Noch bevor die beiden Kandidaten für die Ersatzwahl in den Baselbieter Regierungsrat gekürt waren, kam ich in einer ersten Einschätzung zum Schluss: Das Momentum liege mit Schoch bei den Grünen, die Arithmetik jedoch bei der SVP.
Doch der Schlüssel läge nicht in der Parteistärke der SVP und bei der Unterstützung des restlichen bürgerlichen Lagers, sondern allein in der Kandidatenwahl der SVP.
Zwei Wochen später schien das Regez-Narrativ stark genug, die Arithmetik zu brechen: Ein Ja zu Liechti ist ein Ja zu Regez im Landrat. FDP- und Mitte-Wähler, so die These, würden das beim Ausfüllen des Wahlzettels nicht ignorieren können: Schoch fährt im Schlafwagen in die Regierung.
Das Regez-Argument ist sachlich nach wie vor korrekt. Aber ein Narrativ, das niemand aktiv bespielt, verblasst. Schochs Lager hat das Geschenk nicht ausgepackt.
Drei Wochen vor dem 14. Juni ist es zu spät.
Dazu kam die EVP. Ihre Stimmfreigabe war keine Neutralität — sie war eine stille Absage an Schoch. Die Fraktionspartnerin verweigert die Empfehlung: Das registrieren EVP-Wähler, auch wenn sie es nicht laut sagen: Der Prediger liegt ihnen näher.
Was sich in Interviews und Wahlpodien zeigt: Schoch argumentiert solide im eigenen Terrain, doch in jedem direkten Vergleich überzeugt Liechti mehr.
So stellt man drei Wochen vor dem Wahltermin erstaunt fest: Schochs Schlafwagen steht noch immer im Bahnhof – wegen Liechti.
Der SVP-Kandidat ist seit seiner Nominierung grösser geworden als die Partei, die ihn aufstellt. Mennonit und Gemeindepräsident aus Rümlingen, sozialisiert in einer Tradition, die Konsens nicht simuliert, sondern praktiziert.
Die Bürgerlichen bekamen einen SVP-Kandidaten — und wählen einen, der nicht wie einer wirkt.
PS: Die 10-Millionen-Initiative dürfte am 14. Juni die Beteiligung deutlich erhöhen. In Baselland ein knappes Rennen — anders als in Basel-Stadt. Das mobilisiert beide Lager. Für Liechti ist das kein Risiko. Es bedeutet Rückenwind.
Julia Kirchmayr-Gosteli meint
Ich habe Schoch an den Podien überzeugend erlebt, er ist kein Weichspüler ohne Substanz. Zusätzlich hat er eine enorme Führungserfahrung, etwas, das dem Baselbieter Reguerungsrat gut tun würde.
Anonymus meint
Der Baselbieter Regierung mangelnde Führungserfahrung vorzuwerfen ist vor allem ein Allgemeinplatz, der gar nichts aussagt. Sowohl ihr Parteikollege Schoch wie auch Liechti haben Führungserfahrung und sind theoretisch wählbar. Die Frage ist, ob man weiterhin Kleinparteien im Regierungsrat haben will oder eher die wählerstarken politischen Kräfte vertreten sein sollten.
Christina Wicker meint
Ein Ja zu Liechti ist ein Ja zu Regez im Landrat: Für den Machterhalt würden manche scheinbar sogar ihre Grossmutter verkaufen.
Franz Bloch-Bacci meint
Und jetzt? Machterhalt im Landrat? Als ehemaliges Mitglied des Baselbieter Parlamentes habe ich meine liebe Mühe mit dem Begriff „Macht“. Solange jede Partei noch meilenweit von der absoluten Mehrheit entfernt ist, ist es müssig, sich darüber Sorgen zu machen, ob der politische Gegner ein mehr oder weniger extremes Mitglied in seinen Reihen hat. Es liegt einzig und allein an der parteiübergreifenden Fraktion der Vernünftigen, Extremisten und Extremistinnen jedwelcher parteipolitischen Couleur sanft aber bestimmt auflaufen zu lassen.
Anonymus meint
Das ist Schwachsinn. Machterhalt könnte man den Grünen vorhalten, schliesslich wollen sie ja ihren Sitz verteidigen, was ja auch völlig legitim ist. Frau Regez wäre eine von 90 und wurde in einer demokratischen Wahl als Nachrückende gewählt. Im Frühjahr 2027 wird sie vermutlich nicht mehr gewählt. Sie hat sich mit ihren Extrempositionen ihren „Bonus“ als junge SVP-Frau verspielt.