
Sehr geehrter Herr Messmer
ich habe einen Artikel auf Ihrer Webseite über das Buch von Außenminister Araghchi gelesen. Ich wollte Sie kurz dazu telefonieren und darüber unterhalten.
Können wir mal telefonieren? 0157-XXXXXXXX,(eine deutsche Mobilfunknummer)
Bin in Berlin, Public Diplomacy Attached der iranischen Botschaft.
Mit freundlichen Grüßen,
Mostafa Maleki
Deutsch als Fremdsprache (PhD, Universität Teheran) Europastudien (Master, Allameh Tabataba’i University, Wissenschaftsdiplomatie)
So eine E-Mail macht zunächst einmal misstrauisch. Andererseits scheint sie echt, schon wegen der deutschen Mobilfunknummer. Auch folgt sie nicht den üblichen Phishing-Mustern. Obwohl die Absenderadresse ein privater Yahoo-Account ist.
Kurz: Misstrauen ist gut, Recherche ist besser.
Ich habe nach dem Absender gesucht, und siehe da: Mostafa Maleki ist tatsächlich der, für den er sich in der E-Mail ausgibt – Presseattaché der iranischen Botschaft in Berlin.
Was hingegen nicht stimmt, ist der Aufhänger für seine Kontaktaufnahme.
Ich habe noch nie etwas über Sejjed Abbas Araghtschi, seit August 2024 iranischer Aussenminister, oder über dessen Buch geschrieben. Möglicherweise ist Maleki wegen dieses Beitrags auf arlesheimreloaded gelandet: Reise durch den Iran – ein Skizzenbuch
Maleki existiert, seine Funktion stimmt – nur den Artikel, über den er mit mir telefonieren möchte, gibt es nicht.
Vorgeschoben?
Interessant wird die Sache, wenn man ein längeres Interview mit Maleki liest, das im März dieses Jahres geführt wurde.
Als Stichwortgeberin agierte Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende der Kleinpartei BüSo und zentrale Figur der für verschwörungstheoretische Positionen bekannten LaRouche-Bewegung.
Darin erklärt er ziemlich genau, wie er seine Aufgabe versteht.
Im Westen, sagt er sinngemäss, werde zu wenig mit Iran gesprochen. Viele Politiker und Medienschaffende kennten das Land nicht. Wer über Iran rede, müsse Iran kennen, dort gewesen sein und mit Iranern sprechen.
Deshalb brauche es mehr Dialog, mehr Austausch, mehr kulturelle Begegnungen. Wer wollte da widersprechen.
Maleki erzählt von Goethe und Hafez, von Lessing und Schiller und von Kulturveranstaltungen der iranischen Botschaft. Seit fünfzehn Jahren engagiere er sich für wissenschaftlichen und kulturellen Austausch.
Doch gegen Ende des Interviews wird deutlicher, worum es ihm auch geht.
Es gebe derzeit, sagt Maleki, nicht nur einen Krieg auf dem Schlachtfeld, sondern auch einen «starken Medienkrieg». Westliche Medien konzentrierten sich zu sehr auf einzelne Aspekte der Ereignisse im Iran und blendeten andere aus.
Deshalb brauche es andere Stimmen – damit eine, wie er es nennt, «ausgewogene Berichterstattung» entstehe.
Und damit bekommt seine Mail an einen Schweizer Blogger einen etwas anderen Klang. Denn ich war im Iran. Ich habe darüber geschrieben. Und ich schreibe über Politik. Und habe ein interessantes publizistisches Profil (Siehe „über“).
Vielleicht bin ich genau deshalb für ihn interessant.
Denn das ist entscheidend: Public Diplomacy funktioniert nicht primär über Pressemitteilungen. Sie funktioniert über Gespräche, Beziehungen, über Menschen, die zuhören.
Und die gewünschte Sicht weiterverbreiten.
Maleki sagt selbst, was er erreichen möchte: andere Stimmen hörbar machen und die westliche Wahrnehmung seines Landes verändern.
Das ist sein Job.
Bleibt also die Frage: Will ich einer seiner Gesprächspartner sein?
Nein.
unterbaselbiet meint
DANKE – dass Sie die Zeichenanzahl angeben.
Sonst tippt man sich die Finger wund und kann es nicht abschicken
Der Frust war vorprogrammiert.
JA – es gibt halt immer solche, welche ellenlang labern / schreiben und dabei nichts aussagen. Eine Kunst die die Politiker bestens beherrschen.
Und wg. Iran:
Die Vergangenheit holt einem ein. Habe ein Ausdruck der Gasse (auf You-Tube) gelernt: Jetzt geht MM der „Kackstift“ (deutscher Ausdruck für Muffensausen)
Vielleicht ist ihr Domizil jetzt auf der roten Karte Irans. Vielleicht wird es in der Arabischen Welt auch weitergereicht. Hoffe sie sind geschützt. Mit den bärtigen ist nicht zu spassen – und die Iranreise war und ist Wahnsinn…
Bleib lieber im schönen (verbauten) Unterbaselbiet. Sicher ist sicher…..
Manfred Messmer meint
Bin angstfrei, ansonsten ende ich als Schlagzeile.
Hans Rudolf Rohr meint
Der beste Schutz ist die Öffentlichkeit.
Und unterbaselbiet: definitiv zu viel YouTube geschaut – oder Thriller auf Netflix. Der Mann mit dem Regenschirm fällt in der momentanen Hitzelage eh viel zu sehr auf….