
Sarlat-la-Canéda ist das besterhaltene mittelalterliche Stadtensemble Südwestfrankreichs — und weiss es sehr genau.
Bevor im Sommer die Touristenmassen einfallen, sind jetzt die Rentner unter sich.
Schlendern ist deren schnellste Art sich durch die Idylle zu bewegen. Sarlat ist einer jener Orte, die einfach alle schön und niedlich finden.
Und dann ist da dieses Denkmal.
Im Zweiten Weltkrieg war das Arrondissement Sarlat im Périgord Noir eine Hochburg von Maquis-Gruppen. Die Deutschen reagierten mit Repressalien, die in ihrer Brutalität an die Ostfront erinnern: Massaker von Mussidan (Juni 1944), Erschiessung von Geiseln, Deportationen.
Als sie weg waren, waren alle in der Résistance gewesen. Bis auf ein paar wirklich wenige.
Eine der besten französischen Serien ist «Un village français» (2009–2017), die in einem fiktiven Dorf in der Franche-Comté spielt — es könnte aber auch Sarlat sein.
Sie zeigt, was das Denkmal verschweigt: dass die Trennlinie zwischen Résistance und Kollaboration mitten durch Familien, Freundschaften, Liebesbeziehungen verlief — und oft weniger von Überzeugung abhing als von Zufall, Angst und persönlichen Interessen.
«Lacombe Lucien» (1974) von Louis Malle war der erste ernsthafte Angriff auf den Résistance-Mythos im französischen Kino. Lucien ist nicht ideologisch, nicht böse — er ist einfach da, wo man ihn haben wollte.
Was den Film zum Skandal machte.
Doch solche Themen interessieren wohl nur noch ein paar Boomer. Wie mich.