
Wie moralisch heilsam ist mir es dann auch, unter einem ganz sinnlichen Volke zu leben, über das so viel Redens und Schreibens ist, das jeder Fremde nach dem Massstabe beurteilt, den er mitbringt. Rom, 1. November 1786
Es ist nicht Italien, es ist unsere Idee von Italien, die uns immer wieder hinfahren lässt.
Diese Sehnsucht der Nordländer nach dem Süden, nach Licht — „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ — kitschiger geht es kaum.
Vor Jahren habe ich Goethes „Italienische Reise“ gelesen.
Ehrlich gesagt war ich etwas enttäuscht: Ich hatte einen Baedecker erwartet, Inspirationen für Orte, die man aufsuchen könnte, um nachzuschauen, was noch da ist und was verschwunden.
Stattdessen: Kunstbetrachtungen, Naturphilosophie, Selbstgespräche.
Gegessen hat Goethe in 700 Seiten offenbar nie. Kein Wein, keine Pasta, kein Marktbesuch. Jedenfalls scheint er ohne jenen sinnlichen Genuss gereist zu sein, den wir heute mit Italien verbinden.
Geblieben ist immerhin der Titel als Teil unseres Italienbildes — das Land, wo Dichter, Denker und Maler ihre Inspiration holten.
Deshalb in Anlehnung an Goethe: Nach all den Jahren nichts Neues. Und doch immer wieder neu.