
We shape our tools and thereafter our tools shape us.
John M. Culkin, 1967, Schüler von Marshall McLuhan
Auch Gadgets bilden einen Lebenslauf ab. Sie zeigen nicht nur, was technisch möglich war, sondern auch, was uns zu einer bestimmten Zeit wichtig erschien.
Wobei das Bild lediglich einen Ausschnitt meiner Gadget-Biographie zeigt. Ich habe im Laufe der 25 Jahre mehrere Tausend Franken für solche elektronischen Begleiter ausgegeben.
Und war jedes Mal gleich fasziniert vom eben erworbenen Gerät.
Vielleicht erinnert sich noch jemand an das Motorola RAZR oder das Nokia 8110, die «Banane». Beide gingen später mit den Enkeln verloren. Kurz: Ich kaufte praktisch alles, was einen technischen Sprung versprach.
Zum Beispiel die iPods.
Den iPod der ersten Generation kauften wir für eine Autoreise nach Polen. Endlich nicht mehr bloss jene acht CDs in der Kassette, sondern sämtliche CDs, die wir damals besassen, gespeichert in einem handlichen Gerät.
Musik nach Stimmung, Landschaft und Strecke.
Heute habe ich die Musik fürs Training auf der Apple Watch Ultra und höre sie über die AirPods. Im Auto läuft der Streamingdienst von Apple.
Besonders interessant ist der Garmin iQue. Nicht nur wegen seines Namens, der sich nahtlos in die später fortgesetzte Reihe der Apple-i-Geräte einzufügen scheint. Der Organizer verfügte bereits über eine eingebaute GPS-Antenne und liess sich als Navigationsgerät nutzen.
Ich verwendete ihn erstmals in Venedig. Während mich das Gerät mehr oder weniger zuverlässig durch die Gassen führte, stellte sich mir die naheliegende Frage: Weshalb kann man mit diesem Ding nicht auch gleich noch telefonieren?
Vier Jahre später stellte Steve Jobs das iPhone vor.
Doch die Zeit des jährlichen Gerätewechsels ist vorbei. Mein aktuelles iPhone ist bereits vier Jahre alt, das iPad fünf. Mehr braucht es heute nicht, um mobil unterwegs zu sein.
Die Gadget-Welt hat sich erneut radikal verändert.
Am technischen Fortschritt nahm man damals nur teil, wenn man ständig neue Geräte kaufte. Heute altert nicht mehr zuerst die Hardware, sondern ihr Benutzer – sofern er mit Software und KI nicht Schritt hält.
Hans Rudolf Rohr meint
Gadgets, die teilweise auch die Welt verändert haben.
Als wir als Familie Anfang der 80er in Hong Kong waren und erstmalig ein Mobiltelefon gesehen haben, hat mein Vater nur gemeint: „So ein Seich, wer will denn schon immer erreichbar sein und ein solches Gerät mitschleppen“. Was für eine Fehleinschätzung der Menschheit.
Es sind also nicht nur Gadgets – es sind auch Nachweise, dass der Mensch Geräte entwickelt, ohne dass dafür ein Bedürfnis besteht, sondern dass diese Geräte erst ein solches eben begründen.
Sind wir gespannt, wie wir in 40 Jahren auf das Zeitalter von KI zurückschauen. Und ja – wir existieren dann noch. Weil technologische Entwicklungen irgendwann immer an Grenzen stossen und die Innovationskraft abnimmt.
Herrmann Elig meint
Ich warte immer noch auf den elektrischen Rasieraufsatz fürs Smartphone.
Hans Rudol Rohr meint
Der japanische Gadget-Hersteller Thanko Hat dies bereits 2017 vorgestellt.
Sie sind also bereits fast 10 Jahre zu spät mit der Idee.
unterbaselbieter meint
1000 und mehr Franken zuviel ausgegeben. Denn der Warenwert, die Produktion (Made in China) kostete jeweils nur ein paar Franken. Deshalb wurde Apple und Co so wohlhabend und riesig. Apropos: Apple zieht im Sept. wieder ihre Jahresshow durch. Sie versprechen wieder extreme Neuheiten. UND ICH warte immer noch auf das Handy, mit dem man sich auch rasieren kann. (Rasier-Phone all in one)…. DAS wäre ein Novum. WÊR sagt das den Apples endlich mal…..
Manfred Messmer meint
Falsch – ich habe wegen der Gadgets ein vielfaches verdient, weil das jedesmal mit einer Effizienzsteigerung einherging. Beispiel: Ein recht grosses Projekt habe ich auf der Heimreise aus den Ferien zwischen Bologna und Mailand an Land gezogen, weil der künftige Kunde mich auf dem Handy erreicht hat. Das war Ende der 90er für mich eine Premiere.
Hans Rudolf Rohr meint
Rasierer – siehe ob. Sie haben einen Innovationsverzug von fast 10 Jahren – also praktisch Steinzeit.
Und MM hat recht- der Wert begründet sich nicht mit dem Materialpreis, sondern mit dem Nutzen, der daraus resultiert.
Das kann man auch auf den Iphone-Rasierer anwenden. Und offensichtlich war der Nutzen gering, hat sich darum nicht durchgesetzt,
fuertesirius meint
Als Babyboomer musste man ständig dazulernen und die Nutzung war ja Pflicht. Ich weiss, dass ich noch im Analogzeitalter aufwuchs, mit ungeteerten Dorfstrassen, die Milch noch in der Chesi holte und dann kam im 1968 das Farbfernsehen.
Ich erinnere mich noch an das KV wo wir bei der EDV keinen Lehrer hatten und einer von der BLKB uns das Programmzeichnen lehrte und wir anschauen konnten wie ein grosser Donaldduck mit Zeichen gemalt ausgedruckt wurde.
Christoph Gass meint
Dann gab es noch die Accessoires zu den Gadgets. Für den Styler beispielsweise das Lederetui von von Montblanc für den Palm. Da konnte man noch richtig den Konsum ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen…