Basel leidet unter der Hitze, und die Grünen entdecken die Klimaanlage. Vor zwei Jahren stellten sie sich noch gegen einen entsprechenden Vorstoss der FDP. Jetzt reichen sie praktisch dieselbe Forderung ein und sprechen von «Ideen, über die wir schon lange diskutieren».
Keine Einsicht. Nur eine neue Erzählung.
Die Grünen sagen es offen: Würde man kostengünstige private Klimaanlagen mit wenigen Auflagen zulassen, wäre derselbe Bürger womöglich nicht mehr bereit, teure Investitionen in Entsiegelung, Dachbegrünung oder gar Altbausanierungen mitzutragen.
Dieses Misstrauen ist ehrlicher, als es wohl gemeint ist. Es verrät das eigentliche Motiv der Koppelung: Die Klimaanlage ist für die Grünen kein technisches Mittel gegen die Hitze, sondern ein Instrument, das sich ihren klimapolitischen Zielen unterzuordnen hat.
Ökonomisch läge die Reihenfolge auf der Hand: dort kühlen, wo Menschen heute unter der Hitze leiden, und die langfristigen Massnahmen parallel umsetzen – in Basel-Stadt mit dem üblichen Planungshorizont bis weit in die kommenden Jahrzehnte. (Ironie off.)
Die Vorstellung, man könne eine dicht bebaute Stadt mit ein paar Tausend zusätzlichen Bäumen und entsiegelten Flächen klimatisch zurück in die achtziger Jahre versetzen, ist keine Strategie.
Sie ist eine Hoffnung.
Damit bleibt eine Logik, die selten so klar ausgesprochen wird: Das kühle Schlafzimmer wird Teil eines grösseren Lenkungsprojekts. Wer in Basel entspannt schlafen will, muss das gesamte klimapolitische Programm der Grünen dazukaufen.
PS: MeteoSchweiz prognostiziert für nächste Woche wieder Temperaturen deutlich über 30 Grad.
Henry Berger meint
Neben Fernwärme gibt es mittlerweile auch Fernkühle. München hat bis jetzt eines der grössten Netze und diverse Geschäftsliegenschaften werden damit gekühlt – ua die „Fünf Höfe“ mit der Kunsthalle München, dh diese Fernkühle erlaubt auch das Kühlen von Räumen mit speziellen Anforderungen, wie zB für Gemälde.
Henry Berger meint
Das System heisst „Fernkälte“ und das Netz in München ist bereits 14 km lang.
Christoph Gass meint
Basel Paulusgasse. Dort kann man ein Pilotprojekt zur „Schwammstadt“ verfolgen. Ein gutes Dutzend Parkplätze wird „entsiegelt“, indem etwa fünf zugunsten von Rabatten/Baumscheiben aufgehoben und der Rest durch durchlässige Verbundsteine aufgewertet werden. Seit Monaten wird mit zahlreichen Maschinen daran gewerkelt. Dort wird soviel graue Energie verbraucht, dass sich am Klima rein gar nichts ändert. Erwünschter Nebeneffekt: die neuen Parkplätze sind so kurz, dass sie nicht mehr für ein Mittelklasseauto (inkl. E-Auto) reichen. Werden wohl bald zu Cargo Bike Buchten mutieren… Ziel erreicht. Ein grünes Projekt.
Christoph Gass meint
Nachtrag. Anderer Widersinn. Wer seinen Garten entsiegelt hält, Grüngut produziert und dieses mit der baselstädtischen Grünabfuhr entsorgen lässt, wird seit Anfang Jahr mit einem Preisaufschlag von rund 30 Prozent „belohnt“. Und zu einem Containersystem mit unzuverlässigem Wiegechip (selbst ausprobiert!) gedrängt. Angeblich wegen des Umweltschutzgesetzes (Überwälzung der Kosten nach dem Verursacherprinzip). So geht Umwelt- und Klimapolitik. Und alle wundern sich über die sterilen Steingärten… Und ja: ich habe auch schon einmal etwas von Kompostieren gehört, kann und will es in meinem kleinen Stadtgarten aber nicht umsetzen. Basler Hochleistungsverwaltung at its best.
Daniel Flury meint
Bin öfters in Weil.
Da steht an jeder zweiten Ecke ein Presscontainer der Firma «Kühl».
Das reicht für Basel: «Kühl» angeschrieben, und schon wird kühl gefühlt.
So erreicht man hier die Klimaziele 2037 (gekühlt gefühlt).
Baresi meint
„Nur“ ein kühles Schlafzimmer geht in BS in vielen Fällen schon heute. Rechtzeitig (wie bei den Winterpneus: zwischen Oktober und Ostern. Nachher kosten sie 30% mehr oder sind nicht mehr verfügbar) ein mobiles Klimasplitgerät kaufen und montieren. Oder für den doppelten Betrag kaufen und montieren lassen. Dauert keine Stunde. Es gibt Firmen, die schon seit längerem mit Klimasplitgeräten unter der Grenze des Erlaubten gutes Geld verdienen.
Henry Berger meint
Ein richtiges Splitgerät ist nicht in einer Stunde montiert. Die wenigsten Liegenschaften haben wohl schon die entsprechenden notwendigen „Öffnungen“ in der Aussenwand und auch Innen möchten die wenigsten die Leitungen von Aussen- zum Innengerät über dem Putz durch das Wohn- oder Schlafzimmer geführt haben.
Franz meint
Ob legal eine mobile oder halt illegal eine feste Split installiert wird: Es geht den Staat nichts, aber wirklich nichts an, was bei mir zu Hause für eine Temperatur herrscht.
Baresi meint
Kann man so sehen, in BS ist aber nicht nur der Staat. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es in BS in den 90-er Jahren eine Abstimmung zu diesem Thema, die entsprechend entschieden wurde.
Manfred Messmer meint
Ging um ein Energiegesetz 2016 als Gegenvorschlag zur Initiative „Basel erneuerbar“. Im Vordergrund stand immer wie beim ersten Gesetz von 1983 nur das Heizen, zuletzt bei der Initiative zum Verbot fossiler Heizungen, (angenommen). Die Kühlfrage ist neu (Seiler 2024).