Basel-Stadt will bis 2037 klimaneutral sein. Berechnungen der Regierung und wissenschaftliche Studien zeigen: Das kostet viel.
Sehr viel.
Nach diesen Wochen der grossen Hitze stellt sich jedoch die Frage, ob das Geld nicht klüger in den Hitzeschutz flösse.
Das Problem: Die entscheidende Rechnung fehlt.
Rechnet man Basels Klimainvestitionen gegen die Energieeinsparungen und jene Emissionen, die auch nach 2037 kompensiert oder technisch aus der Atmosphäre entfernt werden müssen, bleibt ein Saldo mit beträchtlichen Unsicherheiten.
Was man offenkundig als Natur der Sache betrachtet.
Doch bei der Klimaanpassung fehlt nicht bloss die Genauigkeit, sondern die Rechnung selbst.
Würde die ganze Schweiz 2050 tatsächlich netto null erreichen, wäre die Wirkung auf die globale Temperatur praktisch nicht messbar. Die territorialen CO₂-Emissionen der Schweiz machen weniger als ein Promille der weltweiten Emissionen aus.
Würden hingegen weltweit die CO₂-Emissionen auf netto null sinken, geschähe etwas durchaus Reales: Der beste Schätzwert des IPCC für das sogenannte Zero Emissions Commitment liegt ungefähr bei null.
Vereinfacht gesagt: Sobald netto kein zusätzliches CO₂ mehr ausgestossen wird, ist auch keine substanzielle weitere CO₂-bedingte Erwärmung zu erwarten.
Nur sind wir von diesem Zustand weit entfernt.
Und selbst ein weltweites Netto-Null bedeutete keine Rückkehr zum Klima von früher. Die bereits erreichte Erwärmung verschwindet nicht einfach wieder.
Die Hitze, an die wir uns heute gewöhnen müssen, bleibt uns deshalb auf absehbare Zeit erhalten – unabhängig davon, ob Basel sein Netto-Null-Ziel 2037 erreicht.
Woraus die unbequeme Konsequenz folgt: Hitzeschutz ist keine Nebenbaustelle der Klimapolitik. Er ist die Massnahme mit unmittelbarer und vor allem lokaler Wirkung – in jener Zeitspanne, die uns, unsere Kinder und Enkel tatsächlich betrifft.
Basel-Stadt hat immerhin gerechnet – zumindest auf der Schadensseite.
Eine 2015 im Auftrag des Bundesamts für Umwelt erstellte regionale Fallstudie beziffert die zusätzlichen jährlichen Gesundheitskosten durch Hitze für den Zeithorizont 2060 auf 170 bis 520 Millionen Franken.
Nicht kumuliert – pro Jahr.
Reduzierte Arbeitsleistung an Hitzetagen und zusätzliche hitzebedingte Mortalität sind die wichtigsten Treiber.
Der kantonale Anpassungsbericht von 2021 übernimmt diese Grössenordnung und bezeichnet die zunehmende Hitzebelastung als das grösste monetarisierte Klimarisiko des Kantons.
Spätestens seit diesem Sommer wissen wir, wie sich das Szenario anfühlt.
Der Kanton weiss also ungefähr, was die Dekarbonisierung kostet. Er hat eine Vorstellung davon, was Hitze kosten könnte.
Was fehlt, ist die dritte Zahl.
Wie viel dieser Schäden liessen sich mit 100, 300 oder 500 Millionen Franken gezielter Anpassung verhindern?
Diese Rechnung findet sich in den Basler Unterlagen nicht.
Ohne sie lässt sich die Priorisierung zwischen Netto-Null und Resilienz ökonomisch nicht sauber beurteilen. Man kennt die Kosten der Dekarbonisierung. Man kennt ungefähr den drohenden Schaden. Man kennt nicht die Rendite des Hitzeschutzes.
Und so bleibt ausgerechnet jene Abwägung ungerechnet, über die man jetzt diskutieren muss.
P.S. Baselland: Dort hat die Realität die Debatte bereits eingeholt. Klimaanlagen, Hitzefrei, Cooling Areas und Hitzemonitoring stehen plötzlich auf der politischen Agenda. Im Landkanton kommen die Fragen hinzu, was künftig noch angebaut werden kann und wie der Wald bewirtschaftet werden muss. Die Rechnung dazu fehlt allerdings auch hier.
Rampass meint
Grok:
Hitzetote pro 1 Million Einwohner im Jahr
USA: 3 – 8
Japan: 10 – 17
Europa: 60 – 100
Hat ziemlich viel mit der Klimaanlagen-Phobie in Europa zu tun.
Die Sträucher auf der Dreirosenbrücke oder der Mobile Baum in Sissach (Miete: 4k / Jahr) können wohl nicht zur „Klimaanpassung“ gezählt werden. Irgendwie lächerlich.
Die rein rechnerische Dekarbonisierung wird Null Einfluss aus Klima haben.
Die Klimaanpassung muss nicht neu erfunden werden. Die Installation von Klimaanlagen deregulieren und endlich Altersheime und Schulen damit ausrüsten reicht als Quickwin.
Daniel Flury meint
Ideologen rechnen nicht. Sie kalkulieren.
Franz meint
Sonst wir ja jedes Szenario durchgerechnet. Meine einfachen Fragen:
Wie viele Menschenleben rettet der Basler Klimaschutz?
Wie viele Menschenleben kostet der Basler Klimaschutz?
Manfred Messmer meint
Man weiss es nicht.