
Flashback gestern bei der Kriminalserie: Auf den Computern der Ermittler läuft WordPerfect.
WordPerfect – das war 1986 mein Einstieg ins Computerzeitalter. Nach 20 Jahren Schreibmaschine.
Das Ding, das ich mir für Dreieinhalbtausend Franken anschaffte, hatte einen Speicher von 20 MB, was man damals noch in A4-Seiten umrechnete. Es waren so viele, dass ich dachte: Das werde ich in meinem Leben nie ausschöpfen.
Schreibmaschine war: Papier rein, tippen, Tipp-Ex, Seite raus, neu beginnen. Oder: Schere – Abschnitte umstellen und kleben, fotokopieren. Dokument neu zusammenstellen. Und nochmals neu abtippen.
WordPerfect war: das alles nicht mehr.
Dafür diese Schablone über der Tastatur mit den Kürzeln für die Systembefehle. Und manchmal die verzweifelte Suche nach dem Text, den man letzte Woche geschrieben hatte.
Und zwei Farben: entweder Bernstein oder Grün für die Schrift.
Für jemanden, der sein Geld mit Schreiben verdiente, war WordPerfect ein ökonomischer Quantensprung. Als Erstes machte es die Sekretärin überflüssig, weil es nichts mehr ins Reine zu schreiben gab.
Dann kamen Windows und die Internet-/Google-Zeit. Das eine machte die Handhabung einfacher, das andere ersparte den Gang ins Archiv.
Und das Reuters-Abo.
Aber so, wie ich es mir eigentlich schon immer vorgestellt hatte, kann ich erst seit gut drei Jahren arbeiten:
**denken ↔ recherchieren ↔ formulieren ↔ widersprechen ↔ überprüfen ↔ redigieren**
Am Mac. Mit KI.
Was ich am Altsein unendlich schätze: diese riesige Erfahrung. Diesen Überblick über die technische Entwicklung der letzten 60 Jahre. Und all die Transformationen, die man nicht beobachtet, sondern selbst durchgemacht hat.
I love it.
unterbaselbieter meint
Jetzt sollte man die riesige Erfahrung nur schon gehabt haben, als man ein Junger war. Dann wäre es perfekt.
Die Alten werden weise und haben viel Wissen und sterben dann immer weg.
Und die Jungen müssen alles wieder lernen um dann im Alter mit viel Wissen wieder wegzusterben.
Eigentlich ein Vorgang, der einem ja so (und der Welt) nicht weiter bringt.
Und jeden Tag beginnt es wieder von vorne.
Dass dieses „System“ nichts bringt sieht man ja – wenn man auf den Welten-Zustand schaut. Wie käme man raus aus dem immer wieder von vorne beginnenden Wissens-Hamsterrad?…..