
Buchs, dem politisches Gespür ebenso fehlt wie strategisches Talent, plaudert treuherzig drauflos – und merkt offenbar nicht, wie sehr er mit seinen Antworten die eigene Partei schwächt.
Er betreibt Krisenmanagement im Tonfall des Verwalters: «Es war turbulent, aber wir bleiben ruhig.»
Die Kirchmayr-Sommerposse der Parteileitung wischt er mit bemüht lässigem Ton weg.
Der Schlüsselsatz des Interviews lautet: «Wir brauchen eine mutige Erzählung, um zu siegen.» Übersetzt: Der FDP fehlt eine Idee, wozu sie – ausser zur Verteidigung eines Regierungssitzes – überhaupt antritt.
Buchs merkt nicht mal beim Gegenlesen des Interviews, wie er die eigene Partei ins Abseits redet.
In seiner Not beschwört er die bürgerliche Allianz mit der SVP. Die Mitte erwähnt er nur, um sie zu reklamieren: «Unser Platz ist in der bürgerlichen Mitte.»
Kein Wort über die Mitte-Partei, die in Baselland real existiert und den bürgerlichen Block nach einer Wahl des FDP-Kandidaten stabilisieren könnte.
Die Mitte-Wähler werden es erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass die FDP versucht, den Markennamen «Mitte» zurückzuerobern – als liesse sich politische Geografie durch Besitzrecht definieren.
Tatsächlich ist die Mitte längst von anderen besetzt: von der GLP, der Mitte-Partei, teils auch von pragmatischen SP-Vertretern.
Buchs’ Schweigen darüber ist kein Zufall, sondern Symptom. Die FDP weiss nicht mehr, ob sie Zentrum oder Flanke sein will – und nennt diesen Zustand «lösungsorientiert».
Gegen Schluss folgt die Kapitulationserklärung: «Wer in der Mitte Majorzwahlen gewinnen will, kommt nicht an der SVP vorbei.»
Stimmt.
Und genau das hat Peter Riebli begriffen: Er inszeniert Macht als Bewegung, Buchs verwaltet Bewegungslosigkeit als Vernunft.
Mit seiner taktischen Kandidatur hat er die FDP an die SVP gebunden – und damit gewonnen. Riebli verliert die Wahl, gewinnt dafür die Definitionsmacht im bürgerlichen Lager.
Das ist die neue Hierarchie im Baselbiet: Die SVP gibt den Takt vor, die FDP wippt mit den Füssen.
Buchs sagt, die FDP brauche eine mutige Erzählung. Riebli hat sie geliefert.
Thomas Tribelhorn, Co-Präsident GLP Baselland meint
Ein weiterer Beleg, dass Melchior Buchs einfach völlig naiv und sinnbefreit drauflosplappert, ist seine Aussage am Schluss: „Die GLP hat sich nach dem Deal mit der SP klar als linke Partei entpuppt, […]“.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die FDP sich klar als rechtskonservative Partei entpuppt, indem sie seit Jahren als Juniorpartner nach der Pfeife der SVP tanzt. Im Gegensatz zu den Abmachungen der BüZa über längere Zeit inhaltlich und bei Wahlen zusammenzuarbeiten, haben die GLP und die SP keine Abmachungen getroffen. ausser sich bei diesen Regierungsratswahlen und bei den kommenden Ständeratswahlen (vorausgesetzt Maya Graf tritt nicht mehr an) zu unterstützen.
Das ist eine rein wahltaktische und wahlarithmetische Abmachung, die uns noch lange nicht zu einer linken Partei macht. Im Gegensatz zur FDP sind wir inhaltlich komplett frei und müssen auch nicht eine Kandidatin portieren, die zu 80% mit der SP übereinstimmen muss (so wie sich der FDP-Kandidat bei der SVP angebiedert hat).
Aber die GLP ist offen von Blockdenken und versucht pragmatische Sachpolitik in Zusammenarbeit mit allen Parteien und unter Einbindung aller Meinungen zu betreiben. Unser Angebot schlägt Melchior Buchs in seinem letzten Satz aber lapidar aus, ich erwarte eigentlich eine andere Haltung eines Parteipräsidenten einer ehemals staatstragenden Partei !
Zudem ist Sabine Bucher vollkommen unabhängig, der FDP-Gegenkandidat hängt an den Töpfen der Wirtschaftskammer BL. Wie war das schon wieder mit dem Baselbieter Politfilz und dem „Säuhäfeli – Säudeckeli“-Prinzip ? Wir dachten doch, dass wir diese Zeiten versteckter Korruption auch im Baselbiet hinter uns gelassen hätten !
gotte meint
autsch! das inti ist wirklich nicht schmerzfrei lesbar.
Daniel Flury meint
Hätte, hätte, Fahrradkette … .
Wer sich erfolgreich im System eingenistet hat, der kann einfach nicht verstehen, dass sich die Zeiten geändert haben.
Vorwärts, wir reiten zurück.