
Der 1. Mai ist in ganz Spanien Feiertag. Wer nicht demonstriert, geniesst ein verlängertes Wochenende. Zum Beispiel in Córdoba.
Sei’s drum.
Wir wollten die Mezquita nochmals sehen.
Diese Kathedrale ist eines dieser Bauwerke, die man, einmal besucht, für den Rest seines Lebens im Gedächtnis behält. Angkor Wat, der Taj Mahal, die Hagia Sophia, das Empire State Building — you name it.
Man geht hinein und staunt über die Kühnheit der Architektur: Ein Wald von Säulen, das einfallende Licht, die schieren Dimensionen – die „Mezquita-Catedral de Córdoba“, eine 23.400 Quadratmeter grosse Gebetshalle, getragen von 856 Säulen.
Im 10. Jahrhundert war sie nach Mekka die zweitgrösste Moschee der Welt.
Zum Beispiel diese Kuppel über dem Mihrab-Vorraum: technisch eine der kühnsten Konstruktionen des 10. Jahrhunderts. Acht sich kreuzende Rippen spannen ein Achteck, aus dem die muschelförmige Kuppelkalotte wächst.
Kein einziger Schlussstein trägt das Gewicht — die Rippen stützen sich gegenseitig. Ein statisches Prinzip, das die islamische Architektur der europäischen Romanik um Jahrzehnte vorwegnahm.
Und man fragt sich, warum dieses Gebäude noch steht.
Das hat einen pragmatischen Grund: Es wäre zu teuer gewesen, es abzutragen. Und einen ideologischen: Die Reconquista war keine Vernichtungs-, sondern eine Rückeroberungsideologie — der Boden immer christlich, die Moschee bloss eine temporäre Usurpation.
Karl V. sah das anders.
Als Bischof Manrique 1523 trotzdem einen Renaissance-Chor mitten in die Halle hineinbaute, soll der Kaiser gesagt haben: „Ihr habt etwas Einzigartiges zerstört, um etwas Gewöhnliches zu bauen.“
Geht man an den über die Jahrhunderte hinzugebauten Katholika vorbei, gibt es keine Zweifel.
Er hatte recht.
PS. Vandelvira in Jaén und die umayyadischen Baumeister in Córdoba — beide auf absolutem Weltklasse-Niveau ihrer jeweiligen Epoche. Präzision, Proportion, Konsequenz in der Durchführung.

Balbulus meint
Unsere Tochter, im Erasmus-Programm in Cordoba studierend, ermöglichte uns den Besuch der Mezquita an einem wolkenlosen Junitag kurz nach Sonnenaufgang durch einen „Lieferanteneingang“. Für uns Drei – um diese Tageszeit einzigen Besucher – eine unvergessliche volle goldene Stunde der Stille, des Staunens und der Ehrfurcht.