
Nach Matthias Liechtis Wahl beginnt jetzt die eigentliche Machtpolitik: die Neuverteilung der Direktionen.
Formal wird die Bau- und Umweltschutzdirektion frei. Politisch ist keineswegs ausgemacht, dass sie direkt an den neuen Regierungsrat geht.
Für Markus Eigenmann eröffnet sich vielmehr ein Zeitfenster. Er hat die Bildungsdirektion erst Anfang 2026 übernommen.
Ein Wechsel nach einem Jahr wäre ungewöhnlich und würde im Publikum wohl mit vorübergehendem Murren aufgenommen. Unvernünftig wäre er jedoch nicht. Weder für Eigenmann noch für die FDP, die 2015 nach der Ersatzwahl für Urs Wüthrich die Bildungsdirektion übernommen hat.
Selbstverständlich: Die Bildungsdirektion ist gesellschaftlich zentral, politisch jedoch oft ein Dauerbetrieb aus Interessenausgleich, Sparrunden, Schulreformen und Universitätsfinanzierung. Man verwaltet Konflikte, statt grosse Projekte zu bauen.
Und die Verhandlungen über den Universitätsvertrag für die 2030er Jahre haben noch nicht einmal begonnen.
Die Baudirektion hingegen gehört traditionell zu den machtvolleren Departementen. Dort werden Infrastrukturprojekte, Raumplanung, Verkehr, Energie und milliardenschwere Investitionen gesteuert. Die politische Sichtbarkeit ist höher, die Gestaltungsmöglichkeiten grösser.
Hinzu kommt ein parteipolitischer Aspekt. Nach der Rückkehr der SVP in die Regierung wird die FDP darauf bedacht sein, ihre Stellung als bedeutende bürgerliche Kraft sichtbar zu behaupten. Die Baudirektion ist dafür das geeignetere Schaufenster als die Bildungsdirektion.
Eigenmann ist Ingenieur und Unternehmer. Infrastruktur, Energie, Verkehr und Raumplanung liegen näher an seinem beruflichen Hintergrund als Lehrpläne, Schulreformen oder Hochschulpolitik.
Wenn Eigenmann tatsächlich in die Baudirektion wechseln würde, entstünde sofort eine zweite Frage: Wer übernimmt die Bildungsdirektion?
Anton Lauber dürfte kaum infrage kommen. Er ist mit der Frage beschäftigt, ob er 2027 nochmals antreten will. Auch Thomi Jourdan erscheint wenig wahrscheinlich. Wirtschaft und Gesundheit entsprechen seinem Profil deutlich stärker als Bildung und Kultur.
Bleibt Kathrin Schweizer.
Für die SP wäre es politisch heikel, ausgerechnet Bildung und Kultur der SVP zu überlassen. Kaum ein Bereich prägt das Selbstverständnis der Linken stärker als die Schule.
Eine SVP-Bildungsdirektion würde der Partei über Jahre hinweg eine Plattform bieten, um ihre bildungspolitischen Vorstellungen mit einem erklärtermassen wertkonservativen Politiker umzusetzen.
Vor diesem Hintergrund wäre ein Wechsel von Kathrin Schweizer in die Bildungsdirektion durchaus plausibel. Zumal sie seit bald sieben Jahren die Sicherheitsdirektion leitet und ein Departementswechsel neue politische Energie freisetzen könnte.
Die Sicherheitsdirektion ist ein anspruchsvolles, aber oft defensives Geschäft. Krisenmanagement, Gewaltvorfälle, Asylfragen, Verkehr und Strafvollzug bestimmen den Alltag. Politische Erfolge bleiben häufig unsichtbar, Probleme dagegen selten.
Für Matthias Liechti hingegen wäre die Sicherheitsdirektion ein naheliegendes Einstiegsdepartement. Sie entspricht sowohl seinem politischen Profil als auch den Erwartungen seiner Partei.
So könnte aus einer einzelnen Wahl eine grössere Rochade entstehen: Eigenmann in die Baudirektion. Schweizer in die Bildungsdirektion. Liechti in die Sicherheitsdirektion.
Die Regierungsratswahl ist vorbei. Das eigentliche Spiel hat gerade erst begonnen.
PS: Eigenmann und die FDP könnten noch eine andere Wette am Laufen haben: Toni Lauber ist ausgebrannt – tritt er nicht mehr an, wäre der Weg frei in die Finanzen. Sollte nicht Adil Koller aber die FDP zusätzlich mit Hiltmann… – doch jetzt wird’s kompliziert.
Hans Rudolf Rohr meint
Frau Schweizer hätte im Rahmen des Senioritätsprinzips das Bildungsdirektion bereits vor einem Jahr beanspruchen können. Hat Sie aber nicht. Denn dann wäre Eigenmann bei der Sicherheitsdirektion gelandet und der grüne Ersatz – wenn er die Wahl gewonnen hätte – wäre dann bei der Baudirektion. Das wäre wohl dann sehr im Sinne von SP/Grüne gewesen.
Hat aber bekannterweise nicht geklappt. Nun bleibt nur eine allfällige grosse Rochade, bei der alle mitmachen müssen. Die Missgunst dürfte aber vielleicht so gross sein, dass es beim Status quo bleiben wird.