
Segovia, auf 1000 Meter, 14 Grad, ein schneidender Wind fegt durch die Stadt.
Beim Eingangstor zum ehemaligen jüdischen Viertel liegt eine Messingplakette auf dem Kopfsteinpflaster, in Form der Iberischen Halbinsel.
Die Inschrift ist hebräisch: זכור — Zakhor. «Erinnere dich.»
Segovias jüdische Gemeinde war im Mittelalter eine der grössten Kastiliens. 1492 beendete das Alhambra-Dekret der Katholischen Könige diese Geschichte: Vertreibung oder Zwangstaufe.
Was die Täter verdrängten: Jesus war Jude. Das Christentum wäre ohne diesen Juden nicht entstanden.
Wer die Juden vertreibt, wird nicht mehr daran erinnert, woher er kommt.
Zakhor. Die Plakette erinnert. Die Täter wollten genau das verhindern.
Andres Meister meint
Der Alltag und die Ideologien von hüben und drüben holen selbst die schönste Rundreise irgendwann wieder ein, inklusive Francos Lebensdaten, falls wir die vergessen haben sollten … ach, waren das ein paar erholsame Tage für uns Leser:innen.
Henry Berger meint
…und leider scheint es, dass diese Vertreibung (oder Zwangstaufe) der Juden Ende des 15. Jahrhunderts in der spanischen Volksseele unselige Erinnerungen hinterlassen hat. Die Anerkennung Israels erfolgte erst 1986 – lange nach dem Tod Francos. Die Haltung der aktuellen spanischen Regierung zu Israel schrammt haarscharf am Antisemitismus vorbei oder überschreitet diese Linie auch teilweise. Während dem „sitzt“ man im wahrsten Sinne des Wortes auf Hunderttausenden von verscharrten Bürgerkriegsopfern. Aufarbeitung dieser Phase der spanischen Geschichte? nada…
Da ist es immer praktisch mit dem Finger auf andere zu zeigen.
U. Haller meint
So ist es. Dieser Hass geht derzeit in erster Linie von der korrupten sozialistischen Junta Sanchez und insbesondere von der „From the River…“-Ministerin Yolanda Díaz aus. Dazu kommt, dass Spanien traditionell extrem israelkritisch ist, dies schon unter der faschistischen, unverhohlen antisemitischen Franco-Diktatur (1936-1975) und danach in linken Bewegungen und Parteien. Dass zudem die spanische Kirche, die in ein traditionell palästinafreundliches Umfeld eingebettet ist, nichts zur Deeskalation beiträgt, wundert mich keineswegs.
Daniel Flury meint
Nun, der Gemeindepräsident von Blatten/VS möchte ja, dass im «Neuen Blatten» als erstes die katholische Kirche wieder errichtet wird.
Ein weiter Bogen, stimmt, aber wer diese katholische Frömmigkeit verstehen will, der sollte «Der Grossinquistior» von Dostojewski lesen.
Dann wird alles klar, auch über die spanische Verbohrtheit, die auch heute noch dominiert.