Kaum hatte Anton Lauber seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt gegeben, war die erste Partei zur Stelle.
Die SP schreibt in ihrem Mediencommuniqué:
«Die Geschäftsleitung der SP Baselland beantragt der SP-Delegiertenversammlung im November daher, neben der bisherigen Regierungsrätin Kathrin Schweizer mit einer zweiten Kandidatur zu den Regierungswahlen anzutreten.»
Damit ist die Lage klarer als noch heute Morgen.
Der frei werdende Sitz wird nicht einfach innerhalb der bisherigen bürgerlichen Ordnung weitergereicht. Er wird umkämpft.
Und die SP macht unmissverständlich deutlich, wie sie diesen Kampf führen will: nicht bloss mit einer zweiten Person auf dem Ticket, sondern mit einem politischen Anspruch auf die Finanzpolitik.
Im Communiqué ist von steigenden Wohnkosten, Krankenkassenprämien, Druck auf Familien sowie Investitionsbedarf bei Bildung, Klima und Gesundheit die Rede. Der frei werdende Sitz, schreibt die SP, eröffne die Chance für einen «Neuanfang in der Baselbieter Finanzpolitik».
Das ist mehr als die Ankündigung einer Kandidatur.
Es ist der Versuch, Laubers Abgang sofort politisch umzudeuten: Aus einer personellen Vakanz soll ein Richtungsentscheid werden.
Damit verändert sich die Ausgangslage für alle.
Die Mitte muss entscheiden, ob und mit wem sie ihren frei werdenden Regierungssitz verteidigt.
Die SVP wird kaum freiwillig auf die starke Position verzichten, die sie mit Matthias Liechti und ihrer Rolle innerhalb der Büza wiedergewonnen hat.
Und die FDP muss sich fragen, ob sie weiter nur einen Sitz absichern will – oder ob sie die historische Gelegenheit nutzt und einen zweiten beansprucht.
Genau deshalb wird die Frauenfrage für die FDP plötzlich strategisch.
Mit einem weiteren bürgerlichen Mann wäre ein zusätzlicher FDP-Sitz schwer zu begründen. Mit einer profilierten Frau verändert sich die Ausgangslage.
Die FDP verfügt dafür über Namen: Nadine Jermann, Christine Frey, Saskia Schenker. Alle drei bringen kantonale Bekanntheit, politische Erfahrung und ein eigenes Profil mit.
Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob die FDP überhaupt eine Kandidatin hätte.
Die Frage lautet: Will sie den zweiten Sitz wirklich?
Denn die SP hat heute gezeigt, wie man auf eine Vakanz reagiert: Nicht warten. Anspruch anmelden.