
Seit geraumer Zeit habe ich den Kyiv Independent abonniert. Zehn Euro im Monat — überschaubar wenig für Nachrichten aus der Ukraine aus erster Hand.
Der Kyiv Independent ist für internationale Korrespondenten vor Ort oft Primärquelle.
Mit zehn Euro im Monat unterstützt man Journalisten, die unter härtesten Bedingungen arbeiten. Unabhängig, kritisch, im besten journalistischen Sinn. Also etwas, was unter den gegebenen Umständen alles andere als selbstverständlich ist.
Gestern erreichte mich die nachfolgende Nachricht der Chefredaktorin.
Ich gebe sie weiter in der Hoffnung, dass unter den täglich über 3000 Besucherinnen und Besuchern hier vielleicht 50 oder 100 sind, die diese Journalisten in Kiew unterstützen werden.
Auch sie riskieren ihr Leben, um sich der russischen Aggression zu widersetzen.
******
19. Mai 2026
Liebe Mitglieder der Kyiv-Independent-Community,
hier ist Olga Rudenko, Chefredaktorin des Kyiv Independent. Ich schreibe Ihnen persönlich, weil wir etwas wirklich Kühnes tun — und ich glaube, es wird Ihnen gefallen.
Heute haben wir unsere bisher grösste und wichtigste Kampagne gestartet. Wir suchen 4.000 neue Mitglieder, die unserer Community beitreten und unseren Journalismus unterstützen. Gleichzeitig möchten wir diese Gelegenheit nutzen, um Ihnen zu danken — und Ihnen zu erklären, warum Ihre Unterstützung so entscheidend ist.
Warum starten wir die Kampagne jetzt?
Offen gesagt: Wir mögen die Richtung nicht, in die sich die Dinge global entwickeln — und wir sind überzeugt, dass wir alle mehr tun können, um das zu ändern.
Ihnen wird vielleicht aufgefallen sein, dass die internationale Berichterstattung über die Ukraine zurückgegangen ist. Teils, weil die Aufmerksamkeit in den Nahen Osten gewandert ist — zur grossen Freude Russlands. Teils, weil die Front in der Ukraine gefährlicher zu berichten wurde, da Russlands Drohnentechnologie tödlicher wird.
Derweil stecken die Friedensverhandlungen fest (und Donald Trump hat sich eine Weile nicht mehr über Wolodymyr Selenskyj ausgelassen).
Überall in der Luft liegt Erschöpfung. Die Nachrichten werden schwerer zu ertragen. Gleichzeitig gedeiht die Desinformation.
Auch wir hier in der Ukraine spüren es: die Erschöpfung und die emotionale Abstumpfung nach vier Jahren totalen Krieges. Mit einem Krieg ohne absehbares Ende zu leben, während Russland ungefähr einmal im Monat damit droht, Ihre Stadt zu nuklearer Asche zu legen — das ist eine schwere Last.
Mein Punkt ist: Ob Sie die Schrecken aus der Ferne verfolgen oder mittendrin leben — sie drücken einen nieder. Diese angesammelte Erschöpfung lässt Sie wegschauen, abschalten, sich in eine Schale zurückziehen — aufgeben. Schliesslich können Sie persönlich sowieso nichts daran ändern. Oder?
Und… genau so merken Sie, dass die Bösen gewinnen.
Denn genau das wollen sie, dass wir glauben: dass wir nichts tun können. Damit das Böse triumphiert, muss es die Guten nicht überwältigen — es muss sie nur davon überzeugen, dass sie machtlos sind.
Hier weigern wir uns mitzuspielen — und wir hoffen, dass Sie es auch tun.
Seit über vier Jahren leisten wir beim Kyiv Independent unseren Teil dafür, dass Ungerechtigkeit und Schrecken nicht das letzte Wort haben.
Unser Teil ist die Verbreitung der Wahrheit — unabhängige Vor-Ort-Berichterstattung aus der Ukraine für die Welt. Wir sind immer noch hier, im fünften Jahr der russischen Vollinvasion, um die Geschichten der Menschen zu erzählen, die sie durchleben.
Wir tun das ohne Furcht und ohne Kompromisse — angesichts von Desinformationskampagnen, Bedrohungen unserer physischen Sicherheit und Kriegszensur — weil wir glauben, dass die junge Demokratie der Ukraine unabhängigen Journalismus braucht.
Unsere Journalistinnen und Journalisten gehen trotz enormer Risiken weiterhin an die Front, weil wir überzeugt sind, dass Sie uns als Ihre Augen auf dem Schlachtfeld brauchen. Während internationale Medienhäuser ihre Frontberichterstattung zurückfahren, wird diese Arbeit immer unverzichtbarer, um die tatsächliche Lage wirklich zu verstehen.
Und wir recherchieren weiter über Russland und seine Verbrechen, zeigen die Wahrheit dessen, was mit Ukrainerinnen und Ukrainern geschieht, wenn Russland ihr Land besetzt. Derzeit arbeiten wir an drei Dokumentarfilmen über russische Kriegsverbrechen und die internationalen Einfluss-Netzwerke, die sie stützen.
Ich möchte sehr ehrlich sein: All das wird schwieriger. Diese Redaktion ist erschöpft. Die Wahrheit über Russlands Krieg gegen die Ukraine in die Welt zu tragen ist ein zermürbender Kampf. Es fehlt nicht an Menschen, die erleichtert wären, wenn wir aufhörten.
Aber wir beabsichtigen nicht, ihnen diese Freude zu machen.
Heute bitte ich Sie, an unserer Seite zu stehen.
Der grösste Teil unserer Finanzierung stammt von Mitgliedern wie Ihnen, die unsere Arbeit unterstützen und dafür sorgen, dass sie für alle frei zugänglich bleibt. Dank Ihnen können wir weiterarbeiten und unabhängig bleiben.
Heute suchen wir 4.000 neue Mitglieder — 4.000 Menschen wie Sie, die für die Wahrheit eintreten.
Dieses Ziel zu erreichen verschafft uns mehr Ressourcen für unseren Journalismus: mehr Geschichten, die mehr Menschen erreichen, und eine stärkere Redaktion angesichts einer ungewissen Zukunft.
Wir laden Sie ein, unsere Kampagne zu verfolgen: Auf der Website gibt es einen Zähler, der zeigt, wie viele Mitglieder wir noch bis zu unserem Ziel von 4.000 benötigen.
Wenn Sie uns helfen möchten, das Ziel zu erreichen, teilen Sie unsere Kampagne mit Freunden und Ihrer Community. Schon das Teilen unserer Artikel und Beiträge hilft — Sie sorgen dafür, dass uns mehr Menschen wahrnehmen.
Wer mehr tun möchte, kann eine Mitgliedschaft verschenken — an jeden, den Sie gerne als Mitglied sehen würden.
Lassen Sie mich einen Moment innehalten und allen persönlich danken, die bereits Mitglied geworden sind und sich entschieden haben, an unserer Seite zu stehen. Ihre Unterstützung bedeutet mehr, als Sie wissen, und wir sind Ihnen von Herzen dankbar.
Mit herzlichen Grüssen aus Kyiv,
Olga Rudenko
Daniel Flury meint
Danke für die Info.
Hatte damals mal die «An Phoblacht» abonniert. Reines Interesse.
Hat mir ziemlich geschadet (Cincera & Co. haben übergebissen).
Sei’s drum: Freiheit verlangt persönliches Risiko. Der Solidaritätsbeitrag wurde überwiesen.