Wie willkürlich Donald Trump mit Ländern umspringt, die ihm gerade nicht ins innenpolitische Konzept passen, zeigt sich diese Woche: Weil die Schweiz einen weitaus tieferen Leitzins hat als die USA, drohte er damit, Schweizer Uhrenexporte in die USA zu verbieten.
Um damit «viel Geld zu sparen» – welche Logik sich auch immer dahinter verbergen mag.
Überhaupt könnte Trump mit der Schweiz verfahren wie mit Kanada: nicht bloss mit einem seiner berüchtigten Rants, sondern mit neuen Zöllen von 50 Prozent.
Verglichen damit wirken die derzeit grundsätzlich geltenden 12,5 Prozent auf Schweizer Waren geradezu wie ein Freundschaftstarif.
Bemerkenswert an der aktuellen Diskussion in Bern ist, dass sich niemand darüber zu empören scheint. Und auch niemand im Ständerat zur verbalen Hellebarde greift, um Trumps Willkür zumindest rhetorisch entgegenzutreten – höflicher ausgedrückt: sie sich zu verbitten.
Wir alle wissen, weshalb das nicht geschieht: Alle haben Angst, den Zorn des amerikanischen Präsidenten auf sich zu ziehen.
Denn sein Zorn hat Folgen.
Also arbeitet man sein aussenpolitisches Mütchen an der EU ab, weil man glaubt, die Europäer seien weich und was auch immer unter der Bundeshauskuppel gesagt und beschlossen werde, habe ohnehin keine Folgen.
Denn: Die brauchen uns.
Das ist der Kardinalfehler dieser ganzen Diskussion. Man verwechselt den Umstand, dass die Schweiz für die EU nützlich ist, mit der Vorstellung, sie sei unentbehrlich.
Sie ist es nicht.
Und genau darin liegt der Unterschied zwischen Verhandlungsmacht und Selbstüberschätzung – und zwischen europäischer Verlässlichkeit und jener Schwäche, für die man sie in Bern offenbar hält.