
Vivo questa guerra e le sue possibili conseguenze ventiquattr’ore al giorno. Sono costretto a sapere cose che non mi fanno più dormire. Per ciò che potrà accadere nelle prossime settimane, per gli effetti che avrà sull’economia e sulla nostra vita quotidiana.** Guido Croseto, Verteidigungsminister Italiens.
Die Nachrichten, die aus dem Golf im Minutentakt auf uns einstürmen, können wir nicht verarbeiten. In ihrer Summe verdichten sie sich bei mir zu einer dunklen Wand, die sich unaufhaltsam auf uns zuschiebt.
Wir kennen dieses Gefühl – oder?
Wir gehen unserer Sache nach – das ist der normale menschliche Schutzmechanismus. Solange die Autos fahren und die Regale voll sind, können wir die heraufziehende Krise ausblenden. Doch was sich seit dem 28. Februar in den globalen Versorgungsketten abspielt, wartet nicht auf unsere Aufmerksamkeit.
34 Kilometer, die die Welt ernähren
Die Strasse von Hormuz ist 34 Kilometer breit an ihrer engsten Stelle. Durch sie fliessen täglich rund 20 Millionen Fass Rohöl — etwa 20 Prozent des weltweiten Seehandels mit Öl.
Flossen: Seit dem US-israelischen Angriff auf Iran ist der Verkehr praktisch zum Erliegen gekommen. Versicherungsgesellschaften haben sich zurückgezogen, die Tanker ankern.
Derzeit fehlen der Weltwirtschaft laut Analysten 4,5 bis 5 Millionen Fass täglich.
Klingt abstrakt.
Ein Vergleich macht es greifbar: Die IEA hat als Notmassnahme 400 Millionen Fass Reserven freigegeben — die grösste Freigabe in der Geschichte dieser Organisation.
Das reicht gerade mal für vier Tage des weltweiten Verbrauchs.
Bis Mitte April dürfte sich der tägliche Ausfall laut BCA Research verdoppeln, weil dann die Notreserven und die kurzfristigen Ausnahmen für Iran und Russland erschöpft sind.
Ukrainische Drohnenangriffe haben in den letzten Tagen mindestens 40 Prozent der russischen Ölexportkapazität lahmgelegt.
Die ersten Zeichen an der Wand
Slowenien ist das erste EU-Land, das Treibstoff rationiert: Privatfahrer dürfen maximal 50 Liter pro Tag tanken. Der Auslöser war nicht einmal echte Knappheit — sondern «Benzintourismus»: Österreicher tankten massenweise im günstigeren Nachbarland, bis die Zapfsäulen leer waren.
Ungarn hat Füllmengen auf 30 Liter begrenzt, Grossbritannien diskutiert eine Obergrenze von 30 Pfund pro Tankvorgang. Australien macht in zwei Bundesstaaten den öffentlichen Verkehr gratis, um Autofahrten zu reduzieren.
Im Luftverkehr sind die Signale noch deutlicher. Die IATA warnt: 25 bis 30 Prozent des europäischen Flugbenzins stammen aus dem Persischen Golf, die Reserven decken noch etwa einen Monat.
Die Flugbenzinkosten haben sich in den letzten drei Wochen verdoppelt.
SAS streicht als erste europäische Fluggesellschaft mindestens 1’000 Flüge im April. Die kleine schwedische Gesellschaft wagt es als einzige zu sagen, was Sache ist – der Kanarienvogel in der Kohlemine.
Folgt eine der Grossen, wird in Europa die Buchungspanik ausbrechen.
Das unsichtbare Problem: Düngemittel
Über Öl und Benzinpreise wird geredet. Über Düngemittel kaum — dabei könnte das der tiefere Schock sein.
Durch die Strasse von Hormuz fliessen normalerweise 20 bis 30 Prozent der weltweiten Düngemittelexporte, darunter 35 Prozent des global gehandelten Harnstoffs (Urea) — der wichtigste Stickstoffdünger für Weizen, Mais, Raps.
QatarEnergy hat die Urea-Produktion eingestellt.
China hat Düngemittelexporte eingeschränkt. Die Urea-Preise sind von 400 bis 490 Dollar pro Tonne auf rund 700 Dollar gestiegen.
Das Perfide daran: Es ist Frühjahrspflanzsaison. «Unsere Felder brauchen Stickstoff jetzt», sagt ein Berliner Agraringenieur dem ZDF, «je früher desto besser, damit die Kulturen sich aufbauen können.» Der Vizegeneraldirektor des Welternährungsprogramms formuliert es nüchterner: «Im schlimmsten Fall bedeutet das geringere Ernteerträge und Ernteausfälle nächste Saison.»
Die Folgen sind derzeit noch unserer Fantasie überlassen.
Die eigentliche Botschaft
Lawrence Freedman, einer der schärfsten Analytiker der westlichen Strategieliteratur, schreibt nach einer Woche Washington, das Departement of State sei so leer, dass man die eigenen Schritte hallen höre.
Das ist der eigentliche Kontext von Crosetttos Schlaflosen Nächten. Nicht die Krise allein — sondern die Krise kombiniert mit dem Vakuum dort, wo normalerweise Krisenmanagement stattfindet.
Die apokalyptischen Szenarien nähern sich als schleichende Normalität. Der Moment, in dem alle gleichzeitig begreifen, dass die letzten Wochen die guten waren, kündigt sich nicht an.
Er ist da, wenn der Nachbar anfängt, Vorräte anzulegen.
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**Ich lebe diesen Krieg und seine möglichen Folgen rund um die Uhr. Ich bin gezwungen, Dinge zu erfahren, die mir den Schlaf rauben. Wegen dessen, was in den nächsten Wochen passieren könnte, wegen der Auswirkungen, die dies auf die Wirtschaft und unser tägliches Leben haben wird.