
Die Absicht Kirchmayrs, sich der FDP als Regierungsratskandidat zur Verfügung zu stellen, schlägt eine Welle, die weit über die Parteigrenzen hinaus schwappt.
Die FDP droht dabei unterzugehen, noch bevor das Kandidatenfeld überhaupt in See sticht.
Es herrscht Aufklärungsbedarf.
Wenn Möglich-Kandidat Kirchmayr in der BaZ erklärt, er spreche ‚seit mehreren Wochen mit der FDP-Parteileitung‘ – mit Schwergewichten wie Andreas Dürr, Melchior Buchs – und diese hätten ihm ‚schriftlich bestätigt‘, dass er als Parteimitglied willkommen sei, dann soll sich diese Parteileitung bitteschön auch öffentlich dazu bekennen.
Und zwar heute. Also sofort.
Denn die FDP Parteispitze kann die Wogen nur glätten, wenn sie Kirchmayr heute anruft und sagt: „Sorry Missverständnis“.
Sie kann aber auch sagen: Der Kanton ist in der Krise (was viele nicht sehen wollen), deshalb sind wir bereit, mit unseren Mitgliedern auch ungewöhnliche Lösungen zu diskutieren.
Er habe die Parteileitung jederzeit „als sehr professionell erlebt“, sagt Kirchmayr, was wohl einschliesst, dass zumindest diese sich der speziellen Herausforderung dieser Herbstwahlen bewusst ist.
Sonst hätte man wohl schon nach dem ersten Kontakt sagen müssen: „Sorry, geht nicht, wir haben genügend eigene Kandidatinnen und Kandidaten, die das können.“
Doch die FDP-Parteileitung weiss genau: Bis heute ist keine einzige Kandidatur bekannt, die wirklich überzeugt.
Dem einen fehlt jede Erfahrung im Liestaler Politbetrieb, ein anderer will einen letzten Rettungsanker für seine auslaufende Politkarriere, ein Dritter möchte einfach mal was anderes machen – und der Rest? Schwamm drüber.
Konkret bedeutet diese Ausgangslage: Es ist alles andere als sicher, dass die FDP ihren Sitz behalten kann.
Denn da ist zum Beispiel noch die SVP.
Ob die selbst antritt, ist eher unwahrscheinlich, aus dem selben Grund: Kandidatenmangel.
Und der eine, der allenfalls einer wäre kommt aus Muttenz und ist deshalb undenkbar, weil schon eine aus Muttenz in der Regierung sitzt.
Doch die SVP wird ein gewichtiges Wort mitreden wollen, im Wissen darum, dass ohne sie bei der FDP gar nichts läuft, wenn es um Wahlchancen geht.
Absehbar ist: Die SVP wird kaum auf Kandidaten aus dem unteren Kantonsteil setzen, schon gar nicht auf einen Vertreter des liberal-grünen Flügels.
Und hier kommt der eigentliche Clou: Es kann gut sein, dass die SVP – und Teile der Mitte, der glp, die EVP sowieso – einer Kandidatur Kirchmayr durchaus offen gegenübersteht.
Aus einem einfachen Grund: Bei dieser Wahl, wie auch bei der nächsten 2027, geht es nicht nur um Parteienarithmetik, sondern um Inhalte und Fähigkeiten.
Der SVP – was man ihr sonst auch vorwerfen mag – ist klar, dass jetzt die Weichen für eine ganz andere Qualität in der Baselbieter Regierung gestellt werden.
Die Latte liegt deshalb auch für die SVP hoch. Zumal nach dem Sollberger-Debakel.
Und dann ist da noch die SP.
Die kann sich mit einem Eimer Popcorn zurücklehnen und das Schauspiel geniessen.
Auf dem Balkon sitzt Adil Koller und wartet auf sein Momentum.
Ich bin lange genug im Geschäft, um zu sagen: Adil Koller hat das Zeug, die FDP aus der Regierung zu drängen – ausser die SVP unterstützt die FDP nicht nur verbal, sondern tatsächlich.
Koller ist so stark, dass er selbst bei einer Niederlage unbeschadet aus dem Rennen ginge – und 2027 sofort wieder antreten könnte.
Die einzige Kandidatur, die Adil Koller wirklich auf Augenhöhe Paroli bieten kann, ist Klaus Kirchmayr.
Diese Einsicht ist schmerzhaft für die FDP.
Doch wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte.
Daniel Flury meint
Übrigens, ich stehe auch zur Verfügung.
Partei ist mir egal.
Angebote erbeten an: karriere@imletztenlebensdrittel.bl.
Raffaele Schumacher meint
Kirchmayr erinnert in Art, Methode und Persönlichkeit an Adrian Ballmer. Ich glaube nicht, dass sich Partei und Fraktion das zurück wünschen.
Ich glaube, Sie überschätzen Kirchmayr, weil er im Gegensatz zur breiten Masse einen Aufritt hat. Nur für eine Führungspersönlichkeit in der Politik braucht es mehr. Wie Kirchmayr geschäftlich geführt hat, wissen wir das?
M.M. meint
„Kirchmayr erinnert in Art, Methode und Persönlichkeit an Adrian Ballmer. Ich glaube nicht, dass sich Partei und Fraktion das zurück wünschen.“
Deshalb spricht alles für Inäbnit 🙂
Walter Basler meint
Es gibt die persönlichen Fähigkeiten, die MM hier in den Vordergrund rückt. Keine Frage: Kirchmayr hätte das Zeug zum Regierungsrat, erst recht angesichts der Mediokrität dieses Gremiums in den vergangenen Jahren.
Dann gibt es die ideologische Ausrichtung und der Stallgeruch, die in der innerparteilichen Ausmarchung entscheidend sind. Da hat Kirchmayr als ehemaliger Bürgerlichen-Schreck schlechte Karten. Erinnert an einen gewissen Zürcher Ex-Grünen, der mal in Basel von null auf Nationalrat werden wollte. So viel Selbsterkenntnis wie MM erhofft gibts in der FDP nicht.
Und schliesslich gibt es noch die wenig bis gar nicht beeinflussbaren Faktoren wie Geschlecht, Wohngemeinde, Alter. Die sprechen nicht ernsthaft gegen Kirchmayr. Aber mit seiner gar etwas raschen Kehrtwende vom Grünen zum Freisinnigen hat er selber einen negativen Faktor eingebracht. Damit verspielt er sich einige Chancen. Der Vorwurf des Rosinenpickers mag unberechtigt sein, er musste aber damit rechnen, dass er vorgebracht wird und an ihm kleben bleibt. Mir scheint, er hat diesen Faktor massiv unterschätzt.
M.M. meint
Mir scheint vielmehr die Parteileitung, wenn schon.
Anonymus meint
Die Beurteilung von Adil Koller kann ich teilen, die von Kirchmayr nicht. Es lohnt sich für einmal Punkt 6 von TeleBasel zu schauen, da entlarvt sich Chlaus gleich selber. Sein – möglicher – Parteiwechsel ist der verzweifelte Versuch, wenigstens noch ein bisschen wichtig zu sein. Übrigens sitzen aktuell zwei Muttenzer in der Regierung.
M.M. meint
„verzweifelte Versuch, wenigstens noch ein bisschen wichtig zu sein“, lol.
Ja, ja, so ist das halt der vox populi-Reflex.
Und was, wenn einer tatsächlich wichtig wäre, von wegen Zeitumständen und so, aber selbst sich gar nicht mehr wichtig nehmen muss?
Okay, jetzt fehlt eigentlich noch der Running Gag, ich hätte ein Mandat.
Antwort: Nein, ich bin doch nicht blöd und will arbeiten. Weil, wird sowieso überschätzt.