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Und dann ist da noch Markus Eigenmann

28. September 2026 By Manfred Messmer

IMGWer die Ambitionen der FDP auf einen zweiten Regierungsratssitz im Keim ersticken will, reicht jetzt eifrig Namen herum. So lassen sich mögliche Kandidatinnen abschrecken, bevor sie überhaupt ans Einsteigen denken.

Es soll ja ausdrücklich eine Frau sein.

Die FDP entdeckt die Frau ausgerechnet in dem Moment, in dem die Männer die Ausgangslage ruiniert haben. Das Ständeratsdebakel war schlechtes Handwerk, und es begann schon beim Einstieg ins Rennen: ohne erkennbares Ziel, ohne Plan B, ohne Strategie.

Niemand fragte offenbar, was ausser der ohnehin fast sicheren Niederlage gegen Graf noch auf dem Spiel stand. Und niemand fragte, ob das Geld nicht dort besser angelegt wäre, wo tatsächlich etwas zu gewinnen ist.

Das ist Selbstüberschätzung.

Nun also der zweite Regierungsratssitz. In der Sache ist er richtig, im Vorgehen erneut aus der Hüfte geschossen. Die Idee ist keineswegs neu. Neu ist, dass sie nach dem Ryf-Debakel als Reflex daherkommt.

Wie man es anders macht, hat die SP 2022 vorgeführt.

Sie beschloss zuerst die Doppelkandidatur und suchte dann das Personal. Schweizer und Noack waren das Resultat einer Strategie, und so hält es die SP auch diesmal. Bei der FDP läuft es umgekehrt: erst die Ambition, dann die Niederlage, dann eine neue Idee, dann die Frauensuche. Das nennt man Ereignismanagement.

Von Aufarbeitung ist bisher nichts zu hören, von Konsequenzen schon gar nicht.

Welche Frau wirft sich da in die Schlacht? Jede mögliche Kandidatin weiss, dass Frauen gern dann nach vorn geschickt werden, wenn die Lage prekär und das Risiko gross ist. Dem Baselbiet steht ein harter Wahlkampf bevor. Das Feld ist breit, die bürgerliche Allianz beschädigt, und im Herbst folgen die Nationalratswahlen.

Für die Partei ist es also ein günstiger Zeitpunkt, sich der Frauen zu erinnern.

Und dann noch Markus Eigenmann. Frisch Gewählte gehen selten entspannt in ihre erste Wiederwahl. Bei Eigenmann liegt zwischen Amtsantritt und Gesamterneuerung kaum mehr als ein Jahr, und seine Wahl war kein Spaziergang. Im ersten Wahlgang lag er hinter der GLP-Kandidatin Sabine Bucher, im zweiten gewann er mit 29’789 zu 27’044 Stimmen. Das war knapp und mit dem ganzen Rückenwind der SVP.

Er hat also allen Grund, genau hinzuschauen, wen ihm die Partei zur Seite stellt.

Grob gerechnet liegt das absolute Mehr bei einer rund 35 Prozent-Beteiligung um 26’000 Stimmen. Der Wahlzettel hat fünf leere Linien, die Baselbieter stellen ihre Regierung selbst zusammen.

Schweizer dürfte durch sein, Liechti wohl auch. Für den Rest wird es eng.

Eine starke FDP-Frau müsste demnach weit über das eigene Lager hinaus Stimmen holen, etwa bei linken und grünliberalen Wählerinnen, die Eigenmann nicht wählen, aber mehr Frauen in der Regierung wollen. Was, wenn sie am Wahlabend vor ihm liegt? Was, wenn der erste Wahlgang zeigt, dass sie den FDP-Sitz sicherer hält als der Amtsinhaber?

Dann hat die FDP nicht zwei Kandidaturen, sondern ein Problem.

Auf dem Papier verfügt die Partei über einen erstaunlich grossen Pool regierungstauglicher Frauen. Warum aber sollte sich eine davon ausgerechnet jetzt, in dieser verfahrenen Situation melden?

Sie müsste Zeit und eigenes Geld investieren, ihr Privatleben exponieren, ihren Ruf verpfänden und Beruf und Politik vermengen, was Führungskräfte heute tunlichst meiden.

Sie hätte gegen den politischen Gegner zu kämpfen und gegen Widersacher im Büza-Lager, mit der realen Aussicht, am Ende als Verliererin dazustehen.

Gesucht wird eine Frau, stark genug, den zweiten Sitz zu holen, aber bitte nicht so stark, dass sie Eigenmann den seinen kostet.

Wer sich unter diesen Bedingungen trotzdem meldet, wäre genau die Richtige.

Kategorie: baselland-politik Stichworte: FDP, Markus Eigenmann, Wahlen27

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Marc Schinzel meint

    28. September 2026 um 19:38

    Viele Punkte – doch keiner spricht wirklich gegen eine zweite Kandidatur. Viel vom Gesagten gilt auch für andere Parteien. Wer nichts wagt, wird nicht gewählt. Ruhigere Zeiten werden nicht kommen. Abgewandelt: If you can‘t stand the heat, stay out of the kitchen.

  2. unterbaselbieter meint

    28. September 2026 um 14:16

    Wieso dürfte eigentlich „Schweizer“ durch sein… (ich lese ihren Satz so, dass sie wieder gewählt wird – also „durch kommt“ – dann macht meine Bemerkung unten Sinn):
    Fr. Schweizer hört man nie, sieht man nie, spürt man nie. Und hätte es kürzlich den „Migrationsamt“-Fall nicht gegeben, wüsste ich nicht mal wer da die Fr. Schweizer ist. Ich bemerke also: Wenn man sich unsichtbar macht und sich versteckt wird man locker wieder gewählt. Man muss nur immer den Lohn bekommen. Und atmen. Sonst eigentlich gar nichts anderes.

    • Manfred Messmer meint

      28. September 2026 um 15:02

      Eben darum.

    • Björn Geborgt meint

      29. September 2026 um 9:18

      Das ist mir jetzt doch zu einfach. Wer sich mit der Arbeit des Parlaments und des Regierungsrats vertiefter befasst, der weiss sehr wohl, was die einzelnen Regierungsmitglieder machen oder nicht machen. Damit will ich überhaupt keine Wertung über die Arbeit eines Regierungsmitglieds abgeben, aber wer will, der kann. Und heute ist das viel besser möglich als vor 30, 40 Jahren, weil alles öffentlich ist oder zum Beispiel auch die Landratssitzung im Internet live übertragen wird.

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