
«Und strittige Wahlen sowie Korruption sind weiss Gott keine neuen Phäno-
mene der amerikanischen Geschichte, sondern eher Konstanten.»
Sagt der ehemalige Glamour-Botschafter Thomas Borer in der NZZaS in einem Gespräch. Kurze Zusammenfassung – das mit Trump sei alles halb so schlimm.
Um die Korruptionskonstante mit folgender Aussage zu beweisen:
Wie es möglich sei, dass Joe Biden als Senator von Delaware mit einem Gehalt von rund 150 000 Dollar jährlich nach ein paar Jahrzehnten auf 40 bis 50 Millionen Dollar Vermögen komme, also jeden Börsenhändler schlage?
Weil der NZZ-Journalist das unwidersprochen weiterreicht – Fakt- Checking durch Claude:
Die Prämisse stimmt nicht. Bidens Senatsgehalt begann 1973 bei rund 42’000 Dollar und stieg über 36 Jahre schrittweise auf 174’000 Dollar beim Ausscheiden 2009 – nicht durchgehend 150’000. Als Vizepräsident kamen rund 230’700 Dollar dazu, als Präsident 400’000.
Und das Vermögen: Seriöse Schätzungen (Forbes, Celebrity Net Worth, Steuerunterlagen) taxieren Bidens Nettovermögen 2017 beim Abschied als Vizepräsident auf nahe null bis 2,5 Millionen, aktuell auf 7 bis 15 Millionen – nicht 40 bis 50 Millionen. Diese Zahl kursiert in bestimmten Kreisen, ist aber durch nichts belegt.
Was tatsächlich stimmt: Der Sprung erfolgte nicht im Amt, sondern danach. Nach 2017 verdienten Joe und Jill Biden über mehrere Jahre kumuliert rund 15 Millionen – primär durch Buchverträge (Flatiron Books, rund 8 Millionen für ein Mehrbuchpaket), Vortragshonorare im sechsstelligen Bereich pro Auftritt und eine Gastprofessur in Pennsylvania. Das ist der klassische amerikanische Mechanismus: Das eigentliche Geld kommt nicht aus dem Amt, sondern aus dem, was man mit dem Amt hinterher monetarisiert. Bei Obama funktioniert dasselbe Modell potenter – sein Vermögen wird auf rund 70 Millionen geschätzt, fast zehnmal so viel wie bei Biden.
Die zugrunde liegende These – Politiker bereichern sich über Jahrzehnte aus Steuergeld – verfehlt also den Mechanismus. Das eigentliche Geschäft ist nicht das Gehalt, sondern die Lizenzierung der eigenen Biografie nach Amtsende.
Bei Herrn Trump ist das ganz offensichtlich anders.
Habe von Borer noch nie was gehalten. Aber die Botschafternummer mit seiner Frau in Berlin war schon unterhaltsam, ich gebe es zu.