
Samstagabend. Freie Strasse. Meteo Schweiz meldet für Basel noch immer 31 Grad. Hier sind es bestimmt ein, zwei Grad mehr.
Die Hitzewelle akzentuiert, was die neu gestaltete Freie Strasse nicht ist: eine Flaniermeile.
In Wirklichkeit ist sie ein unterirdischer Infrastrukturkorridor für Werkleitungen, Hausanschlüsse und technische Infrastruktur – mit einer schönen Steinabdeckung.
Und dem Charme eines trockengelegten Kanals.
Die Fassadenzeilen links und rechts bilden die Ufer, dazwischen zieht sich eine steinerne, hindernisfreie Rinne zum Ausfluss: dem Marktplatz.
Dorthin zieht der Strom. Schaufenster sind mehr Spiegel für die Passanten als hübsche Warenauslagen.
«Ungehindertes Flanieren», so das Projektziel.
Denn wer stehen bleibt, stört den Fluss. Besonders samstags, wenn alle «in der Stadt» sind, duldet der Strom keine Stauung.
Jahrzehntelang hat man Flüsse begradigt und kanalisiert. Bis Ausnahmeereignisse eintrafen und Überschwemmungen Schäden in Milliardenhöhe verursachten.
Jetzt erleben wir bereits die fünfte Hitzewelle dieses Sommers. Sie legt ohne Beschönigung die Fehlkonstruktion der Freien Strasse bloss.
Sie ist nicht nur unbeseelt – daran ändern ein paar Sitzbänke und Pflanzentröge wenig –, sie ist auch nicht hitzetauglich.
Man hat eine Strasse für die nächsten Jahrzehnte erneuert, ohne dass ihre Klimatauglichkeit zum bestimmenden Kriterium wurde.
Verständlich.
Als man 2009 mit der Innenstadtplanung begann, war Hitze höchstens ein theoretisches Thema des Klimawandels, aber noch keine konkrete planerische Herausforderung.
Erst 2023 war im Grossen Rat von einer «unwirtlichen Hitzeinsel» die Rede.
Basel hat für Millionen eine Flaniermeile für die Stadt des 20. Jahrhunderts fertiggebaut – während es bereits Konzepte für die Stadt des 21. Jahrhunderts verabschiedete.
Franz meint
Autsch, das KI-Bild tut weh…
Aber nach 60 Jahren in dieser Stadt denke ich, dass jeder, wirklich jeder das Interesse an dieser Innenstadt verloren hat.
Den Hitzeschutz braucht`s nicht, weil niemand mehr da ist den man schützen muss.
Christoph Gass meint
Sehr zutreffender Kommentar. Wenn man unter der Woche regelmässig in der Freien Strasse unterwegs ist, sieht man v.a. Touristen. Deren Körpersprache lässt nicht auf grosse Begeisterung schliessen (im Gegensatz zu anderen Orten in Basel). Luxusgeschäfte, die das Interesse auch von nicht Kaufwilligen wecken, machen nach und nach zu. Die obere Freie Strasse gleicht aktuell einer Geisterstadt. Übrig bleiben Allerweltsketten. Vielleicht muss man schon froh sein, wenn wenigstens sie in Basel noch mit einer Filiale präsent sind. Spätestens wenn diese auch noch abwandern, weiss man, wie der Einzelhandel die Attraktivität des Standorts einschätzt. Zumindest beim kaufkräftigeren Publikum ist Basel zu einer Stadt mutiert, wo viel gearbeitet, aber nicht „gelebt“ wird. Basel teilt das Schicksal mit anderen mittelgrossen Städten. Früher war das Angebot für die Grösse der Stadt überdurchschnittlich. Diese Entwicklung ist (auch) eine Folge des Bedeutungsverlusts des Messe- und Bankenplatzes. Der private Tourismus mag in die Bresche gesprungen sein, nur sind die Touristen nicht zum Einkaufen hier.
Baresi meint
Die unterirdische Infrastruktur verhindert bisher im Boden verwurzelte Bäume, die schmalsten Stellen der Strasse verhindern wegen den Blaulichtorganisationen, der Fasnacht , der Tattoo-Parade etc. oberirdische Installationen/Bäume und die Immobilieneigentümer verhindern an den Fassaden montierte Installationen wie z.B. Sonnensegel. Wird wahrscheinlich eine Frage des Leidensdrucks durch Leerstand, bis sich etwas bewegen wird.