
Auf den ersten Blick ist Antequera ein hübsches, kleines Städtchen auf 500 Metern, umgeben von Olivenbaumplantagen bis weit über den Horizont hinaus.
Doch das Unscheinbare trügt. In ein paar Stunden kann man zu Fuss 7000 Jahre Menschheitsgeschichte durchwandern.
Neolithikum:Die Dolmen de Menga, 5500 Jahre alt. Erdhügel markieren eine Kultstätte. Grosse Steinblöcke bilden den Innenraum, darauf tonnenschwere Deckplatten, überdeckt mit Erdreich — Bauten für die Ewigkeit. Hunderte Skelette wurden darin gefunden — kein Grab für einen Einzelnen, sondern für viele.
Der Gang ist millimetergenau auf die Peña de los Enamorados ausgerichtet, auf jenen Felsen am Horizont, der aussieht wie ein liegender Kopf. Warum, weiss niemand.
Menga gehört zur Megalithkultur, die gleichzeitig in Carnac, Malta und Stonehenge Steine aufrichtete, die kein einzelner Mensch bewegen konnte. Ein europäisches Phänomen — und bis heute ungeklärt, was es zusammenhielt.
Daneben Viera (Bild oben), etwas jünger: gleiche Bauweise, anderes Weltbild. Der Gang zeigt nach Osten — zur aufgehenden Sonne. Zwei Grabmäler, zwei Ausrichtungen, siebenhundert Jahre Abstand. Was dazwischen die Kosmologie gewechselt hat, weiss ebenfalls niemand.

Dann die Römer, von denen noch die Reste einer Therme zu sehen sind, vor ein paar Jahren freigelegt. Wahrscheinlich 1./2. Jahrhundert n. Chr. Antequera hiess damals Anticaria, befestigter Municipio von einiger Bedeutung.

Darüber die Mauren, darüber die Kastilier.
Jeder hat nicht neben dem Vorgänger gebaut, sondern auf ihm. Unten maurische Fundamente aus dem 14. Jahrhundert, darüber die christliche Ummauerung nach der Reconquista 1410, ganz oben ein Renaissance-Glockenturm .

Vom Turm aus sieht man die Stadt als das, was sie ist: ein Sediment. Wir sind die jüngste Schicht.
Keller meint
Nach diesem Report möchte ich hier wirklich nichts Politisches mehr lesen – das ist einfach zu fad und zu trist. Gemessen an dem, was Sie da ans Licht bringen. Spannend. Ich wiederhole mich, aber solange alle anderen – ausser Herrn oder Frau Roggenbass immer wieder – in der Kommentarspalte dazu die Gosche halten, muss es halt jemand sagen.
Bitte laden Sie Ihre Route auf keinen Fall als GPX hoch, sonst wird sie am Ende noch zum Trampelpfad.