
Wenn wir gestern vom Offenbarungseid der Mitte geschrieben haben, Anton Lauber beknien zu müssen, 2027 nochmals anzutreten, müssen wir das heute präzisieren.
Es ist nicht der Offenbarungseid der Partei, es ist jener der Parteileitung.
Allen voran Oberbeck und Ryf, die sich selbst zu Höherem berufen fühlen. Was hier durchscheint, ist zweierlei: erstens Arroganz aus Schwäche, zweitens Rücksichtslosigkeit aus Eigennutz.
Fangen wir mit der Rücksichtslosigkeit aus Eigennutz an.
Anton Lauber ist nächstes Jahr 14 Jahre Regierungsrat und 66 Jahre alt. Er ist politisch angeschlagen und wird als jemand geschildert, dessen Lust am Amt sich inzwischen in engen Grenzen hält.
Was die bz vor Jahren über ihn schrieb – «Der eiserne Schatzkanzler geniesst Respekt und Unterstützung bis weit in linke Kreise» –, gilt längst nicht mehr.
Lauber ist ein Gejagter.
Es geht um «verschlampte Millionen» (BaZ) und um Zweifel an Laubers Kompetenz in Sachen BLKB. Dazu die geschichtsträchtige Tatsache, dass seit Gründung des Landkantons erst zum zweiten Mal überhaupt eine PUK einberufen wurde – im Fall BLKB/Radicant, in dem auch Laubers Aufsichtsverantwortung zur Debatte steht. Erste Ergebnisse, so wird spekuliert, sollen im nächsten Frühjahr vorliegen.
Keine Partei hat derzeit ein Interesse daran, die BLKB-Geschichte in die nächste Legislatur mitzuschleppen.
Ryf, der sich seit Monaten als Nationalratsanwärter im Gespräch hält, und Oberbeck, der dies als Regierungsratsanwärter tut, haben gekniffen, als sich letztes Jahr die Chance einer Doppelvakanz bot – und tun es jetzt wieder, wo sie kämpfen müssten: um Partei und Zukunft.
Stattdessen soll es Anton Lauber nochmals richten und sie und andere politische Trau-nichtse vor der grössten Niederlage bewahren, seit es die CVP/Mitte gibt: dem Rauswurf aus der Regierung.
Das ist insofern niederträchtig, als schon einmal eine Partei in genau derselben Situation ihren Regierungsrat «bekniet» hat – und dieser nochmals antrat: 2011 Laubers Vorgänger als Finanzdirektor, Adrian Ballmer.
Ballmer liess sich wider eigenes Einsehen beknien. Der Preis, den er dafür bezahlte, war hoch. Nach zwei Jahren trat er vorzeitig zurück, ausgelaugt und krank.
Lauber sollte gewarnt sein: Zerrieben haben ihn genau jene, die ihn zum Bleiben gedrängt hatten. Ausgerechnet die eigene FDP-Fraktion verweigerte ihm das Vierfünftelmehr zur Pensionskassen-Sanierung und trieb die Vorlage vors Volk. OnlineReports damals: die FDP habe ihn «am deutlichsten fallen» lassen.
Die Parallele reicht tiefer als die Person.
Jeder der beiden Finanzdirektoren stand vor dem grössten Finanzdesaster seiner Zeit – Ballmer vor der BLPK-Sanierung, Lauber vor BLKB/Radicant –, mit einer aufschlussreichen Umkehrung: bei Ballmer ein Milliardenloch, das er nicht verschuldet und am Ende gelöst hat; bei Lauber ein weit kleineres, für das aber seine eigene Aufsicht vor der PUK steht.
Wenn also die Mitte meint, sie könne ihren Regierungssitz nur mit Lauber behaupten, dann liegt sie damit erstens nicht falsch – und tut es zweitens auf Kosten der Gesundheit eines Parteikollegen, der seinen Teil nun wahrlich zum Wohle der Partei und, ja, auch zum Wohle des Kantons geleistet hat.
Dass der bislang stets glänzend gewählte Lauber an der Urne abgestraft werden könnte, scheint ihnen einerlei. Ballmer hat dies erlebt: 2007 mit Abstand Erstgewählter, 2011 auf dem letzten der fünf Sitze, überholt von einem grünen Neuling.
Ich möchte Lauber nicht wegschreiben aus irgendwelchen verdeckten Interessen.
Was mich umtreibt, ist Empörung.
Weil es erbärmlich ist, wie die nächste Politikergeneration der Mitte einen im Amt und am Amt alt gewordenen Kämpen bekniet – um die eigene politische Schwäche zu vertuschen.
Weil sie Angst hat vor der offenen politischen Feldschlacht im nächsten Jahr.
Klaus Kirchmayr meint
Das Gleichgewichtsgesetz des Regierungsamts. Jeder kann es werden, viele meinen es zu können, alle werden mal bejubelt und machen mal richtigen Mist, die meisten bleiben lange genug im Amt, um machtlos und einsam zu werden und alle werden alt und nicht selten krank am Amt…
Baresi meint
Mit Ihrem Wissen, warum wollten Sie trotzdem Regierungsrat werden?
Klaus Kirchmayr meint
muss wohl Masochismus gewesen sein…. – im Ernst: Es war ein klar auf 6 Jahre begrenztes Angebot zur Lösung der drei dringendsten Probleme des Kantons…
Margareta Bringold meint
….viele meinen, es zu können…. Darum