
Lese: Die Bauern wollen als Gegenleistung für das geplante Mercosur-Abkommen zusätzliche 880 Millionen Franken für die nächsten acht Jahre. Zusätzlich zu den rund 28 Milliarden Franken, welche Bund und Steuerzahler in derselben Zeit bereits für die Landwirtschaft aufwenden.
Eine Bevölkerungsgruppe von knapp zwei Prozent, die rund 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erwirtschaftet, verfügt dank 40 Bundespolitikern und einer straffen Organisationsstruktur faktisch über eine Vetomacht bei einem Handelsabkommen, das für einen erheblichen Teil der Schweizer Exportwirtschaft relevant ist.
Lese: «Brasiliens Wirtschaft boomt – Schweizer Firmen drohen den Anschluss zu verlieren.»
Die EU hat ihr Mercosur-Abkommen bereits in Kraft gesetzt. Gleichzeitig expandieren chinesische Unternehmen aggressiv in Südamerika.
Der Unterschied ist aufschlussreich.
Während Europa und die Schweiz über Nachhaltigkeitsklauseln, Menschenrechte, Regulierung und Zertifizierungen verhandeln, kaufen die Chinesen Rohstoffe, finanzieren Häfen, bauen Eisenbahnen und vergeben Kredite.
Lese: Die Linke verfolgt den Streit zwischen Bauernverband und Bundesrat entspannt. Je härter die Bauern pokern, desto grösser werden die Chancen auf eigene Forderungen: mehr Umweltschutz, mehr Menschenrechtsklauseln, mehr Regulierung.
Damit wird sichtbar, was im politischen Alltag oft verborgen bleibt: Das Mercosur-Abkommen wird von zwei Vetominderheiten ausgehandelt. Auf der einen Seite die bäuerliche Schweiz. Auf der anderen urbane Umwelt- und NGO-Milieus.
Dazwischen die wertschöpfende Schweiz.
Die grosse Mehrheit der Bevölkerung entwickelt Medikamente, programmiert Software, produziert Maschinen, verkauft Dienstleistungen, führt KMU oder pendelt jeden Morgen zur Arbeit. Diese Schweiz ist bei dieser Debatte Zuschauerin, weil zwei politische Vetomächte ihre Interessen durchsetzen wollen.
PS I: Westschweizer Winzer fordern Importbeschränkungen und einen Unterstützungsfonds, weil weltweit weniger Wein konsumiert wird.
PS II: Vielleicht besteht die eigentliche Schweizer Wirtschaftspolitik des Jahres 2026 darin, jede Veränderung zuerst als Bedrohung und danach als Subventionsgesuch zu behandeln.
Daniel Flury meint
Unter uns gibt es die, die sich jederzeit einen Bären aufbinden lassen. Wichtig dabei ist, dass der Überbringer der Botschaft sich als Wildhüter verkleidet und «Gefahr» schreit … .
Siehe die Abstimmung vom 14. Juni.
gotte meint
die schlauen bauern um ihren noch-chef ritter wissen, dass sie die 10-mio-initiative ablehnen müssen: wenn es plötzlich wieder um kontingente geht, ist schluss mit allianz von geld und gülle, denn dann steht man plötzlich in direkter konkurrenz um arbeitskräfte (fachkräfte oder billigschufter). die weniger schlauen fühlen sich unbesiegbar und hauen in jeder session mit ihren unverschämten forderungen noch einen obendrauf. es kommt der tag, an dem der goodwill aufgebraucht ist. spätestens dann, wenn man die differenzen deshalb nicht mehr mit geld deckeln kann, weil es wirklich keines mehr hat, das verteilt werden könnte.
unterbaselbieter meint
Wenn man so ein Fährtli über die Landschaft macht (wenn man ein Auto hat) sieht es anders aus: Überall „Heimat-Bewahren-Fahnen“ mit rotem Kreuz, selbst bezahlt, Heustöcke und -Ballen mit JA-Sprüchen, auch die Stopp-Plakate sind zahlreicher wie in den Städten und Agglo.
Wer rumkommt sieht die Realität, wer vom Lehnstuhl schreibt, schreibt vorbei. Vom Bauernstand ein überwältigendes JA – das ist sicher. Aber ob das gesamtschweizerisch reicht?…..
gotte meint
ich schreibe zwar aus dem lehnstuhl, aber nicht daran vorbei: Sie bestätigen ja, wovon ich gesprochen habe: die SCHLAUEN bauern um ritter… nicht die mit den fahnen.
unterbaselbieter meint
Gehen Sie mal die Subventionsliste des Bundes durch.
Wahnsinn. Was da alles subventioniert wird.
Auch arlesheimreloaded könnte ein Gesuch stellen. Wetten es käme durch. Und das Geld aus Bern fliesst. Begründung: Politisch-Demokratische Aktivität fördern, Regionale Berichterstattungen, Mitwirkung des Demokratischen Prozesses aktivieren, Aktiveren des Lesekonusms und allg. Debatte.
ES WIRD FLIESSEN – 100 %
Und sonst noch: Kulturelle Anreicherung und Förderung, Kulturelle Debatte, Förderung demokratischer Kultur = Baume-Schneider würde den Topf öffnen.
MAL VERSUCHEN – KÖNNTE JA DANN DIE BUNDESKOHLE IMMER NOCH SOZ. PROJEKTEN STIFTEN. Glaubst mir, es haut hin…..