
Bei den nationalen Wahlen 2027 zeichnet sich im Baselbiet eine neue Normalität ab: Wer für den Ständerat kandidiert, kandidiert gleichzeitig für den Nationalrat. Damit verschiebt sich Bedeutendes: Es geht im bürgerlichen Lager nicht mehr darum, den Ständeratssitz tatsächlich zu gewinnen, sondern das optimalste Ergebnis aus den Nationalratswahlen herauszuholen.
Und das wäre bei der Mitte den Sitz zu halten und bei der FDP einen hinzuzugewinnen.
Um den bürgerlichen Sitz rangeln zwei Männer: Pascal Ryf und Balz Stückelberger. Und die SVP entscheidet dieser Tage, wer für sie und die beiden anderen Parteien ins Rennen steigen darf – gegen Samira Marti oder nochmals Maya Graf, beide vereint in der Favoritenrolle.
Der Entscheid der SVP ist deshalb wichtiger, als das Verfahren vermuten liesse. Formell stimmen die Parteiversammlungen abschliessend über die Nomination ab. Doch diese Abstimmung bestätigt nur, was eine vorgängige, informelle bürgerliche Konsultation bereits festgelegt hat: die Präferenz der stärksten Partei.
So gesehen ist ein – absehbares – SVP-Nein zu Ryf kein technisches Detail, es ist eine öffentlich lesbare Aussage des stärksten bürgerlichen Partners: nicht unser Mann fürs Stöckli.
Und vor allem: nicht in unserem Interesse für den Nationalratswahlkampf. Denn bei einer erneuten Listenverbindung FDP/SVP für die Nationalratswahlen 2027, ist Stückelberger zwingend die erste Wahl.
Was das Nein zu Ryf für den Nationalratswahlkampf der Mitte bedeutet, ist schwerwiegend.
Denn der Partei fehlt damit der nötige Booster, um den wie immer wackelnden Sitz von Elisabeth Schneider-Schneiter zu halten. Jede Schwächung Ryfs schwächt damit nicht nur einen Kandidaten, sie wirkt sich auf die Wahlstrategie der Partei aus.
Denn: Ryf tritt als Loser an – vom bürgerlichen Lager als weniger geeignet eingeschätzt. Ein Verdikt auch gegen die Partei.
Damit verteilt die SVP nicht bloss die Startpositionen im bürgerlichen Lager für eine schwierige Ständeratswahl. Sie entscheidet mit, wer im eigentlichen Wahlkampf – dem um den Nationalrat – mit Rückenwind antritt und wer einen bereits gefährdeten Sitz zusätzlich belastet.
Das eröffnet der FDP eine Option, die sie nicht einmal aktiv ergreifen muss.
Sie muss den zweiten Nationalratssitz nicht erobern. Sie muss nur einen Ständeratswahlkampf führen, der Ryf im bürgerlichen Lager als zweite Wahl markiert – der Rest erledigt sich von selbst.
Die eigentliche Beute, die winkt, ist nicht der Ständeratssitz. Es ist der Nationalratssitz der Mitte.
PS: Völlig offen ist, was geschieht, wenn Anton Lauber endlich seinen Entscheid über Sein oder Nichtsein bekannt gibt. Wobei es völlig egal ist, wie dieser ausfällt. Die Ständeratskür ist ein Vorgeplänkel für das, was am anderen Tag los sein wird.