
Those who don’t want to be dependent on China, or aligned by definition, on the US. It’s time for Europe to build a third bloc. A bloc that includes countries that share a desire for peace, cooperation, trade, and the generation of prosperity. Emmanuel Macron in Korea.
Es gibt Momente, in denen Geschichte nicht schleichend, sondern in Schüben vorangeht. Wir erleben gerade einen solchen.
Emmanuel Macron war in Seoul.
Dort hat er ein paar kluge Sätze gesagt, die man sich merken wird. Zum Beispiel auch den: «Europe is an extremely attractive continent. For months I’ve been saying this, and thanks to our American friends, I now have an unprecedented selling point: We are predictable.»
«Wir sind berechenbar» – Trump hat Europa unabsichtlich ein Markenprofil geschenkt, das noch vor wenigen Wochen niemand verstanden hätte.
Wer verstehen will, warum ausgerechnet Frankreich erneut den Ton setzt, muss 60 Jahre zurückgehen.
1966 zog Charles de Gaulle Frankreich aus der integrierten NATO-Kommandostruktur heraus und begründete die Force de frappe — im Gegensatz zu Grossbritannien eine von Washington unabhängige Nuklearstreitmacht.
Die Verbündeten reagierten mit Unverständnis, die Amerikaner verschnupft. De Gaulle störte die Harmonie, weil er die Interessensunterschiede beim Namen nannte.
Europa war schon damals kein Bündnis unter Gleichen. Es war ein vielschichtiges Abhängigkeitssystem: Wer den atomaren Schutzschirm kontrolliert, kontrolliert die Politik darunter.
Deutschland durfte den Exportweltmeister spielen, solange Washington die strategischen Entscheidungen traf.
Die Unterfinanzierung der europäischen Verteidigung war kein Versagen — sie war amerikanisches Abhängigkeitsdesign. Die westliche Äquivalenz zur russischen Dominanz im Osten.
De Gaulle hat das verstanden, offen benannt — und als Einziger die Konsequenz gezogen. Die Franzosen haben applaudiert. Für den Rest Europas wurde er lästig.
Und jetzt Macron.
Im Herbst 2019 erklärte er der NATO den «brain death».
Merkel sprach von «drastischen Worten». Stoltenberg distanzierte sich pflichtschuldig. Der Reflex war identisch wie gegenüber de Gaulle: nicht Argument gegen Argument, sondern Ausgrenzung des Unbequemen.
Macron wurde nicht inhaltlich widerlegt. Er wurde moralisch sanktioniert. Sieben Jahre später gibt ihm die Geschichte recht.
In Seoul skizzierte er eine Koalition der Ungebundenen — Korea, Japan, Indien, Brasilien, Australien, Kanada, Europa. Nicht anti-amerikanisch, nicht pro-chinesisch.
Ein dritter Block, explizit so benannt: «Those who don’t want to be dependent on China, or aligned by definition, on the US. It’s time for Europe to build a third bloc. A bloc that includes countries that share a desire for peace, cooperation, trade, and the generation of prosperity.»
Die Substanz dahinter: «The European Council is slow, but we know how to respond to crises. We respect the rule of law and international law. We don’t believe in the law of the strongest.»
Ein Gegenprogramm zu Washington als Angebot der Europäer an bedrängte Mittelmächte.
Frankreich ist das einzige westliche Land, das nicht nur widerspricht, sondern einen eigenen Weg entwirft — nicht aus Antiamerikanismus, sondern aus dem Selbstverständnis, eine eigenständige Stimme zu haben.
De Gaulle hat sie begründet. Macron führt sie fort — mit multilateralem Werkzeug und globaler Bühne. Die Franzosen haben es verstanden.
observador meint
Das ist einer der intelligentesten Kommentare der letzten Jahre, basierend auf dem Selbstverständnis des (zu) oft belächelten Franzosen Macron.
Ich hoffe, dass die aktuellen Staatsführer in UK und Deutschland endlich so handeln, wie ihre politischen Urväter (Churchill in UK, de Gaulle/Mitterand in F und Adenauer/Schmidt in D) noch heute tun würden.
Der orangene Prolet ohne jeglichen Anstand und ohne jegliches Geschichtsverständnis gibt Europa die unerwartete Chance dazu.
Und ich bin sicher, dass noch viele Länder in Asien, Süd- und Lateinamerika sowie Afrika folgen werden, sofern die Europäer es richtig anstellen.
Dazu müsste allerdings m.M. auch die Auflösung dieser EU sofort/endlich erfolgen und wieder ein EWR gegründet werden.
Und die gegenseitige Obstruktion und die oft lächerlichen Animositäten zwischen D, F und UK müssen endlich aufhören.
Ob das jetzige Regierungspersonal und die Völker dieser 3 Länder (und dieser EU-Kommision!) das können und wirklich wollen, wird die Gretchenfrage sein!
Besten Dank für Ihren wertvollen Beitrag, den ich in meinem internationalen Umfeld, vor allem in Deutschland und GB/Irland, möglichst breit streuen werde.
„observador“, ein Leser aus dem Ausland.