• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Achselzucken.

15. Mai 2026 By Manfred Messmer

IMG
Die NZZ berichtet: Freitagmorgen, Helsinki, Drohnenalarm. Die Menschen werden aufgefordert, sich ins Haus zurückzuziehen. Der öffentliche Verkehr steht still,
Schulunterricht verschoben.

Es herrscht Krieg in Europa. Seit vier Jahren.

Und die Schweiz glaubt, sich mit Neutralität heraushalten zu können – so wie letztes Mal. Was, wie man im Nachhinein erfahren hat, nicht ganz so neutral gelungen war: Nazigold, Eisenbahntransporte.

Ein Freitagmorgen in Zürich ist nicht dieser Freitagmorgen in Helsinki. Noch nicht.

Doch die Bedrohung ist real: «Unbekannte Drohnen fliegen über Schweizer Waffenplätze», titelte kürzlich der Blick. Die Reaktion in der Bevölkerung: Achselzucken. Dabei müsste zumindest die Berner Politik aufschrecken.

Gegen Drohnenangriffe hat das Land bisher keinerlei wirksame Mittel. Die Flugabwehr liegt am Boden – auch weil man sich den Launen eines amerikanischen Präsidenten ausgesetzt sieht.

Da ist der «Stern von Laufenburg», eine Umspannanlage, die seit 1958 die Stromnetze von Deutschland, der Schweiz und Frankreich zusammenschaltet – höchst kritische Infrastruktur. Eine Drohne mit wenigen Kilogramm Sprengstoff genügt, um auf einen Schlag grosse Teile der europäischen Stromversorgung lahmzulegen.

Im November wurden Drohnen über der Anlage gesichtet. Politiker zeigten sich beunruhigt. Geschehen ist nichts.

Was das konkret bedeutet, hat letzte Woche ein NATO-Manöver auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland gezeigt. Ukrainische Drohnenspezialisten übernahmen die Rolle des Angreifers – und vernichteten die schwedischen Einheiten wiederholt und vollständig. Die Übung musste dreimal unterbrochen werden. Schwedens Oberbefehlshaber General Klässon zog die Konsequenz: Alle NATO-Armeen müssen dringend von ukrainischen Erfahrungen lernen.

Der schnellste Weg sei die direkte Übernahme.

Für die Schweiz gibt es diesen Weg offiziell nicht. Die Neutralität, die ursprünglich Sicherheit garantieren sollte, produziert heute das genaue Gegenteil: Sie verhindert den Zugang zu sicherheitsrelevantem Wissen, isoliert die Armee von realen Kampferfahrungen – und macht die Schweiz, wie der Bundesrat selbst festgestellt hat, zum Sicherheitsrisiko für Europa.

Immerhin: Das Kriegsmaterialgesetz wurde kürzlich gelockert. Als sicherheitspolitisches Umdenken wurde das verkauft. In Wahrheit war es Industriepolitik – die Rüstungsexporteure drohten mit Auftragsverlusten, weil Abnehmerländer keine Schweizer Waffen kaufen wollen, die sie im Ernstfall nicht weitergeben dürfen.

Sicherheitspolitik als Standortpolitik.

Gemessen am BIP liegt die Schweiz mit 0,7 Prozent weit unter NATO-Niveau. Auf ein Prozent soll es steigen – bis 2032. «Wir haben unsere Verteidigung faktisch an Europa ausgelagert», schrieb der Tagesanzeiger. Es sieht nicht danach aus, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändert.

Derweil diskutiert die Schweiz ernsthaft, ob sie von einigen zehntausend Europäern mehr oder weniger in ihrer Existenz bedroht sei.

Der Bundesrat weiss, dass die Schweiz ein Sicherheitsrisiko ist. Gotland zeigt, warum. Die Neutralitätsdoktrin erklärt, wie es dazu kam.

Die 10-Millionen-Initiative verspricht: mehr davon.

Kategorie: schweiz-politik Stichworte: Krieg, Schweizer Armee, Ukraine

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Seitenspalte

Kommentare

  • Marc Schinzel zu Zwei Namen und kein Plan
  • Patrick Frey zu Zwei Namen und kein Plan
  • Hans Rudolf Rohr zu Zwei Namen und kein Plan
  • Marcus Denoth zu Zwei Namen und kein Plan
  • unterbaselbieter zu Zwei Namen und kein Plan
  • Baresi zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice

Letzte Beiträge

  • IMGErkältung. Grippe. Covid.
    15. Oktober 2026
    Andern Tags dachte ich: eine Erkältung, wie man sie sich auf einer mehrstündigen Fahrt in einem […]
  • Christinefrey web origZwei Namen und kein Plan
    9. Oktober 2026
    Da ist also mal wieder jemand zur bz gesprungen und hat ihr den neuesten Stand der internen […]
  • IMGWir die Schweiz handlungsunfähig?
    8. Oktober 2026
    Wir laufen bei den Bilateralen III auf eine bei einem derart gewichtigen Geschäft noch nie […]
  • IMGSo what
    7. Oktober 2026
    Ein Bundesrat ist zurückgetreten. So what. Der Nachruf ist immer derselbe: pragmatisch, kollegial, […]
  • IMGDie Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
    6. Oktober 2026
    Ich verstehe ja, dass es einfacher ist, ein derart hochkomplexes Thema wie die Bilateralen III mit […]
  • IMGSchweizer Stabilität ist anderswo Regierungskrise
    5. Oktober 2026
    Zug hat gewählt. Nicht, dass mich das weiter interessiert. Interessant ist die Grafik mit der […]
  • IMGDas aussenpolitische Mütchen
    2. Oktober 2026
    Wie willkürlich Donald Trump mit Ländern umspringt, die ihm gerade nicht ins innenpolitische […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework