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Zwei Interviews, zwei Niederlagen — und keiner merkt’s

16. März 2026 By Manfred Messmer

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Die NZZ lässt Blocher gegen Couchepin antreten, die BaZ schickt Schneider-Schneiter allein ins Feld. Das Ergebnis ist dasselbe: Die Gegner der 10-Millionen-Initiative liefern handwerklich schwache Auftritte — und tun dies mit der Souveränität von Leuten, die sich für die Sieger halten.

Elisabeth Schneider-Schneiter setzt das Bilaterale-Argument offensiv ein — soweit korrekt. Doch dann liefert sie eine Nebenthese, die ihr Interview retroaktiv untergräbt: Die EU sei «gar nicht mal so traurig» über ein mögliches Scheitern der Bilateralen III, weil der bilaterale Weg für Brüssel immer nur ein Provisorium war.

Das ist ein Eigentor in Zeitlupe.

Wer die Bilateralen als Beweis europäischer Zuneigung verkauft, kann nicht im selben Atemzug einräumen, dass Brüssel sie entbehren könnte. Die Botschaft, die beim Leser ankommt: Vielleicht sind die Bilateralen gar nicht so kostbar, wie die Gegner behaupten.

Noch lehrreicher ist Blocher gegen Couchepin.

Blocher steigt kein einziges Mal in Couchepins Logik ein — weder beim Bürokratie-Argument noch beim China-Vergleich noch bei der Agrarfalle.

Er wiederholt seinen Rahmen: Souveränität, Freiheit, zu hohe Zuwanderung, EU als Schuldnerclub. Couchepin widerlegt, erklärt, doziert. Je mehr er Blochers Positionen als «politische Archäologie» oder «Albisgütli-Rede» abtut, desto deutlicher signalisiert er Frustration — und Frustration ist das nonverbale Eingeständnis, dass die Botschaft des Gegners ankommt.

Die eigentliche Pointe: Blocher gewinnt dieses Interview nicht durch Argumente, sondern durch Wiederholung. Couchepin versucht zu widerlegen. Blocher ignoriert und setzt neu an. Nach dreissig Jahren Übung ist das keine Taktik mehr — das ist Reflex.

Was beide Auftritte verbindet: Die Gegner kämpfen auf dem Terrain des Gegners. Sie reagieren auf seine Frames, statt eigene zu setzen. Das 9,5-Millionen-Argument — die rechtlich operative Schwelle, die bereits 2031 greift und mathematisch nicht ohne PFZ-Einschränkungen zu halten ist — kommt nicht vor.

Dabei wäre es das stärkste Contra-Argument: konkret, früh, unausweichlich. Stattdessen: Zukunftsszenarien, EU-Solidaritätsappelle, Frustration.

Abstimmungen verliert man nicht an Blocher. Man verliert sie, weil man ihm das Spielfeld überlässt.

Kategorie: schweiz-politik Stichworte: 10-Millionen-Initiative, Blocher, Couchepin, Schneider-Schneider

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. C. Gass meint

    17. März 2026 um 5:24

    BR Jans gestern auf SRF News: gefragt, was der BR gegen den Zuwanderungsdruck unternehme, konnte er nur anführen: die Bahnhöfe ausbauen (auf zusätzliche Kosten der Steuerzahler…). Auch wenn man die Nachhaltigkeitsinitiative als zu extrem ablehnt, kommt man nicht umhin zu konstatieren, dass der BR ein weit verbreitetes Unbehagen der Schweizer Bevölkerung nicht aufnimmt. Das kann sich eines Tages rächen …

  2. Daniel Flury meint

    17. März 2026 um 4:11

    «Oberwill Suuber Sii».

    Schneider-Schneiter vor ein paar Jahren im Wahlkampf. Wer sie ernst nimmt, der hat (Lagerfeld) «die Kontrolle über sein Leben verloren».

    Und Couchepin (ein Walliser) versus Blocher, ein (ach, lassen wir das) … .

    Und überhaupt sollten gutsituierte Rentner Orchideen züchten, oder wenigstens ihre Gärtner machen lassen.

  3. Stefan Wiesendanger meint

    16. März 2026 um 12:11

    Schneider-Schneiter sagt es richtig. Der Bilaterale Weg ist für die EU ein Provisorium. Eine der Gangarten in einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten, aber mit gemeinsamer Fahrtrichtung und gemeinsamer Endstation. „Stabilisierung“ ist deshalb nicht als „wir sind angekommen“ zu verstehen, sondern als „wir sind eingestiegen“.

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