
Wer in Úbeda im Parador schläft, wacht mit einem Vorteil auf: Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt liegt direkt vor der Haustür, und morgens um acht gehört die Plaza Vázquez de Molina einem allein.
Der Duft der blühenden Pomeranzen zieht über den Platz und erinnert an Jasmin – intensiver, als man es dem Baum zutrauen würde.
Úbeda ist eine Stadt des 16. Jahrhunderts, die im 16. Jahrhundert steckengeblieben ist. Was damals gebaut wurde – Paläste, Kapellen, Stiftskirchen – steht noch.
Andrés de Vandelvira, der Architekt, dem die Stadt ihren Welterbe-Status verdankt, hat hier ein Programm hinterlassen, das an Dichte seinesgleichen sucht: die Sacra Capilla del Salvador, die Sakristei, die Fassaden rund um den Platz.
Renaissance nicht als importierte Mode, sondern als architektonische Besessenheit.
In In Santa María de los Reales Alcázares ist ein schmiedeeisernes Kapellengitter von Maestro Bartolomé angebracht – derselbe Handwerker, dessen Gitter wir schon in Sigüenza sahen.
Man erkennt die Hand, bevor man das Schild liest.
Das mittelalterliche Stadttor am Rand der Altstadt zeigt, was noch früher war: eine Grenzfestung, kein Kulturzentrum. Der Rundbogen aussen, der maurisch beeinflusste Spitzbogen innen, dazwischen ein Gang, in dem das Licht kippt.
Úbeda hatte viele Leben, bevor es berühmt wurde.
Nachts leuchtet die Sacra Capilla mit Bodenflutlicht von unten an – Geschmacksache. Tagsüber, im Aprilmorgenlicht, mit dem Orangenblühtenduft über dem leeren Platz, ist die Fassade nur das, was sie sein soll.
