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Das Amt verwaltet

3. September 2026 By Manfred Messmer

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(c) Grüne Baselland

Die Medien jubeln Isaac Reber im Chor hoch. Ich reibe mir die Augen: Reden sie vom selben Politiker, den wir fünfzehn Jahre lang erlebt – um nicht zu sagen: erduldet – haben?

Vorweg: Auch für mich ist «Isi» ein sympathischer Typ, einer, mit dem man gerne ein Bier trinkt.

Haben wir auch getan.

Aber hier interessiert nicht der Privatmann, sondern der Politiker mit einem gut bezahlten Amt und den Gestaltungsmöglichkeiten, die es bietet. Dieses Amt dient nicht der Selbstverwirklichung, sondern ist ein Auftrag der Baselbieter Bevölkerung.

So betrachtet, führt kein Weg an diesem Urteil vorbei: Isaac Reber war nicht einfach ein Regierungsrat, dem im Gestrüpp von Bürokratie und Politik die Fortüne fehlte.

Er bleibt als grüner Regierungsrat in Erinnerung, dem aus Unvermögen zu wenig gelang – und der in seinen letzten Amtsjahren zur Hypothek für den längst überfälligen Aufbruch wurde.

Sein unbestrittener Leistungsausweis stammt aus seiner Zeit in der Sicherheitsdirektion von 2011 bis 2019. In seine Anfangsjahre fiel ein Einbruchshoch. Mit stärkerer Polizeipräsenz und besserer Ausrüstung wurde die Zahl der Einbrüche halbiert. «Halbiert», sagte Reber selbst zum Abschied.

Den Punkt kassiert er.

Dass der Erfolg nicht von Dauer war – seit 2023 steigt die Diebstahlkurve wieder steil an –, kann man ihm nicht anlasten. Der Bruch datiert vier Jahre nach seinem Wechsel in die Baudirektion.

Zwei Affären aus jener Zeit sind für unser Urteil nicht entscheidend, gehören aber zur Bilanz. Da war die umstrittene Freistellung von Mediensprecher Meinrad Stöcklin, die Reber den Vorwurf einbrachte, er habe sich «das Schweigen teuer erkauft».

Und da war der Fall Sibel Arslan: Ihre bereits unterzeichnete Anstellung als Leiterin Straf- und Massnahmenvollzug machte Reber im Dezember 2014 rückgängig, nachdem private Betreibungen gegen sie publik geworden waren.

Den Entscheid bezeichnete er später selbst als «zu wenig sensibel»; medial und parteiintern wurde ihm das Einknicken unter Druck als Führungsschwäche ausgelegt.

Womit wir bei der Bau- und Umweltschutzdirektion wären, die Reber seit 2019 führt. Wir haben in der Geschäftsdatenbank des Landrats sämtliche einschlägigen Vorstösse und Vorlagen rekonstruiert. Bemerkenswert ist: Die Projekte wechseln, die Kritik bleibt dieselbe – Verfahrensdauer, Ressourcenknappheit, Kostenentwicklung.

Wer nur auf die gescheiterten Grossprojekte schaut – Tram 14, Velohochbahn –, verstellt sich deshalb den Blick auf das Muster.

Es zeigt eine Direktion, die höhere Ansprüche formuliert, als sie mit ihren Budgets und Terminplänen einlösen kann – und die dieselben Verfahrensmängel über mehrere Legislaturen hinweg verwaltet, statt sie zu beheben.

Sieben Jahre Baudirektion – und Reber hat es nicht geschafft, die vielzitierte «Komplexität der Dossiers» in den Griff zu bekommen. Die überlangen Verfahren der Baurekurskommission sind seit 2005 aktenkundig, wurden 2016 erneut moniert und standen 2025 wortgleich wieder auf der Traktandenliste.

Wendet man dieselbe Methode auf Monica Gschwinds Amtszeit an, zeigt sich der Kontrast. Gewiss, Bildungs- und Baudirektion sind nicht dasselbe. Die politischen Rahmenbedingungen – Landrat, Kommissionen, Volk – sind jedoch identisch.

Die Geschäfte aus Gschwinds Verantwortungsbereich wurden mit konkret aufgezählten Leistungen abgeschrieben – nicht mit neuen Prüfaufträgen oder Verweisen auf Komplexität.

Problem erkannt, Lösung definiert, umgesetzt. Punkt.

So auch 2016 bei der Handschlag-Affäre, ihrem politisch explosivsten Dossier, das national Schlagzeilen machte: eine rasche, unmissverständliche Regelung statt einer über Jahre wiederkehrenden Debatte.

Und ihr grösstes Dossier, den Universitätsvertrag mit Basel-Stadt samt neuem Finanzierungsmodell, terminierte sie bewusst so, dass es noch unter ihrer Verantwortung abgeschlossen werden konnte.

Das ist Projektsteuerung – nicht Verwaltung des Status quo.

Gewiss, man kann Gschwind für ihre Lust an Gesprächskreisen kritisieren. Aber am Ende zählt das Resultat: Die «Starke Schule», gegen die sie zwei Abstimmungen gewann und danach einband, empfahl sie 2022 gar zur Wiederwahl.

Zwei Direktionen, ein Landrat, ein Stimmvolk – und zwei völlig verschiedene Antworten auf dieselbe Frage: Verwaltet man das System, oder steuert man es?

Bleibt der Wunsch: ein entspannter Unruhestand für Isi – und ein Bier, sobald er Zeit dafür hat.

Kategorie: baselland-politik Stichworte: Baselland, Isaac Reber, Monica Gschwind

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Henry Berger meint

    4. September 2026 um 7:32

    …halt Vertreter eines Gemeinwesens, dessen Haupt-Raison-d‘être halt nach wie vor die Abgrenzung zur Stadt ist – sieht man sogar bei den Grünen.
    Irgendwann fällt das unserer Region auf die Füsse. Aktuell zeigt die Spitalplanung den Irrsinn in unserer Region.

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