
Die Uhr tickt. Der Mitte bleiben exakt noch acht Tage, um einen strategischen Entscheid von Tragweite zu fällen: Am 13. April Punkt 12.00 Uhr läuft die Frist ab, bis zu der eine eigene Regierungsratskandidatur angemeldet werden kann.
Wobei gilt: Auch Nichtstun ist eine Entscheidung — mit absehbaren Folgen.
Denn will die Mitte tatsächlich Regierungspartei bleiben, müsste Anton Lauber in den nächsten Tagen zurücktreten, damit seine Partei dank einer Doppelvakanz ihren Sitz retten kann.
Sollte dieses Zeitfenster verpasst werden, droht der Mitte der Sitzverlust, auch wenn Anton Lauber glaubt, er könne 2027 die Partei retten.
Die schwächelnde Partei wird das Problem einfach um zwei Jahre verschieben, da kaum anzunehmen ist, dass Lauber die nächste Legislatur zu Ende führt.
Er wäre dannzumal 70.
Doch dazu bräuchte es eine Parteispitze, die strategische Entscheide fällen und diese der Parteiversammlung verkaufen könnte.
Und es bräuchte einen einsichtigen Regierungsmann, der erkennt, dass seine Zeit abläuft — und der deshalb nicht zuerst an sich, sondern an die Partei denkt.
Über beides verfügt die Mitte nicht. Sie ignoriert die Zeichen an der Wand.
Die Zeichen sind eindeutig.
Die Wahlen Ende März im Kanton Bern gaben einen Vorgeschmack, was dem Landkanton nächstes Jahr bevorsteht. Die SVP erreichte neu 29,3% (+3,5%) und liegt damit ziemlich zielgenau auf der 30%-Marke, die ihr landesweit vorausgesagt wird.
Auch die SP zählte zu den Gewinnern — die Polarisierung funktioniert als Proporz-Treiber.
Und die Mitte verlor. Wie in anderen Kantonen zuvor.
Und zwar an Substanz: Vor allem in den ehemaligen katholisch-konservativen Stammlanden musste die Partei Federn lassen — Baselland wird keine Ausnahme zum nationalen Trend bilden.
Die Mitte hat ihre Landratssitze historisch vor allem im unteren Kantonsteil zu verdanken – ihren Stammlanden. Der obere, ländliche Kantonsteil war politisch nie CVP/Mitte-Terrain.
Zur Erinnerung: Bei den Wahlen 2015 musste sich die CVP die Peinlichkeit leisten, als einzige Regierungspartei in den drei Wahlkreisen Sissach, Gelterkinden und Waldenburg keine eigene Kandidatenliste stellen zu können. 2019 holte sie dank Restmandat-Arithmetik einen Sitz — mit Partnerlisten von GLP und BDP. 2023 wurde er knapp gehalten.
Das neue Wahlrecht wird dies beenden.
Mit anderen Worten: Die Mitte lebt mit neun von zehn Sitzen vom unteren Kantonsteil. Wobei das Laufental das strukturelle Sorgenkind bleibt: zwei Sitze auf Kante genäht — 2019 hatte die CVP dort 32,7%, knapp unter der Schwelle für zwei sichere Sitze.
Der nationale Trend spricht gegen Hoffnung.
Im schlimmsten, aber nicht mehr unwahrscheinlichen Fall schrumpft die Mitte-Fraktion 2027 auf noch acht Mitglieder.
Die unbequeme Pointe: Die Mitte verliert 2027 keine Sitze durch Amtszeitbeschränkung — alle schwergewichtigen Bisherigen dürfen nochmals antreten.
Die Gefährdung kommt ausschliesslich durch das neue Wahlrecht und den nationalen Trend.
Somit ist Laubers Regierungsratssitz nicht nur symbolisch wichtig — er ist der einzige Hebel, den die Partei noch in der Hand hat.
Sie hat sich offenbar entschieden: ignorieren.
Keller P meint
Nach Ihrer Analyse muss er nun bleiben. Wäre ein Gesichtsverlust, sich von arlesereloaded remotely und kostenlos beraten zu lassen. Sie haben auf diese Weise schon so viel Fälliges verhindert, obschon Sie genau das nicht wollten.
Arlesheimreloadedfan meint
Da liegt im Baselbiet aber viel im Argen.
Wenn aus purem Trotz ausgesessen wird, nur dass MM nicht recht bekommt.
Freigesinnter meint
Die kantonale und vor allem lokale FDP sind aus ebendiesem Grund seit Jahren MM-Trotzkisten.