Der Baselbieter Wahlkampf um den frei werdenden Regierungssitz plätschert so dahin. Wäre da nicht die 10-Millionen-Initiative, die Wahlbeteiligung läge wohl bei den üblichen 30 Prozent oder erneut darunter.
Hört man sich um, rechnen fast alle mit einem Sieg von Matthias Liechti.
Nicht unbedingt, weil er der bessere Regierungsrat wäre, sondern weil er den Regierungsrat offenbar überzeugender darstellt.
Das Baselbiet hat sich daran gewöhnt, politische Rollen mit politischer Leistung zu verwechseln. Der Eigenmann-Effekt lässt grüssen: Nicht Können zählt, sondern Vorstellung.
Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe Philipp Schoch gewählt. Nicht aus Verlegenheit, sondern aus Überzeugung, dass er der bessere der beiden Kandidaten ist.
Der erste Grund ist die politische und berufliche Erfahrung.
Philipp Schoch leitet das Notfallzentrum des Kantonsspitals Baselland, führt rund 100 Mitarbeitende und trägt täglich operative Verantwortung in einem der komplexesten Bereiche des Gesundheitswesens. Philipp Schoch war 15 Jahre Landrat, präsidierte das Baselbieter Parlament als Landratspräsident.
Dazu kommt seine politische Erfahrung als Gemeinderat in Pratteln.
Matthias Liechti arbeitet als stellvertretender Filialleiter einer Raiffeisenbank in Niedergösgen und amtet als Gemeindepräsident eines 438-Seelen-Dorfs. Beides ist respektabel. Die Frage lautet jedoch nicht, wer sympathischer wirkt, sondern wer für die Führung einer Kantonsregierung besser vorbereitet ist.
Matthias Liechti gehört dem Landrat seit knapp drei Jahren an. Wer politische Erfahrung zum Massstab macht, kommt kaum zum Schluss, beide Kandidaten brächten vergleichbare Voraussetzungen mit.
Der zweite Grund ist Liechtis öffentliche Wirkung.
Er redet gut. Besser als der Durchschnitt des Schweizer Politikers, besser, als man es von einem Gemeindepräsidenten eines kleinen Dorfs erwarten würde. Wer in den USA und in Südafrika eine Predigerschulung absolviert hat, lernt etwas, das die Schweizer Politikschule kaum vermittelt: Kontrolle.
Das ist keine Kälte, sondern Technik. Erlernt, nicht angeboren. Die Worte sitzen, die Gestik sitzt, die Botschaften sitzen. Das beeindruckt viele Menschen. Es ersetzt aber keine politische Erfahrung.
Und schliesslich führt kein argumentativer Weg an einem dritten Punkt vorbei: Liechti gibt es nur im Paket.
Mitgeliefert werden Peter Riebli und damit eine Kantonalpartei, die sich in den vergangenen Jahren deutlich nach rechts bewegt hat. Mitgeliefert wird auch Sarah Regez, die als Chefstrategin der Jungen SVP und Nachrückerin in den Landrat politisch unbestreitbar am rechten Rand der Partei agiert.
Das ist keine Frage des Geschmacks, sondern der politischen Richtung.
Regierungsratswahlen sind selten reine Personenwahlen. Sie verschieben Machtverhältnisse. Wer Matthias Liechti wählt, wählt deshalb nicht nur Matthias Liechti. Er stärkt gleichzeitig jene Kräfte innerhalb der Baselbieter SVP, die den politischen Kurs der Partei in den kommenden Jahren prägen werden.
Man kann das wollen.
Ich will es nicht.
Morat meint
Den wichtigsten Punkt dieser Regierungsratswahl wird hier verdankenswerterweise gut herausgeschält: auch ich habe Philipp Schoch gewählt, weil ich Sarah Regetz nicht im Landrat möchte. Herr Liechti kann ja bei der Gesamterneuerungswahl nächstes Jahr wieder kandidieren. Dann besteht die Gefahr eines enormen Rechtsrutschs im Landrat für unseren Kanton nicht mehr so unmittelbar.
Kille meint
Die Gesichter sprechen über die Wesensart. Liechti hat das berühmte SVP Gesicht. Schoch das subtilere. Habe ihn gewählt.
Philipp Waibel meint
Eine grandiose Einlassung! Danke für einen Lichtblick in auch medial düsteren Zeiten.