Bis gestern konnte die FDP die Büza noch als Arrangement betrachten, in dem jeder irgendwie seinen Platz findet. Ab heute stellt sich eine andere Frage: Wer bekommt was?
Wenn Pascal Ryf den Ständerat beansprucht, Simon Oberbeck den frei werdenden Mitte-Regierungssitz und die SVP ihren Regierungsrat sowie die strategische Führungsrolle innerhalb der Büza behalten will, bleibt für die FDP erstaunlich wenig übrig.
Ausser sie nimmt es sich. Einen zweiten Sitz in der Regierung.
Und genau hier beginnt für die FDP die Frauenfrage. Denn für einen zweiten Regierungssitz braucht die Partei nicht einfach einen weiteren Kandidaten. Sie braucht eine Konstellation, die diesen zweiten Sitz politisch begründbar macht.
Die FDP kann sich dabei glücklich schätzen: Sie hat kein Frauenproblem. Sie verfügt über einen breiten Pool fähiger Frauen. Allerdings – und das ist der eigentliche Punkt – fliegen die meisten politisch weit unter dem Radar.
Unter jenen, die kantonal bereits bekannt sind, eine politische Reputation mitbringen und nicht erst aufgebaut werden müssten wie seinerzeit Markus Eigenmann, drängen sich vier Namen auf:
Nadine Jermann, Christine Frey, Saskia Schenker und Daniela Schneeberger.
Daniela Schneeberger kann man allerdings von der Liste streichen. Sie ist seit 2011 Nationalrätin, hat sich in Bern erhebliches politisches Gewicht erarbeitet und wird 2027 erneut antreten. Mit 59 Jahren wirft man eine solche Position kaum mehr hin, um in Liestal nochmals von vorne anzufangen.

Nadine Jermann weist ein starkes Exekutivprofil auf. Die HSG-Betriebsökonomin ist Gemeindepräsidentin von Buus und Präsidentin des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden. Gerade dieses Amt verschafft ihr einen kantonsweiten Resonanzraum, den eine gewöhnliche Landrätin nicht hat. Dazu kommen Führungserfahrung in der Privatwirtschaft und langjährige kommunale Exekutiverfahrung.
Sie war bereits 2025 eine ernsthafte Anwärterin auf den Regierungssitz von Monica Gschwind. Die FDP-Parteileitung setzte sie zusammen mit Markus Eigenmann und Daniel Spinnler auf das Dreierticket. Am Parteitag verlor sie die Nomination gegen Eigenmann im zweiten Wahlgang denkbar knapp mit 37 zu 40 Stimmen.
Allerdings fiel ihre Kandidatur mitten in die Radicant-Krise. Jermann hatte bis 2023 dem Bankrat der BLKB angehört. Diese Vergangenheit war politisch eine Hypothek und dürfte bei einer neuerlichen Kandidatur erneut thematisiert werden. Die FDP wäre dennoch schlecht beraten, sie deshalb bereits heute abzuschreiben.
Damit wären wir bei Christine Frey. Auch sie muss sich mit ihrem politischen Profil keineswegs hinter einem Eigenmann oder Liechti verstecken. Die Münchensteinerin ist auf klassische Art regierungsratsfähig: kommunale Exekutiverfahrung, kantonale Verankerung, frühere Führung der Kantonalpartei, seit 2015 im Landrat und ein ausgeprägt wirtschaftsliberales Profil.
Allerdings: Frey ist Jahrgang 1967 und wird im Wahljahr 60.
Das ist ihr offensichtliches Handicap. Nicht weil man mit 60 keine Regierung mehr übernehmen könnte. Aber wer erstmals in eine kantonale Exekutive eintritt, beginnt damit vergleichsweise spät. Frey verfügt damit über eines der vollständigsten Profile – aber über einen engeren politischen Zeithorizont.

Und damit kommt Saskia Schenker ins Spiel.
Die ehemalige Landrätin und frühere Kantonalpräsidentin der FDP erzielte bei den Nationalratswahlen 2023 mit 16’837 Stimmen hinter Daniela Schneeberger das zweitbeste Resultat der gesamten FDP-Liste. Seit 2025 ist sie Direktorin von prio.swiss, dem Verband der Schweizer Krankenversicherer.
Als sie 2025 aus dem Landrat zurücktrat, begründete sie dies damit, politisch «für den Moment etwas kürzer treten» zu wollen. Gleichzeitig schloss sie spätere politische Mandate ausdrücklich nicht aus.
Und genau hier wird es interessant.
Politische Karrieren lassen sich nicht vollständig planen. Manchmal öffnet sich ein Fenster nur einmal. Schenker wäre bei den Wahlen 2027 48 Jahre alt – ein Alter, in dem der Wechsel in eine kantonale Exekutive biografisch ohne Weiteres denkbar wäre.
Hinzu kommt die Ausgangslage der FDP. Sollte die SP mit einem kantonal profilierten Kandidaten wie Adil Koller* antreten, wäre die Personalfrage für die Freisinnigen nicht bloss eine parteiinterne Nachwuchsfrage. Sie müsste jemanden nominieren, der vom ersten Tag an kantonal sichtbar und politisch erklärungsfrei ist.
Unter diesen Voraussetzungen wäre Schenker für die FDP keine Kandidatin, die erst aufgebaut werden müsste – sie wäre bereits da.
Möglicherweise stellt sich ihr früher, als sie wohl gedacht hat, die grundsätzliche Entscheidung: War’s das mit der Politik?
Dass sie nochmals für den Nationalrat antritt, erscheint wenig wahrscheinlich.
Eine Regierungsratskandidatur hätte dagegen eine andere Logik: nicht die Rückkehr in die alte politische Laufbahn, sondern der Einstieg in eine neue Aufgabe.
- Nachtrag 11.05: Die SP hat inzwischen angekündigt, mit einer zweiten Kandidatur zu den Regierungsratswahlen anzutreten. Sollte sie dafür ein kantonales Schwergewicht wie Adil Koller nominieren, verschärft sich die Ausgangslage für die FDP zusätzlich.