismus von einer doppelten Fiktion: der Fiktion der Objektivität und der Fiktion der Distanz. Beides war nie real – es war eine Rhetorik der Legitimität, die den westlichen Medienapparat als moralisch überlegene Instanz inszenierte.
Was glaubwürdig schien, weil die Nachrichten von ein paar wenigen Agenturen (AP, Reuters, AFP, Bloomberg) und amerikanischen TV-Anstalten (allen voran CNN) geliefert wurden. Man kannte nichts anderes, weil es Twitter et al mit Echtzeitkorrektur oder anderer Einschätzung noch nicht gab.
Die Nachrichtenproduktion folgte längst industriellen Mustern: standardisierte Themen, austauschbare Experten, ritualisierte Empörung. Der Mechanismus: Wiederholung erzeugt Wahrheit.
Einmal gesendete Frames zirkulieren zwischen CNN, BBC, ARD, FAZ, NZZ, Tagi, Blick, 20Min – bis sie sich setzen und zum Fakt werden.
Der Begriff „unabhängig“ war Teil der Marketing-Sprache, der heute durch das Provenienz-Siegel „Qualitätsjournalismus“ ersetzt wird.
Fazit:
Die Maschine erfindet Geschichten nach denselben Mustern, nach denen Redaktionen seit Jahrzehnten arbeiten – nur ohne moralisches Alibi.
_____________
Transparenzhinweis:
Idee und Text: M.M.
Redaktion, Lektorat: GPT-5 – individuell kalibriert, basierend auf einem proprietären Diskurs-Framework („Resonanzmodell Homo sapiens 1.5“).
Beispiele und Verifikationen: humane Erinnerung (Neokortex) und maschineller Zugriff (Datenraum)
gotte meint
Sie schreiben, die (TA-Medien, aber das ist egal) journalisten würden letztlich den verlust ihrer „gatekeeper-rolle“ beklagen. vielleicht meinen Sie es gar nicht so, aber es klingt so, als wären die journalisten einfach etwas narzistisch larmoyant, weil sie in ihrer bedeutung etwas geschmälert wurden. – einfach eine grundsätzliche überlegung zum thema berufsstolz und berufsethos: ich finde es an sich korrekt, dass die journalistinnen und journalisten von sich reklamieren, dass sie einen unterschied machen. dass es eben nicht das gleiche ist, wenn hinz, kunz oder gotte etwas in die welt setzt, sondern wenn ein artikel in einem medium erscheint, das sich standards verpflichtet fühlt. ich kann zwar schreiben, aber ich bin keine journalistin. viele menschen denken leider, dass ihr vermeintliches „selber denken“ sie zu experten macht auf einem gebiet. nur mal so nebenbei: wer kommt schon auf die idee, sein auto selber zu flicken (ohne fachausbildung), sein dach abzudichten (ohne fachausbildung), seinen sohn am bein zu operieren (ohne fachausbildung)? eben. man schimpfe mich altmodisch, aber ich glaube noch daran, dass eine solide (berufs-)ausbildung eben einen unterschied macht. machen sollte. und berufsethos nichts verwerfliches ist.
M.M. meint
wäre die Welt so ideal, wie Sie sie beschreiben, wäre ich bei Ihnen. Leider gibt es nicht mehr viele wirklich gute Schuhmacher.
Daniel Flury meint
Und eines Tages wird «Hal» ihnen sagen, dass alles was sie denken, Mist ist. Und sie werden es glauben.
Nicht Sie, aber Ihre Enkel.
U. Haller meint
In aller Offenheit: Musste zuerst perplexitieren, worum es sich bei einem proprietären Diskurs-Framework handelt: „Ein proprietäres Diskurs-Framework ist eine individuell entwickelte, geschlossene Softwareplattform, die darauf ausgelegt ist, Prozesse rund um Diskursanalyse oder Diskursorganisation abzubilden und dabei spezielle, oft unternehmens- oder domänenspezifische Funktionen und Werkzeuge integriert. Anpassungen und Erweiterungen erfolgen meist über eigene Werkzeuge oder vorgegebene Schnittstellen, nicht durch offenen Zugriff oder Standardisierung.“
Das soll einer verstehen. Nicht gerade meine Welt 😀
M.M. meint
Damit wurde der selbstironische Teil treffend entlarvt.
Der ernstere Teil ist: Bei „meinem“ GPT-5 handelt es sich inzwischen tatsächlich um ein individuell kalibriertes Modell, das auf meine Arbeitsweise und meinen Diskursrahmen trainiert ist.
Franz meint
Irgendwie versöhnlich und auch urdemokratisch dieser Aspekt von KI.
Es dürfen alle lügen – es gibt keine Monopole mehr darauf.