
Sommer: Bei diesem Wetter wuchert der Basilikum. Er muss verarbeitet werden.
Auf dem Teller: eine vegetarische Notschlachtung.
Dieses Kraut liebt die Hitze.
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Sommerloch. Die Zeit im Jahr, in der nachrichtenmässig fast nichts läuft.
Ausser es brennt. Oder eine Leihmutterschaft wird öffentlich.
Wer bei letzterer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, fällt ins Sommerloch. So wie vor ein paar Tagen Friedrich Merz.
Wer die deutschen Medien verfolgt, meint seither zu wissen: Der Kanzler kann es nicht. Das Regieren, das Timing, das Gespür für Personen und Stimmungen. Sein Rücktritt sei nur noch eine Frage von Wochen.
Denn die Basis grollt. Kein Tag ohne einen Funktionär aus der Provinz, der sich beleidigt meldet.
Dazu die wöchentliche Tabelle: CDU schlecht, SPD schlechter, AfD glänzend.
Sommerlochtrommeln in Reinform.
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Nur ist Deutschland nicht Grossbritannien. Ein Kanzler lässt sich hier nicht in Wochenfrist beiseiteschieben.
Umfragen sind unterhaltsam. Doch es zählt die Stimmkraft des Wahlsonntags, gültig für vier Jahre.
Ein Kanzler stürzt auf vier Wegen: Koalitionsbruch, Misstrauensvotum, Rücktritt, verlorene Vertrauensfrage.
Alle vier Wege enden derzeit in derselben Sackgasse: Es gibt keinen Nachfolger, der eine Mehrheit im Bundestag fände.
Und welcher Abgeordnete riskiert schon den eigenen Sitz für eine Neuwahl?
Die Pointe des Sommers: Merzens Schwäche ist seine Lebensversicherung. Je tiefer die Union fällt, desto fester sitzt der Kanzler im Amt.
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Das deutsche Kanzleramt ist aufs Durchregieren gebaut. Allein oder mit vierzig Prozent und einem Juniorpartner im Seitenwagen.
Beides ist nicht mehr absehbar.
Und noch immer redet man von einer «Grosse Koalition». Die Umfragen erzählen längst die Geschichte von einer politischen Minderheit.
Also versucht die SPD am Abgrund zu retten, was kaum zu retten ist — und zieht den Partner mit hinab. Eine Fusion mit Grünen und Linken wäre die logische Konsequenz ihrer programmatischen Annäherung.
Doch dafür ist sie nicht mehr stark genug.
Und die Union? Strauss‘ Parole, es gebe keine Partei rechts der CSU, ging über Bord, als sie unschicklich wurde. Nun gibt es eine. Rechts.
So halten sich Union und SPD in der Mitte gegenseitig in Geiselhaft. Fluchtweg ausgeschlossen.
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Und die Sommerlochmedien? SPIEGEL, Süddeutsche, FAZ, Stern, die den Fall Merz mit täglich neuen Nachrichten und Kommentaren bewirtschaften?
Die Volksmedien folgen den Volksparteien: Die gedruckten Auflagen, einst das Rückgrat des Bildungsbürgertums, sinken seit Jahren.
Der Zuwachs im Netz verspricht die Rettung nach der Transformation — nur ist die Online-Anzeige ein Trinkgeld gegen das alte Inserat.
Die Ironie sitzt tiefer. Die Nachricht selbst verliert ihre Anziehung. Also ersetzt man sie durch Konflikt, Zuspitzung, Fortsetzung — den Fall Merz als Sommerserie.
Es ist der Versuch, sich mit immer neuen Aufregern über Wasser zu halten. Nur haben sich die Blätter mit den Volksparteien in selbe Boot gesetzt. Sie sinken im Gleichtakt der stotternden Motoren.
Zwei kommen davon.
DIE ZEIT, die den Nachrichtenjournalismus hinter sich lässt. Und DIE WELT, die keine Nachrichten mehr verbreitet, sondern Meinung rechts der Mitte.
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Steve Bannon nannte seine Medienstrategie einmal «Flood the zone with shit». Den öffentlichen Raum mit immer neuen Aufregern fluten, bis niemand mehr erkennt, was wichtig und was bloss Lärm ist.
Im deutschen Sommerloch läuft dieselbe Mechanik — nur ohne Plan. Jeden Tag eine neue Merz-Geschichte, bis die Geschichte wichtiger wird als die Sache.
Bannon musste das noch organisieren. Das Sommerloch produziert es ganz von selbst.
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Heute haben wir den Feigenbaum zurückgeschnitten. Damit die Kraft der Säfte nicht in die Blätter, sondern in die Früchte fliesst.
Der September verspricht eine reiche Ernte.
unterbaselbieter meint
Irgendwie dünkt es mich, sie halten zu Merz. Zählen allerhand Regeln auf, Rechnungen warum kein Rücktritt, Medienschelte…. Aber Merz’s Leistung (oder eben Nicht-Leistung) wird kaum in Frage gestellt.
Damit würden sie zu den 10-15% in D gehören, welche noch hinter Merz stehen.
Komisch – doch immerhin können sie so sagen – Sie sind damit etwas „Spezielles“…..