
Vorspann: Tech-Giganten wie Google, Meta, Palantir oder X bewegen sich längst ausserhalb der klassischen Staatslogik. Sie kontrollieren Infrastrukturen, die sich staatlicher Steuerung zunehmend entziehen.
1. Akt: Ein britischer Softwareingenieur programmierte während seines Vaterschaftsurlaubs das weltweit erste Netzwerk für vollautonome Drohnen für die Ukraine – «in seinem Schuppen, mit seiner Tochter im Babytragetuch», wie die britische Times schreibt.
Das System könne eines Tages ermöglichen, dass ein einzelner Soldat in einem Bunker mit einem Computer 10’000 Drohnen gleichzeitig koordiniert und damit KI-gestützt einen Frontabschnitt über Hunderte von Kilometern überwacht und verteidigt.
2. Akt: Die New York Times schreibt, dass inzwischen die Generation der «20-Somethings» die ukrainische Kriegsführung prägt. Nicht mehr Panzerverbände und Infanterieangriffe bestimmen das Schlachtfeld, sondern Boden- und Luftdrohnen sowie ihre softwaregestützte Koordination.
In der Ukraine findet derzeit – begleitet von Demonstrationen in Kyjiw und anderen Städten – eine Auseinandersetzung zwischen der alten, sowjetisch geprägten Generalität und einer neuen Generation von Tech-Entwicklern statt. Sie wird personifiziert durch den inzwischen entlassenen Verteidigungsminister Fedorow und den Oberbefehlshaber Syrskyj.
Landschaftsbild: Man kann diese Entwicklung als Ausdruck einer Generation verstehen, die mit technologischen Mitteln um das Überleben ihrer Familien, ihrer Freunde und ihres Landes kämpft.
Man kann sie aber auch anders lesen: durch die Brille der Tech-Brothers aus dem Silicon Valley.
Abspann: Bei den grossen Plattformen hat sich der Staat vom Regulator zum Bittsteller entwickelt.
Nun frage ich mich, ob sich Ähnliches im Rüstungsbereich abzeichnet: Der Staat bleibt Besteller, aber die entscheidende Kompetenz — Software, Entwicklernetzwerke, KI-Architektur — liegt bei Privaten, die seiner Logik nicht mehr unbedingt folgen (wollen).
Solange der Krieg andauert, übertüncht Überlebenswille gepaart mit Patriotismus diese Abhängigkeit.
Was aber, wenn der Krieg endet?
Dann zeigt sich, wem die Infrastruktur tatsächlich gehört — und der Staat wird vom Auftraggeber zum Kunden.
Transnationale Logik: Egal welcher?