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Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

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Genuss und Falle

16. Mai 2026 By Manfred Messmer

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Erstes Stück
Zwei Journalisten der BZ durften Peter Sloterdijk interviewen. Er tingelt mit seinem neuesten Buch durch die Schweiz und warf ihnen ein paar Brocken hin — geschickt dosiert, buchpromotionserprobt.

Die Journalisten waren tief beeindruckt.

Sloterdijk ist der Wolfram Siebeck der Philosophie. Beide kochen mit Zutaten, die auch andere auf dem Markt kaufen.

Der Unterschied liegt in der Zubereitung, im Timing, in der Geste beim Anrichten. Das Ergebnis ist nicht Wahrheit, sondern Genuss. Das ist keine Kritik. Es ist eine Gattungsbestimmung.

Beide hatten übrigens ein Haus in Südfrankreich — nicht in der Toskana.

******

Zweites Stück
Es ist selten, dass eine wissenschaftlich untermauerte These es auf die Weltbühne schafft. Graham Allisons «Destined for War» hat es diese Woche gar auf die Titelseiten der Zeitungen geschafft.

Mit seiner Thukydides-Falle: Wenn eine aufsteigende Macht eine etablierte herausfordert, endet das strukturell in Krieg. Nicht weil jemand ihn will, sondern weil Angst und Misstrauen auf beiden Seiten die Logik übernehmen.

Der Aufstieg Chinas zur Parität mit den USA war ab einem bestimmten Punkt systemisch unaufhaltsam. Das hat für einmal nichts mit Trump zu tun.

Jeder amerikanische Präsident hätte denselben strukturellen Druck gespürt — steigende chinesische Militärausgaben, Taiwan als Sollbruchstelle, Technologiekonkurrenz, Währungsfrage.

Die Thukydides-Falle entsteht nicht durch Persönlichkeiten, sondern durch Machtverschiebungen.

Sloterdijk hat das im BZ-Interview angetippt, ohne es auszusprechen: Die fatalste Entwicklung habe sich bereits unter Obama vollzogen, als das Pentagon einzelnen Personen den Krieg erklären konnte. Nicht Trump habe alles verwüstet. Er treibe lediglich vieles in einer Deutlichkeit voran, die wir für unerträglich halten.

Was Trump beherrscht wie kaum ein Präsident vor ihm: Er macht die Verschiebung sichtbar. Vor dem Himmelstempel in Peking, für alle Kameras der Welt.

******

Drittes Stück
Sloterdijk sagte als Europäer zur Freude des BZ-Publikums: «Wir werden alle Schweizer werden müssen.» Er meinte damit die historische Zuschauerrolle der Schweiz.

Doch diese beruhte nie auf Bequemlichkeit, sondern auf Unentbehrlichkeit. Bankenplatz, Transitroute, Verhandlungsort, Rüstungslieferant an alle Seiten. Die Schweiz war nützlich, weil sie mitten in Europa sass und mit allen Geschäfte machte.

Grösse war nichts.Funktion war alles.

Das 10-Millionen-Paradoxon: Je mehr die Schweiz schrumpft — wirtschaftlich, demographisch, als Wissensstandort — desto weniger interessant wird sie als Zuschauer.

Eine kleine, in sich gekehrte Schweiz verliert genau das, was ihre Neutralität historisch abgesichert hat: die Unentbehrlichkeit.

Die echte Zuschauerrolle war nie billig zu haben.

Kategorie: Einsichten Stichworte: Allison, Obama, Siebeck, Sloterdeijk, Trump

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. R'bass meint

    17. Mai 2026 um 19:39

    Nur nebenher gedacht: amüsant, wie unsere Linken unter der Führung ihres drolligen BR nicht merken, wie ihr Anti-Initiativargument (Pflegende für den Eigenbedarf importieren) nur dank wirtschaftlicher Schieflagen möglich ist und damit neokoloniale Ungleichheiten fortschreibt.

  2. P.K. meint

    17. Mai 2026 um 11:34

    Nur nebenbei: Sloti empfiehlt der Schweiz, nie und nimmer der EU beizutreten. Doch, ich war dabei 😉 Es war Anfang Jahr eine klare Frage, und eine klare Antwort. Sogar klippundklar, für Sloterdjikverhältnisse. Sie, geschätzter Herr Messmer wiederum, eiern aktuell um die EU-Positionierung der Schweiz und auch um die 10-Mio-Sache ziemlich herum, nie wirklich Klartext. Nicht wahr, ein eigener, mutiger und etwas frecher Weg hätte auch was, sofern endlich mal klar, zukunftsweisend und „innovativ“ als Angebot an den Rest der Welt zubereitet. Stimmt, das schaffen wir nie und nimmer hierzulande. So gesehen passen wir tatsächlich besser zu den 10000 Merztypen in Brüssel.

    • U. Haller meint

      17. Mai 2026 um 16:01

      Für mich bedeutet diese 10-Mio-Initiative ein klares Ja, auch wenn sie nicht unbedingt das Gelbe vom Ei darstellt. Ich war unlängst in den urkatholischen CVP-Stammlanden, wo noch kein Dichtestress herrscht, und habe mit diversen Exponenten über diese Initiative gesprochen. Obwohl „Die Mitte“ („Freiheit, Solidarität, Verantwortung“) von einer Chaos-Initiative spricht und die Nein-Parole herausgegeben hat, haben mir alle Diskussionspartner mit ihrer Meinung nun gar nicht hinter dem Berg gehalten und unverhohlen gesagt, dass alles andere als ein „Ja“ der Schweiz nicht mehr zugemutet werden kann. Die Pirouetten dieser Partei (und notabene leider auch eines Teils der FDP) lässt tief blicken. Es werden noch viel mehr, die sich nicht öffentlich zu äussern wagen, ein Ja einlegen. Und was die Bilaterale III (eigentlich ein Begriff, der die bitteren Tatsachen geflissentlich verschleiert) anbelangt, muss man sich einfach vor Augen führen, dass es sich dabei um einen fundamentalen Systemwechsel handelt, büssen doch die Bundesversammlung ihre eigenständige Gesetzgebungs- und der Bundesrat seine Verordnungskompetenz ein. Da ewig vorgebrachte Argument, dass es sich doch „nur“ um eine dynamische Rechtsübernahme handelt, ist reine Augenwischerei. Falls die Schweiz einen neuen Rechtsakt der EU ablehnt, drohen Ausgleichsmassnahmen, deren Ausmass und Umfang nie a priori absehbar sind. Dass dieser immanente Druck substantielle Auswirkungen auf die Demokratie unseres Landes und dessen politisches Funktionieren haben wird, sollte doch jedem Weitsichtigen einleuchten. Ich stelle die Souveränität unseres Landes auch bei diesem Plebiszit über alles. Darum: ein klares Nein. Und nochmals nein, ich gehöre nicht zur Blocher-Truppe, wie man vielleicht annehmen könnte.
      PS Dass Manfred Messmer anderer Ansicht ist, sei ihm verziehen.

      • Manfred Messmer meint

        17. Mai 2026 um 16:13

        Deine Feldforschung in den CVP-Stammlanden ist aufschlussreich — und bestätigt, was Politbeobachter seit Wochen vermuten: Die Mitte-Parole deckt sich nicht mit der Mitte-Stimmung. Das ist keine Neuigkeit über die Schweizer Volkspartei der Mitte, sondern über die Schweizer Volksseele.

        Du benennst deutlich wie wenige das eigentliche Paradox dieser Abstimmung: Die Initiative wird als Bevölkerungsdeckel verkauft, ist aber in ihrer Konsequenz ein Hebel gegen die Bilateralen III — und damit ein Instrument im grössten unvollendeten Projekt in Blochers Vita.

        Blocher hat die MEI I 2014 gewonnen und dann zusehen müssen, wie das Parlament sie systematisch entkernte. Die MEI II soll das korrigieren — diesmal wasserdicht, diesmal mit automatischen Triggerklauseln, diesmal kombiniert mit dem maximalen Druckmittel: der FZA-Kündigung als Damoklesschwert über den Bilateralen III, die gerade mühsam ausgehandelt wurden.

        Du legst es offen: Wer Ja stimmt, stimmt also nicht primär gegen 10 Millionen Einwohner. Er stimmt gegen den Abschluss der Bilateralen III — oder zumindest dafür, sie unter permanentem Vorbehalt zu stellen.

        Die Befürworter sollten aufhören, so zu tun, als ginge es um Demografie.​​​​​​​​​​​​​​​​

        • unterbaselbieter meint

          17. Mai 2026 um 19:09

          Die Schweiz explodiert. Sie platzt aus allen Nähten. Heute Morgen (Sonntag) am Kiosk: Ich kontrollierte meinen Lottoschein (nein, bin leider nicht der welcher am Samstag 8 Mio gewann) und nebenan eine rare Spezies: Ein älterer Mann kauft den Sonntags-Blick (wie lange noch?): Ich schielte auf den Titel: „Swiss-Mem-Präsident fordert: Die Schweiz braucht mehr Hochhäuser“.
          Tja.

          Was denkt wohl der Lesende dabei? Und wie stimmt er ab? Eventuell leistete der „SolBli“ mit dieser Headline eine gute JA-Wahlhilfe….

          ES IST SO: Die aktive Bevölkerung merkt es: Im Schulsystem der Kinder, im Wohunungswesen, im Traffic (ob Schiene oder Strasse), beim Job – überall.
          Ich merke es dass ich zum Beispiel immer 2-3 Rotphasen an jeder Ampel abwarten muss, bis ich weiterfahren kann. Das gabs früher nie. Und wenn man es „schliife“ lässt, wird es bestimmt noch mehr und enger.

          Viele Rentner (seis gegönnt) bemerken dies nicht mehr. Weil (nochmals, seis gegönnt) nicht mehr im aktiven Hamsterrad.
          Aber ich spür, fühl und weiss es: Ich stimme JA.

          • Manfred Messmer meint

            18. Mai 2026 um 8:50

            An all dem wird sich nichts ändern. Es können gemäss Initiative noch eine Million mehr kommen.

            Aber zu Ihrem Trost: Die 9,5-Millionen-Schwelle wird laut Bundesszenarien um 2031 erreicht — dann greift die Initiative, bevor irgendjemand «10 Millionen» auch nur buchstabiert hat.

            Dieser Moment, wo die 9.5 Mio. erreicht werden, wird in die Geschichte des Landes eingehen.

            Sollte die Initiative angenommen werden, schlage ich zwecks Transparenz einen Bevölkerungs-Countdown-Messer auf dem Bundesplatz vor.

            Noch 1000, noch 500, noch 25, noch einer – aus.

            PS: Samstag, Freie Strasse, kaum ein Durchkommen. Dichtestress pur. Und dazu noch Touristen!

            Kaum jemand bleibt vor einem Schaufenster stehen.

            Rationale Erklärung – das Baudepartement hat die Strasse zur einer Hauptachse ins Zentrum verbreitert, zu einem Abflusskanal.

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