Irgendwann hatte ich aufgehört, Kirchen zu besichtigen. Der Entscheid war lapidar: Wenn ich sonst nie in die Kirche gehe — warum dann unterwegs?
Touristenpflicht ist schliesslich kein Argument.
Die KI hatte Sigüenza auf die Karte gesetzt. Mittelalterliche Kleinstadt, Kastilien, zwei dominierende Bauten: das Castillo, heute Parador, wo wir nächtigen und die Kathedrale. Sonst ist nicht sehr viel los hier.
Also warum nicht auch die Kathedrale.
Ohne Umschweife: Die Catedral de Santa María ist eine der eindrücklichsten Kirchen, die ich je betreten habe.

Was sie von den meisten unterscheidet: Sie ist nicht aus einem Guss, sondern aus Jahrhunderten zusammengewachsen. Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, jede Epoche mit eigenem Volumen und eigenem Zweck.

Das Ergebnis ist kein Stilbruch, sondern eine gebaute Kulturgeschichte Europas.
Die Ausgestaltung ist von einer Qualität, die man nicht erwartet. Nicht in einer Stadt dieser Grösse. Sie setzt voraus, dass Sigüenza über längere Perioden reich war — reich genug, um Handwerker und Künstler zu beschäftigen, die anderswo auch gearbeitet hätten.
Die Kathedrale ist das Argument, das für Sigüenza spricht.

PS: Der Parador bietet dem E-Autofahrer eine Ladestation.